Ryanair-Chef
Älter als 7 Tage

"In Seattle geht es drunter und drüber"

Ryanair Boeing 737 MAX 8200
Ryanair Boeing 737 MAX 8200, © Ryanair

Verwandte Themen

DUBLIN - Verzögerte Auslieferungen neuer 737 MAX setzen Ryanair zunehmend unter Planungsstress. Airlinechef Michael O'Leary rechnet bis Sommer mit bis zu 20 Flugzeugen weniger als noch vor Tagen - und sieht sich von Boeing geblendet. Teile des Ryanair-Sommerflugplans wackeln.

Zuletzt hatte Michael O'Leary für Boeing noch eine Lanze gebrochen. Die Kritik des US-Flugkonzerns United Airlines an der 737 MAX nannte der Ryanair-Chef etwa "überzogen".

Inzwischen ist O'Leary vom US-Flugzeugbauer genervt. "Wir erhalten ständig neue, optimistische Lieferversprechen, die dann nicht eingehalten werden", sagte der Ryanair-Chef am Freitag vor Medienvertretern. "In Seattle geht es drunter und drüber."

Noch in der Vorwoche hatte Ryanair auf eine Lieferzusage von 50 737 MAX bis Ende Juni vertraut - zwar sieben Flugzeuge weniger als zunächst geplant, die jüngsten Turbulenzen im 737-MAX-Programm nach dem Türvorfall bei Alaska Airlines hatte Boeing in die Lieferprognose aber bereits eingepreist.

Sicher könne Ryanair aktuell nur noch mit "30 bis 40" Auslieferungen bis Sommer rechnen, sagte O`Leary. Die neue Richtschnur werde Kürzungen im Flugplan nach sich ziehen. Ryanair will mit einer Entscheidung aber noch etwas warten - sofern bis Ende März doch 45 Auslieferungen absehbar sind, könnte Ryanair den Rotstift wohl stecken lassen.

Ryanair rechnet bei Konkurrenten mit A320neo wie Lufthansa und Wizz Air wegen notwendiger Triebwerksinspektionen mit Flottenausfallquoten von bis zu 20 Prozent.

Umso mehr schmerzen Ryanair die eigenen Flottenengpässe. Mit den eigentlich geplanten 57 Auslieferungen "würden wir uns eine goldene Nase verdienen", sagte O'Leary. Die Ticketpreise dürften im Sommer 2024 weiter anziehen, wenn auch nicht mehr so drastisch wie 2023 - Ryanair geht von einem Anstieg um fünf bis zehn Prozent aus.

Boeing zieht personelle Konsequenzen

Boeing kämpft in der Produktion seines Bestsellers mit Qualitätsproblemen. An mehreren 737 MAX 9 hatten Mechaniker Vorrichtungen für Notausgänge nicht korrekt installiert, an einem Flugzeug von Alaska Airlines hatte sich die Türblende im Steigflug aus Portland gelöst.

Die US-Luftfahrtaufsicht FAA prüft die Kontrollen im Programm hat den Ausbau der Produktion vorerst gestoppt. Boeing hat vergangene Woche die Programmleitung der 737 MAX ausgetauscht.
© aero.de, dpa-AFX | Abb.: Ryanair | 26.02.2024 09:00

Um einen Kommentar schreiben zu können, müssen Sie sich bei aero.de registrieren oder einloggen.

Beitrag vom 26.02.2024 - 19:53 Uhr
Durch die brachialen Coronamassnahmen brachen weltweit die Lieferketten zusammen, von der sich die Weltwirtschaft bis heute nicht erholt hat. Und sich so bald auch nicht erholen wird. Davon Betroffen sind sowohl die Hersteller als auch die Airlines. Und zwar alle. Aber auch der Verkehr am Boden, siehe DB oder ÖBB. Sogar auf der Straße, siehe Lieferfristen und Preise der Autohersteller. Das alles war allerdings vorhersehbar.

Qualitäts- und Risikomanagement bei Boeing sind schon weit vor der Coronakrise zusammengebrochen. Sonst wäre MCAS in der Form nie entwickelt worden. Auch eine Häufung von Qualitätsmängeln quer durch militärische und nichtmilitärische Programme häufen sich spätestens seit 2018.

Bei Boeing kam mMn Corona "on top". Die damit verbundenen Entlassungen haben wohl ihr Übriges dazu beigetragen, verbleibende informelle Reste des ehemaligen Qualitätsmanagements, erhalten durch erfahrene Mitarbeiter, endgültig abzubauen.

Was hier gerade zusammenbricht ist nicht weniger als die Illusion Wachstum wäre planbar, die Lebenslüge der kapitalgesteurten Industrie.

"Unplanbar" hat vermutlich jetzt fast jeder verstanden.
Für "unverzichtbar" halten die Meisten Wachstum weiterhin.

Mit massiven Auswirkungen auf unser gesamtes Wirtschafts und Finanzsystem. Entweder wir schaffen den Umbau auf eine bedarfsgerechte Wirtschaft oder wir landen allesamt auf dem Müllplatz znserer Zivilisation.

Stimmt ... die Frage ist vermutlich, wessen Bedarf hier das "bedarfsgerecht" definieret.
Beitrag vom 26.02.2024 - 19:35 Uhr
Tja MOL, hast wohl zu früh die ach so tollen Flieger zum versprochenen Termin bereits verplant.
Dabei hätte er doch nach den Erfahrungen der letzten Jahre mit rechnen können, dass wieder irgendein Problem auftritt.
Aber er wollte es ja nicht anders und setzt voll auf die Flugzeuge von B.
Beitrag vom 26.02.2024 - 17:06 Uhr
Verständlich dass MOL seinen Groll an Boeing auslässt, das Problem sitzt aber viel tiefer
:::::

Ach guck an, die Lieferkette war dafür verantwortlich, daß eine Tür herausgefallen ist und Boeing jetzt die anderen nochmals festschrauben muß?

Mit massiven Auswirkungen auf unser gesamtes Wirtschafts und Finanzsystem. Entweder wir schaffen
den Umbau auf eine bedarfsgerechte Wirtschaft

Das stimmt. Die Wirtschaft richtet sich einfach nicht gerecht auf meinen Bedarf aus und baut keine Flugzeuge zum Preis eines Autos.

oder wir landen allesamt auf dem Müllplatz znserer Zivilisation.

Nicht wir. Nur die, die vom Müllplatz ideologischer Verirrungen aus starten.

Glasklar dass da eine wachstimgetriebene Rayanair jetzt auf harte Zeiten zusteuert.

Tja, da schlägt jetzt die knallharte Wahrheit des praktizierenden Idealisten durch. Die Interflug, gäbe es sie noch heute, hätte natürlich im Gegensatz zu Ryanair wegen ausbleibender 737 tatsächlich keinen Flugplan stutzen müssen, sie hätte die gar nicht erst bestellen können.


Stellenmarkt

Schlagzeilen

aero.uk

schiene.de

Meistgelesene Artikel

Community

Thema: Pilotenausbildung

FLUGREVUE 04/2024

Shop

Es gibt neue
Nachrichten bei aero.de

Startseite neu laden