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Airbus schickt A350-1000 und A321neo nach Le Bourget

TOULOUSE - Mit Leichtigkeit hebt die A350-1000-Testmaschine von der Piste in Toulouse ab, nachdem sie nur etwa die halbe Bahn genutzt hat, und dreht steil nach links. Offensichtlich waren die Airbus-Testpiloten an diesem Sommermorgen dabei, mit ihrem Flugzeug an die Limits zu gehen.

Und damit einen kleinen Einblick zu gewähren in das, was sie kommende Woche in den Flugvorführungen auf der Pariser Luftfahrtschau in Le Bourget zeigen werden, der wichtigsten Luftfahrtmesse der Welt.

Vergangenen Freitag lud ein selbstbewusster Flugzeughersteller die internationale Presse an seinen Hauptsitz in Toulouse ein, um vor Paris seine Sicht der Dinge zu beschreiben.

"Unsere Priorität 2017 ist das Hochfahren unserer Produktion mit mehr als 6.700 bestellten und noch auszuliefernden Flugzeugen," sagte Fabrice Brégier, COO von Airbus und Chef der Verkehrsflugzeugsparte.

Das ist besonders wichtig für die A320-Familie, nach den vielen Problemen und Rückschlägen der A320neo-Serie vor allem durch ihre anfälligen Pratt & Whitney-Getriebefan-Triebwerke. Derzeit sind 116 A320neo und A321neo im Einsatz bei 25 Betreibern.

Virgin America Airbus A321neo
Virgin America Airbus A321neo, © Tobias Gudat

"Mit der A320 und A320neo hatten wir einige Schwierigkeiten beim Hochfahren der Produktion, aber der Output in beiden Programmen wird sich 2017 beinahe verdreifachen, 200 oder mehr Auslieferungen sind dabei durchaus erreichbar," so Fabrice Brégier in Toulouse.

Verglichen mit anderen Flugzeugprogrammen der jüngsten Vergangenheit scheint die A350 vergleichsweise rund zu laufen. Airbus ist vor allem erfreut über die hohe technische Zuverlässigkeit der A350, die von 97,2 Prozent in 2015 auf 98,8 Prozent in jüngster Zeit stieg, wobei das Ziel für Ende 2017 bei 99 Prozent liegt.

"Hier liegen wir ein wenig über den Vorgaben, die A350 bietet mit die größte Zuverlässigkeit und eine frühere Produktreife, verglichen mit unseren vorherigen Programmen und denen unserer Wettbewerber," verkündet Fabrice Brégier. Derzeit sind 84 A350 an zwölf Airlines ausgeliefert, für Ende 2018 ist die angestrebte Produktionsrate zehn Flugzeuge pro Monat.

Nach Angaben von Brégier macht das Testprogramm für die A350-1000 ausreichend Fortschritte, um bis zum Ende des Sommers wie geplant abgeschlossen zu werden. Eines der drei Testflugzeuge wird in Le Bourget gezeigt, neben einer der beiden A321neo-Prototypen.

Airbus A350-1000
Airbus A350-1000, © Airbus

Schließlich ist die A330neo, mit geplantem Erstflug in diesem Sommer, "auf einem guten Weg, während wir auf die Triebwerke von Rolls-Royce warten, die ein bisschen verspätet sind," so der Airbus-COO.

Angesichts der Tatsache dass von der A380 seit anderthalb Jahren, damals einer Order von ANA über drei Flugzeuge im Januar 2016, kein Exemplar mehr verkauft werden konnte, bewirbt Airbus sein größtes Flugzeug derzeit massiv. Offiziell steht das Orderbuch bei 317, von denen 213 bisher geliefert wurden.

Kauft Emirates 20 A380?


Aber einige der ausstehenden Aufträge stehen im Zweifel, etwa jene von Qantas (mit acht unerfüllten Bestellungen) oder Virgin Atlantic (sechs), die beide klar sagen sie wollen die einst bestellten A380 nicht mehr. Airbus wird die Produktion "nachhaltig" auf ein Flugzeug pro Monat herunterfahren oder auch "etwas weniger", wenn sich nicht bald neue Kunden finden.

Es gibt Gerüchte nach denen Emirates in Le Bourget 20 weitere A380 bestellen wird, wozu ein Airbus-Sprecher anmerkt: "Wir könnten sogar eine A380 nach Toulouse bringen wenn es Neuigkeiten gibt."

Seit Ausbruch der Katar-Krise vor einer Woche und seit Emirates' finanziellem Einbruch gibt es daran allerdings mehr Zweifel als noch vor kurzem.

In Toulouse gab sich Fabrice Brégier entschieden: "Wir werden derzeit keine A380neo starten, es gibt hier kein Geschäft zu machen, aber es gibt trotzdem viel was wir tun können um die A380 besser zu machen, etwa durch effizientere Triebwerke oder neue Winglets."

Nach Aussage von Airbus-Programmchef Didier Evrard könnten künftige A380-Winglets bis zu fünf Meter lang sein. "Die derzeitigen Wingtip Fences der A380 wurden in einer Zeit entwickelt als es noch nicht das richtige Material und genügend Forschung gab, um größere Winglets zu bauen," so Evrard zu aero.de.

Die Einführung von neuen Innovationen unterhalb des Niveaus einer A380neo-Version soll jetzt endlich neue Kunden überzeugen.

Airbus kitzelt 80 Sitze aus A380 raus


"Wir haben immer noch einige Verkaufskampagnen laufen und wir bieten die A380 jetzt mit mehr Sitzen an," erklärt Fabrice Brégier. Tatsächlich gibt Airbus die Kapazität der A380 in vier Klassen jetzt mit einem Katalogwert von 575 Sitzen an, verglichen mit 525 in drei Klassen zum Programmstart.

Insgesamt 80 zusätzliche Sitze können auf beiden Decks Platz finden durch eine ganze Reihe von Umgestaltungen. Als wichtigste Änderung sticht hervor dass es die beiden großen Treppen nicht mehr geben soll, die bisher ganz vorn und ganz hinten beide Decks miteinander verbinden. Sie werden ersetzt durch zwei sehr schmale, jeweils zweiteilige Treppen.

"Nachdem der A380-Betrieb jetzt ausgereift ist zeigt sich, dass es auf fast allen Flughäfen, die sie regulär anfliegt, ein direktes Einsteigen ins Oberdeck gibt für jene Fluggäste, die dort sitzen, und die Airlines sowieso den Zugang zu den Premiumklassen für Economy-Passagiere sperren. Deswegen gibt es nur noch begrenzten Verkehr an Bord zwischen beiden Decks," erklärt eine Expertin vom Airbus-Kabinenmarketing.

Diese Veränderungen könnten wohl auch nachträglich in bestehenden A380-Kabinen nachgerüstet werden, wobei es möglicherweise einen erheblichen Aufwand an Bodenzeit und Kosten bedeuten würde, der sich für die Airlines nicht rechnen würde, so dass die Installationen von bis zu 80 Extrasitzen eher für Neukunden in Frage kommt, heißt es bei Airbus.

Leahy: Billigflieger erobern 50 Prozent der Weltluftfahrt


"Die A380 wird eine großartige Zukunft haben," betont der oberste Airbus-Verkäufer John Leahy, "wir sind gerade in einer schwachen Phase, daher müssen wir noch abwarten." Diese Aufgabe wird vermutlich Kiran Rao erben, wenn er im Jahresverlauf den Job von John Leahy übernimmt.

Leahy präsentierte am vergangenen Freitag auch den neuen Global Market Forecast für die Periode 2017 bis 2037. Er prophezeit mit 4,4 Prozent jährlichem, globalen Wachstum stärkere Zuwächse als zuvor, die sich im geschätzten Bedarf von 34.170 neuen Verkehrsflugzeugen in diesem Zeitraum niederschlagen.

Eine erstaunliche Rolle bei diesem Wachstum spielen weltweit die Billigflieger, vor allem wegen der extrem wachsenden Mittelklasse in vielen Schwellenländern. "Billigflieger könnten eines Tages 50 Prozent des weltweiten Luftverkehrs bestreiten, vielleicht sogar mehr," sagt John Leahy.

Unabhängig davon werden vermutlich nicht alle der erwarteten Flugzeugauslieferungen konventionelle Jets sein. Tom Enders, CEO der Airbus Group, sieht bereits innerhalb von 15 Jahren ein Hundertsitzer-Hybridflugzeug an den Start gehen, wie er sich vor den Reportern in Toulouse überzeugt gab. ichen. "Die Slots sind das eigentlich knappe Gut im Luftverkehr."
© Andreas Spaeth, aero.de | Abb.: Airbus | 13.06.2017 09:59


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