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Flughafen Hamburg und Qeshm Air profitieren von Iran-Öffnung

HAMBURG - Am Hamburger Flughafen begann am Freitagmorgen ein weiteres Kapitel in den langen Beziehungen der Hansestadt zum Iran: Der erste Nonstop-Flug aus der Stadt Täbris im äußersten Nordwesten des Landes nach Hamburg landete in Fuhlsbüttel.

Täbris ist die Hauptstadt der iranischen Region Ost-Aserbaidschan und liegt nahe der türkischen Grenze. Für die Universitätsstadt und Teppich-Metropole mit zwei Millionen Einwohnern ist dies die erste Nonstop-Verbindung nach Europa.

Qeshm Air Airbus A319
Qeshm Air Airbus A319, © Andreas Spaeth

Geflogen wird sie von der einzigen iranischen Fluggesellschaft in Privatbesitz, der von der Regierung jetzt Flüge nach Westeuropa gestattet wurden: Qeshm Air. Die ursprünglich 1993 gegründete und in ihrer heutigen Form seit 2012 bestehende Airline hat ihren Sitz in Teheran, ist aber benannt nach der größten iranischen Insel Qeshm im Persischen Golf.

Die Gesellschaft fliegt derzeit 21 internationale Ziele an, etwa Dubai, Larnaka, Moskau, Istanbul und seit Juli auch von Teheran nach Brüssel. Die neue Verbindung nach Deutschland beginnt in Teheran, landet in Täbris zwischen und fliegt dann in knapp fünf Stunden nach Hamburg, sie wird künftig zweimal wöchentlich Montag und Freitag geflogen.

Qeshm Air im Hamburg-Fuhlsbüttel
Qeshm Air in Hamburg-Fuhlsbüttel, © Andreas Spaeth

Zum Einsatz kommt die einzige A319 in der aktuell 21 Flugzeuge umfassenden Flotte von Qeshm Air, das Flugzeug mit dem Kennzeichen EP-SAS wurde vor knapp 14 Jahren in Hamburg gebaut und war bis 2015 für Aeroflot im Einsatz. Qeshm Air verfügt über ein Mix aus den Airbus-Typen A300-600, A319, A320 sowie Avro-Jets und Fokker 70 bzw. 100, das Durchschnittsalter liegt bei über 21 Jahren.

Boeing 737 MAX 8 ab 2022

Im Gespräch mit aero.de erklärte Qeshm Air-CEO Mahmoud Shekarabi in Hamburg, dass seine Gesellschaft große Expansionspläne hat. "Ich habe während der IATA-Hauptversammlung in Cancun im Juni mit Boeing verhandelt und wir haben einen Auftrag über zehn Boeing 737 MAX 8 erteilt", so Shekarabi.

Allerdings muss sich Boeing jetzt beim Office of Foreign Assets Control (OFAC) des US-Finanzministeriums um die Ausfuhrgenehmigung bemühen. Der CEO von Qeshm Air rechnet daher mit einer Auslieferung der ersten 737 MAX 8 erst ab 2022. Um die Zeit bis dahin zu überbrücken hat Qeshm Air zusätzlich sieben gebrauchte Boeing 737-800 geordert, die bereits im kommenden Jahr die Flottenerneuerung beginnen sollen.

Qeshm Air im Hamburg-Fuhlsbüttel
Qeshm Air in Hamburg-Fuhlsbüttel, © Andreas Spaeth

Nach Iran Air und Iran Aseman Airlines bestellten mit Qeshm sowie Zagros Airlines und Iran Airtour nun auch drei private Airlines modernes westliches Fluggerät, auch wenn es Jahre bis zur Lieferung dauern kann.

Die Expansion des Streckennetzes nach Europa geht für Qeshm Air allerdings wesentlich schneller, nachdem sie als erste private iranische Gesellschaft, neben der bereits lange in die EU fliegenden staatlichen Iran Air und der halbstaatlichen Mahan Air, die nötigen europäischen Sicherheitsaudits bestanden hat sowie entsprechende Verkehrsrechte vom iranischen Verkehrsministerium erteilt wurden.

Nächstes EU-Ziel in Skandinavien


"Wir werden schon in den nächsten zwei Monaten als weiteres Ziel innerhalb der EU eine Stadt in Skandinavien in unseren Flugplan aufnehmen", verrät Shekarabi. Dabei dürfte es sich um Stockholm oder Kopenhagen handeln.

In all diesen Entwicklungen zeigt die Wiener Nuklearvereinbarung zwischen den westlichen Staaten und dem Iran vom Januar 2016 Wirkung, die es iranischen Airlines nach Jahrzehnten des Stillstands vor allem ermöglicht, werksneue Flugzeuge direkt beim Hersteller zu kaufen.

Qeshm Air im Hamburg-Fuhlsbüttel
Qeshm Air in Hamburg-Fuhlsbüttel, © Andreas Spaeth

Das zeigt sich derzeit schon in Hamburg und auch in Frankfurt: Die staatliche Iran Air setzt zunehmend ihre ersten modernen Airbus-Flugzeuge auf diesen Strecken ein. Die erste A330, Kennzeichen EP-IJA, war in den letzten Wochen häufig auf der zweimal wöchentlich beflogenen Strecke von Hamburg nach Teheran im Einsatz.

Gleichzeitig mit der Erweiterung der Iran-Destinationen um Täbris feiert die Iran Air-Strecke von Hamburg nach Teheran 25jähriges Jubiläum, noch vor zwei Jahren flogen hier häufig die inzwischen ausgemusterten Boeing 747SP, regulär die A300-600. "Der neue Flug von Qeshm Air nach Täbris und Teheran ergänzt das Iran Air-Angebot", sagt Jörgen Kearsley, Chef des Aviation Marketings in Hamburg.

Mehrmonatige Verhandlungen um die neue Strecke

Mehrere Monate dauerten die Verhandlungen zwischen den Hamburgern und den Iranern, auch die deutsche Botschaft in Teheran war eingeschaltet. Zwischenzeitlich war der Kontakt zwischen Flughafen Hamburg und Qeshm Air abgerissen.

Die Aufnahme der Verbindung zwischen Täbris und Hamburg ist kein Zufall: "Hamburg ist mit seinen 22.000 Menschen mit iranischen Wurzeln die zweitgrößte iranische Community in Europa nach London," erklärte der iranische Generalkonsul in der Hansestadt, Seyed Saeid Seyedin, gegenüber aero.de. "Und fast alle diese Menschen hier in Hamburg stammen aus Stadt und Region von Täbris."

Qeshm Air im Hamburg-Fuhlsbüttel
Qeshm Air in Hamburg-Fuhlsbüttel, © Andreas Spaeth

Von daher dient die neue Strecke primär ethnischem Verkehr, auch wenn Täbris über vielfältige Touristenattraktionen wie den historischen Bazar, ein Unesco-Weltkulturerbe, verfügt. "Die Handelsbeziehungen zwischen Hamburg und Persien haben vor 150 Jahren begonnen", so der iranische Konsul, "die Tendenz in allen Bereichen der Zusammenarbeit ist gut."

Es sei bemerkenswert, dass es noch vor kurzem aus politischen Gründen Probleme gegeben habe mit Auftankverboten für iranische Verkehrsflugzeuge in einigen EU-Ländern, so der Generalkonsul, "und heute vergeben iranische Fluggesellschaften Großaufträge an Airbus und Boeing."
© Andreas Spaeth, aero.de | Abb.: Andreas Spaeth | 15.07.2017 09:46


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