Air-Berlin-Insolvenz
Älter als 7 Tage

Piloten und Eurowings sind sich über Neustart nicht einig

Lufthansa integriert Air Berlin in Eurowings
Lufthansa integriert Air Berlin in Eurowings, © Eurowings

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BERLIN - Am 27. Oktober wird Air Berlin den Flugbetrieb einstellen. Wer danach die fünfundzwanzig A320 fliegen wird, die in die Eurowings-Europe-Flotte integriert werden sollen, ist bisher unklar. Die Informationen von Lufthansa und der Pilotengewerkschaft Cockpit zu dem Thema gehen weit auseinander.

"Die Stimmung ist ganz eindeutig", sagt Markus Wahl von der Pilotenvereinigung Cockpit (VC), "das Gros der Air-Berlin-Piloten will sich zu den gebotenen Bedingungen nicht (bei Eurowings Europe, Red.) bewerben. Die Kollegen sind über die sozialen Medien sehr gut vernetzt und tauschen sich aus. Sie stehen momentan sehr geschlossen."

Rechtsanwälte werben um Piloten

Die Air-Berlin-Piloten wollen die Konditionen, zu denen sie bisher geflogen sind, auch bei Eurowings durchsetzen. Inzwischen werben verschiedene Rechtsanwaltskanzleien um die Piloten. Sie wollen einen Betriebsübergang erstreiten. Damit würden die Air-Berlin-Piloten direkt zu den bisherigen Bedingungen in den Eurowings-Betrieb integriert.

Der Bremer Jurist David Schäfer sieht die Piloten in einem solchen Rechtsstreit in einer guten Position. "Die Lufthansa setzt sich ins gemachte Nest der Air Berlin", sagte Schäfer in der ZDF-Sendung Frontal21.

"Somit handelt es sich nicht um eine Stilllegung der Air Berlin, sondern es ist ein Betriebsübergang, für den es klare rechtliche Vorschriften gibt, der auch die Übernahme des Personals zu gleichen Konditionen verlangt."

Ungeachtet dessen legt die Lufthansa in ihrer Außendarstellung Wert darauf, dass die Zahl der Bewerber die Zahl der derzeit 1.300 ausgeschriebenen Stellen bei Eurowings weit übersteigt. Angesichts der Konkurrenz durch Bewerber anderer Airlines riet Lufthansa-Chef Carsten Spohr den Air-Berlin-Mitarbeitern Mitte Oktober 2017 in der Rheinischen Post, "sich schnell zu bewerben."

Laut Pilotenvereinigung Cockpit eine Strategie, Druck auf die Air-Berlin-Piloten aufzubauen. "Meiner Information zufolge haben sich bisher nur Air-Berlin-Piloten im niedrigen zweistelligen Bereich bei Eurowings Europe beworben", sagt Wahl.

Uneinigkeit über Gehaltsunterschiede

"Die Bewerbungseingänge der Air Berliner ziehen merklich an und haben inzwischen die Marke von 500 überschritten", berichtet der Pressesprecher von Eurowings, Matthias Eberle. Wie viele Piloten unter den Bewerbern sind, ist dem Konzern derzeit nicht zu entlocken.

Auch bei der Höhe der Gehaltsunterschiede scheiden sich die Geister zwischen Eurowings und der Pilotenvereinigung Cockpit. "Eurowings hat Stellen bekanntlich nur für die A320 Operations ausgeschrieben - und hier liegen die tabellarischen Gehaltsunterschiede zwischen Air Berlin- und Eurowings-Piloten bei acht bis zehn Prozent", schreibt Matthias Eberle in einem E-Mail-Statement.

Die Spitzengehälter der ehemaligen LTU-Piloten seien demnach keine repräsentative Größe, um die Gehaltsunterschiede zu berechnen.

Anhaltende Ungewissheit

Die Pilotenvereinigung Cockpit spricht dennoch beim Vergleich der Tariftabellen von Gehaltsunterschieden von 30 bis 40 Prozent. Die bis zu zehn Prozent, die der Lufthansa-Konzern kommuniziert: laut VC eine grobe Untertreibung. Das Angebot von Easyjet an die Piloten steht noch aus.

Wenige Tage, bevor bei Air Berlin die Lichter ausgehen, ist eine dringende Frage ungeklärt. Wer wird ab dem 27. Oktober die fünfundzwanzig A320 fliegen, die in die Eurowings-Europe-Flotte integriert werden sollen?

"Wenn die Air Berlin-Piloten nicht fliegen, hat das schon Potenzial, in den ersten Wochen Chaos zu verursachen", sagt Markus Wahl.

Die Ungewissheit kurz vor dem Ende von Air Berlin hält also an: Für Fluggäste, Piloten und Lufthansa.
© aero.de (boa) | Abb.: Lufthansa | 19.10.2017 11:35

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Beitrag vom 24.10.2017 - 07:10 Uhr
Extra für Sie:
Wie wäre es denn wenn es die EWE gar nicht geben müsste weil die Beschränkung bei der EWD nicht weiterverfolgt wird? Selbstverständlich wieder mal: NICHT zu KTV Bedingungen, weil diese nicht tragfähig sind. Aber möglicherweise immer noch besser als die EWE Konditionen. Man muss aber abschätzen können wo Ende der Fahnenstange ist wenn man mit CS verhandelt, sonst kommt die böse Firma in Austria in Rennen. CS ist der Chef, nicht die VC.

Also, die EWE wurde aus der Taufe gehoben, bevor die Beschränkung überhaupt spruchreif war. Da ging es eigentlich darum, so Kandidaten wie Vueling und Ryanair Paroli zu bieten, indem man europaweite Basen nutzt, um um Deutschland herum zufliegen... Österreich war "nur" das Land, indem man relativ einfach ein AOC bekommen hat. EWD war auch vor der Beschränkung dafür "zu teuer"..
Das Ende der Fahnenstange scheint schon erreicht zu sein, da auch ein CS sich keine qualifizierten Piloten aus den Rippen schneiden konnte und EWE Problem hatte Personal zu finden. Er hofft nun darauf, dass die Airberliner einknicken und die zwar leicht verbesserten, aber immer noch bescheidenen und untarifierten Konditionen einfach nehmen müssen.
In die Suppe spucken ihm dabei seine eigenes Personal/Management, dass die EWE-Leuten aufgrund der bescheidenen Bezahlung mit versprochenen Konditionen, wie solche "Kleinigkeiten" wie Tarifverträge, geködert haben und nun seit Jahren nicht liefern.
Da überlegt man eben zweimal, ob man zu schlechten Konditionen ein System ala Ryanair annimmt oder lieber versucht etwas anderes zu finden.

Ganz interessant finde ich dann die EWE-Piloten, die sich jetzt teilweise genau darüber beschweren, dass den AB bessere Konditionen geboten werden und dass man ja schließlich im LH-Konzern die gleiche Leistung abliefert.

Ich bin echt gespannt, wie lange das funktioniert.

Zum Thema KTV nicht tragfähig... Der ist hier gar kein Thema! Da ja selbst tarifiertes EWD-Personal zu teuer zu sein scheint, geht es doch wohl eher um Tarifflucht.
Erst nach Österreich, dann ganz OHNE tarifliche Regeln. Der Traum von O´Leary, gelebt von CS. DAS haben wir in Deutschland doch wohl nicht nötig, oder?!?

Dieser Beitrag wurde am 24.10.2017 07:15 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 24.10.2017 - 06:29 Uhr
Allerdings auch nur hier in diesem Forum, bei denen die was zu sagen haben finden Sie offensichtlich kein Gehör.

Und warum bietet EWE dann plötzlich eine Wechselprämie? Weil sie zuviele Bewerber haben (nach eigener Aussage ja 2500 auf 1500 Stellen)

Also nach ihrer Logik "Jeder zahlt nur soviel wie er muss" würde sich das Angebot jetzt verschlechtern.

Ich glaube, EWE geht der Arsch gerade gewaltig auf Grundeis.
Beitrag vom 24.10.2017 - 01:58 Uhr
Mannomann. Weil keiner mehr zahlt als er muss. Ob das Ihr Gehalt ist oder ob Sie sich einen Fernseher kaufen. XXX ist deutlich günstiger als ZZZ, also kaufen Sie bei XXX. Machen alle so, also auch EW mit den Piloten. Und wenn Sie ein Problem damit haben, wen juckt es schon.
AB ist pleite, da kann man froh sein wenn man mit einem blauen Auge davonkommt und nicht in die Hartz 4 Spirale reingespült wird. Aber ein paar meinen noch ne dicke Lippe riskieren zu dürfen. Allerdings auch nur hier in diesem Forum, bei denen die was zu sagen haben finden Sie offensichtlich kein Gehör.

Dieser Beitrag wurde am 24.10.2017 02:00 Uhr bearbeitet.


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