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Lufthansa-Piloten stimmen mit großer Mehrheit für Arbeitskampf

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Lufthansa Boeing 747-400, © Deutsche Lufthansa AG
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FRANKFURT - Ein massiver Pilotenstreik droht ab Montag den Flugverkehr der Deutschen Lufthansa lahmzulegen. Die Pilotenvereinigung Cockpit (VC) kündigte am Mittwoch in Frankfurt einen flächendeckenden Arbeitskampf an, der bis einschließlich Donnerstag kommender Woche laufen soll. Zum bislang längsten Streik in der Geschichte der Gewerkschaft seien mehr als 4000 Piloten aufgerufen, erklärte die VC-Tarifexpertin Ilona Ritter. Betroffen sind Flüge der Lufthansa, der Lufthansa Cargo und der Tochter Germanwings.

Das Unternehmen bereitet Notfallpläne für die Streiktage vor und hat kulante Umbuchungsmöglichkeiten für die Kunden angekündigt. Der Streikaufruf der Piloten sei «unverhältnismäßig», erklärte die Fluggesellschaft. Ein Streik schade dem Unternehmen, seinen Kunden und Mitarbeitern in hohem Maße, erklärte die Lufthansa. Inlandsflüge sollen vor allem auf die Bahn verlagert werden.

Bei der Urabstimmung der Piloten hatten zuvor knapp 94 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder für den Streik gestimmt. Notwendig wäre eine Zustimmung von 70 Prozent gewesen. In dem Tarifkonflikt geht es unter anderem um Gehaltsforderungen und um die Sicherung von rund 4500 Arbeitsplätzen im Inland.

Der Sprecher der VC-Tarifkommission, Thomas von Sturm, hielt dem Unternehmen vor, bestehende Tarifverträge verletzt zu haben und zunehmend etablierte Arbeitsplätze in billigere Konzerngesellschaften zu verlagern. Zur Finanzierung weiterer Verlagerungen stünden Einsparbeiträge der Piloten nicht zur Verfügung.

Cockpit kritisierte auch die Expansionspolitik des Unternehmens in den vergangenen Jahren: Statt über die Kernmarke Lufthansa nachhaltig zu wachsen sei das Unternehmen durch finanziell risikobehaftete Zukäufe wie Austrian Airlines, Brussels Airlines oder British Midlands aufgebläht worden. Die hohe wirtschaftliche Belastung habe bereits zu höheren Zinszahlungen geführt. Bei Tochterfirmen seien erstmals in der Lufthansa-Geschichte Entlassungen von Piloten «eiskalt exekutiert» worden, kritisierte von Sturm. Rund 500 Piloten- Jobs seien bedroht.

Die Gewerkschaft hatte die Tarifverhandlungen bereits im Dezember 2009 für gescheitert erklärt, nachdem es nicht gelungen war, die verschiedenen komplexen Tarifthemen in den drei Unternehmen zusammenzubinden. «Wir haben bislang kein einziges Angebot der Lufthansa zu sechs offenen Tarifverträgen», erklärte Cockpit-Sprecher Jörg Handwerg. Die VC hatte zunächst 6,4 Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von einem Jahr gefordert. Allerdings schloss die Gewerkschaft auch eine Nullrunde als Gegenleistung für eine Arbeitsplatzgarantie nicht aus.

Der Lufthansa-Vorstand hatte an die Piloten appelliert, das Unternehmen in der wirtschaftlich schwierigen Lage nicht mit einem Arbeitskampf zu belasten. Die Vorbereitungen auf den Streik bei der größten europäischen Fluggesellschaft laufen. Man spiele verschiedene Maßnahmen und Szenarien durch, um die Auswirkungen eines Arbeitskampfes für die Fluggäste möglichst gering zu halten, sagte eine Unternehmenssprecherin. Zum möglichen Ausmaß der Flugstreichungen wollte sich die Lufthansa nicht äußern.

Das Unternehmen habe in langen und intensiven Verhandlungen Lösungsbereitschaft gezeigt, heißt es in einer Mitteilung der Lufthansa AG: «Allerdings hat die Vereinigung Cockpit Forderungen nach Arbeitsplatzsicherheit zusätzlich mit weitgehenden Mitspracherechten bei unternehmerischen Grundsatzfragen und damit einem Eingriff in die Geschäftsführung verknüpft. Diese Verknüpfung kann nicht akzeptiert werden».

Das Unternehmen forderte die Gewerkschaft auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren, um dort eine konstruktive Lösung zu erarbeiten. Umgekehrt verlangte die Gewerkschaft von der Lufthansa ein verhandlungsfähiges Angebot.

Einer der härtesten Streiks war die Lufthansa im Frühjahr 2001 ausgesetzt. Von den dreimaligen Arbeitsniederlegungen der Piloten waren mehr als 200 000 Passagiere betroffen. Damals half Ex- Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) als Vermittler in zähen Verhandlungen eine Lösung zu finden.

© dpa | Abb.: Deutsche Lufthansa | 17.02.2010 08:23




Leser-Kommentare (36)

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20.02.2010 17:19
@ messerheimer:
Es geht meines Erachtens weniger um den generellen "Erhalt der Arbeitsplätze im LH-Konzern" als vielmehr um den Erhalt der Arbeitsplätze samt aller bisherigen Privilegien bei Lufthansa (die nicht gleich LH-Konzern ist).
Und je nach wirtschaftlischer Lage kann sich das ausschließen!!!

Ich kann verstehen, dass sich gestandene LH-Piloten gegen gravierende wirtschaftliche Einschnitte zur Wehr setzen, da sie ja immerhin auf den Zusagen ihre Lebensplanung aufgebaut haben (incl. Inkaufnahme des "Schuldenpakets" wegen der Ausbildung). Wobei zeitweilige Gehaltskürzungen in anderen Bereichen durchaus üblich sind (habe ich selbst jüngst in der chemischen Industrie erlebt).
Es kann aber nicht sein, dass die in "guten" Jahren erreichten / erstrittenen "Kompensationspakete" für alle und für alle Zeiten festgeschrieben sind.
Bestandsschutz ja, aber die unternehmerische Freiheit, auf geänderten Wettbewerb zu reagieren (LCC, Verschiebung weg vom Premium-Segment), darf nicht Streikziel sein. Denn die unternehmerische Freiheit ist nicht Sache der Piloten: Unternehmerische Entscheidungen treffen / beeinflussen, aber aus dem sicheren KTV heraus... Das geht gar nicht. Und wenn LH entscheidet, bestimmte Leistungen auszureedern, ist das Sache der Konzernführung, aber nicht der Piloten. Erst wenn LH-Piloten ebenfalls zu dann ungüstigeren Konditionen "ausgereedert" werden sollen, könnte ich diese Aktion wenigsten halbwegs nachvollziehen. So aber überhaupt nicht.

passagier0815
20.02.2010 12:30
@SDFlight,
nur um das noch mal zu verdeutlichen, ich habe nicht leicht sondern leichter geschrieben. Fehlt ein Pilot sind alle Vorbereitungen planerischer, technischer, verkaufsseitiger, administrativer und passagiernaher Art für den Flug für die Katz. In anderen Bereiche sind schon mal "leichter" Alternativen drin. Zumindest bei manchen Problemen.

Ich weiß aber durchaus den Wert von Spezialisten in allen Bereichen zu schätzen. Bei einer chem. Produktionsanlage habe ich es erlebt das je nach Erfahrung der wechselnden personellen Besetzung der Anlagen die Produktion qualitativ merklich unterschiedlich ausfiel. Das musste bei der Disposition unbedingt berücksichtigt werden, sonst wären Zusagen/Termine geplatzt.
20.02.2010 09:41
In der Fliegerei stellt jede Person ein Zahnrad dar und wenn eins kaputt ist,dann geht die Uhr nicht mehr!!!
Leider ist es so, das manche Berufsgruppen das nicht ganz so sehen!

Wiederum muss ich sagen, das ich den jetzt geplanten Streik für gerechtfertigt halte. Es geht ja nicht nur um Geld, sondern mehr um den Érhalt der Arbeitsplätze im im LH Konzern, die ggf. Stuck für Stück ausgegliedert werden.

Grüße

messerheimer

Dieser Beitrag wurde am 20.02.2010 09:44 Uhr bearbeitet.


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