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Paris probt Körperscanner

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Leutheusser-Schnarrenberger warnt vor "Datensammelwut"

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Airbus A330-300 der Delta / NWA, © Lemoto Kentaro
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BERLIN - Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) hat in der Debatte um Sicherheitsvorkehrungen gegen Terroristen vor «Datensammelwut» gewarnt. «Wir müssen leider feststellen, dass in den USA, wo sehr konkrete Hinweise auf diesen Terroristen vorlagen, offensichtlich so viele Daten gesammelt werden, dass die richtigen Daten nicht an der richtigen Stelle sind», sagte die Ministerin mit Blick auf den vereitelten Terroranschlag von Detroit.

«Das bestätigt uns in unseren Vorbehalten gegen diese immense Datensammelwut», sagte Leutheusser-Schnarrenberger der in Ulm erscheinenden «Südwest Presse» (Donnerstag).

Es müsse geprüft werden, ob es an deutschen Flughäfen genügend Sicherheitspersonal gebe und wie gut dieses ausgebildet sei. Die Entwicklung von Körperscannern sei sinnvoll, wenn damit «tatsächlich ein Gewinn an Sicherheit verbunden» sei. Allerdings müsse der Schutz der Intimsphäre «strikt gewährleistet» sein, so die Ministerin.

Eine verbesserte Ausbildung und Auswahl des Sicherheitspersonals an Flughäfen forderte auch der Vorsitzende des Innenausschusses des Bundestages, Wolfgang Bosbach (CDU). «Wir brauchen eine ethische Schulung des Personals», sagte Bosbach der Tageszeitung «Die Welt» (Donnerstag). Zudem könne bessere Entlohnung des Sicherheitspersonals zur qualitativen Verbesserung der Kontrollen beitragen.

Der Berliner Innensenator Ehrhart Körting (SPD) warnte davor, nach versuchten Anschlägen nur nach technischen Lösungen und neuen Sicherheitsmaßnahmen zu rufen. Das sei falsch, sagte Körting der «Berliner Zeitung» (Donnerstag). Er habe nichts gegen Scanner, wenn sie weder die Gesundheit gefährdeten noch die Intimsphäre verletzten.

Wichtiger sei aber die Antwort auf die Frage, wie man politisch Radikalisierten den Boden entziehen könne. «Dazu darf man nicht nur auf immer neue Sicherheitsvorkehrungen starren, sondern muss die Sprachlosigkeit gegenüber der muslimischen Welt überwinden», sagte Körting. Man müsse den Dialog mit Muslimen suchen, um die Gefahr islamistischen Terrors zu bekämpfen.

Paris probt Einsatz von Körperscanner


Als Konsequenz aus dem gescheiterten Anschlag auf ein amerikanisches Verkehrsflugzeug am ersten Weihnachtstag probt Frankreich den Einsatz von Ganzkörperscannern. Die Pariser Flughafengesellschaft ADP werde in Kürze mehrere Geräte aufstellen und versuchsweise einsetzen, erklärte die Flugaufsichtsbehörde DGAC.

Außerdem sollen die Methoden zum Aufspüren von Sprengstoffspuren verbessert werden. Darüber hinaus will die DGAC das Verhalten der Passagiere besser analysieren und Informationen über verdächtige Personen intensiver auswerten.

Die Körperscanner sollen das Abtasten von Passagieren überflüssig machen. In Deutschland dürfte Mitte des Jahres über einen Probebetrieb der Körperscanner entschieden werden.

© dpa, aero.de | Abb.: Lemoto Kentaro | 07.01.2010 08:20




Leser-Kommentare (2)

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07.01.2010 17:39
Dem ist nicht hinzuzufügen,..
07.01.2010 16:58
Interessant ist, dass immer von einem "gescheiterten Anschlag" gesprochen wird. Natürlich ist das Flugzeug sicher in Detroit gelandet, und darüber bin ich sehr froh. Aber ihr Ziel haben die Terroristen trotzdem erreicht.

Ziel des Terrorismus ist nicht primär, Unfälle zu verursachen oder Menschen zu Schaden zu bringen. Dies ist ein - zugegeben schreckliches - Mittel zum Zweck. Das eigentlich Ziel des Terrors ist jedoch die permanente Verbreitung von Angst und Unsicherheit in der Gesellschaft. Verbunden hiermit sind gesellschaftliche Veränderungen: Mehr Überwachung der Menschen, Einschränkung von bürgerlichen Freiheiten, Behinderungen im globalen Reiseverkehr, Einführung von fast erkennungsdienstlichen Maßnahmen bei der Einreise in eigentlich "befreundete" Staaten etc. Hiermit verbunden ist mittelfristig auch eine Entfremdung zwischen Verbündeten. Wer hat im Bekanntenkreis denn nicht schon den Satz "In die USA reise ich nicht mehr gerne ein" gehört?

Genau das ist das Ziel des Terrors. Die zunehmende Akzeptanz restriktiver Maßnahmen bringt unsere Gesellschaft Schritt für Schritt dorthin, wo die Terroristen sie haben wollen. Die freie westliche Gesellschaftsform ist das Feindbild der Terroristen, und sie sind zunehmend erfolgreich bei der Bekämpfung unserer Lebensweise. Selbst dann, wenn wir einen Anschlag vordergründig als "gescheitert" bezeichnen.

Für mich stellt sich die Frage: Wenn unsere Gesellschaft jedesmal reflexartig mit der Einschränkung bürgerlicher Freiheiten auf einen versuchten oder erfolgreichen Terroranschlag reagiert - setzen wir damit das richtige Signal für die Bekämpfung des Terrors? Oder reagieren wir damit genau so, wie die Terroristen es wünschen?

Leider kann ich auch kein Patentrezept liefern, wie wir mit der Bedrohung umgehen sollen. Aber die o.g. Zusammenhänge werden meines Erachtens viel zu wenig betrachtet. Gerade auch nicht von den USA, die aus meiner Sicht Gefahr laufen, sich zunehmend abzuschotten und vom Rest der Welt zu isolieren - auch von ihren "Verbündeten". Aus Sicht der Terroristen wäre dies ein geradezu perfektes Resultat ihrer Aktionen.


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