Beitrag vom 26.09.2009 - 11:06 Uhr
Schönes Video.
Ich dachte nur ein Flugzeug ist zum Fliegen da. :D
Mit dem ausfräßen kenne ich eine tolle Lösung für Boeing.
Erst mal an allen Maschinen ausfräßen, dann feststellen das man Mist gebaut hat und eine schöne Knaub Reparatur machen.
Das ganze wird dann als absolut revolutionäre Technik beschrieben, mit Blech und Nieten wie beim Opa.
So nun mal was ernstes.
Wie weit ist Boeing mit der 787 von ihren Vorgaben entfernt?
Ich glaub da war doch was mit 4 Tonnen Ã?bergewicht.
Beitrag vom 26.09.2009 - 12:07 Uhr
Als halber Ingenieur für Maschinenbau verstehe ich nicht so richtig, was an der Instandsetzung so schwierig sein soll.
Irgendwie hat man doch die Tragfläche zusammengebaut. Zumal für CFK einige Reparaturmöglichkeiten bestehen. Welche letztlich die bessere ist sollte Boeing für sich abklopfen.
Einige Kommilitonen für Werkstofftechnik meinen das Reparaturen in der Regel kein Problem darstellen. Das eigentliche CFK wird doch ähnlich wie in der Verarbeitung durch Wärmeverklebung unter Vakuum bei 175°C gebacken. Und dass man das örtlich auf kleineren Flächen durchführen kann ist Boeing sicherlich bekannt. Und bei größeren müssen halt konstruktiv vor der Faserabsplitterung zusätzliche Verstärkungen, oder Lastabgrenzungen verbaut werden.
Irgendwie hat man es nach langem hin und her auch geschafft die Rumpfsegmente mit CFK zu verbinden.
Vielleicht sehe ich das auch zu sehr von der theoretischen Seite.
Hat jemand mal ne genaue Zeichnung zu der Tragfläche gefunden?
Beitrag vom 26.09.2009 - 12:51 Uhr
Soweit ich die Problematik verstanden habe (bin kein Strukturmechaniker), entstehen die Delaminationen dadurch, das die Lasten am Stringerende in ein anderes Bautteil eingeleitet werden müssen. Dabei hat das Stringerende einen grossen Einfluss.
Die Schraublösung von Boeing ist eine gängige, technisch einfache Lösung mit den üblichen Nachteilen (Gewicht etc).
@Gast
Es gibt zwar einige Reparaturmöglichkeiten für CFK, nur beschränken sich die in der Luftfahrt hauptsächlich darauf, ein Verstärkungselement mittels Schraubverbindung zu befestigen.
[quote]Einige Kommilitonen für Werkstofftechnik meinen das Reparaturen in der Regel kein Problem darstellen.[/quote]
Und Reparaturen von CFK-Strukturen sind IMMER ein Problem, da man die Fasern dabei beschädigt bzw. sie sind schon beschädigt.
[quote]Das eigentliche CFK wird doch ähnlich wie in der Verarbeitung durch Wärmeverklebung unter Vakuum bei 175°C gebacken.[/quote]
Aaarg, eine Hausfrau backt, bei CFK heisst das Aushärten.
[quote]Und dass man das örtlich auf kleineren Flächen durchführen kann ist Boeing sicherlich bekannt.[/quote]
Natürlich kann man das machen, aber kann man auch Nachweisen das das Ergebnis den Vorgaben entspricht? Wie weist man z.B. nach, das man überall den gleichen Aushärtegrad hat, Faservolumengehalt in Ordnung ist, keine Porösitäten vorhanden sind, sich die "Klebeflächen" sauber berühren, ...... .
Mal abgesehen von dem Problem, das auch hier wieder die Lasteinleitung stimmen muss.
Und die läßt sich nunmal einfacher für eine geschraubte Verbindung berechnen. :D
Gruß
J
Beitrag vom 26.09.2009 - 16:58 Uhr
@jasmith
Danke für Deine anschaulichen Erklärungen. Ich bin leider
nur Laie und freue mich über jede fachmännische Darstellung,
die so verständlich geschrieben ist. Ich hoffe, auch Du bleibst
uns erhalten, selbst wenn´s mal wieder ruppig werden sollte.
Ã?brigens, Mr. Randy T. meint zur "side-of-body section":
LINK
mfg n
Beitrag vom 26.09.2009 - 18:48 Uhr
Man sollte, wie Karl schon angesprochen hat, auch die weiteren Probleme der B-787 im Auge behalten. Die Probleme mit dem Ã?bergewicht sowie der zu gerngen Reichweite sind, soweit mir bekannt ist, immer noch nicht gelöst. Weiterhin hat es ja auch mit den Bremsen und bezüglich der Software offensichtlich Probleme gegeben. Hat jemand zu Letzerem aktuelle Infomationen?
Beitrag vom 28.09.2009 - 15:39 Uhr
Hi @all,
wie sieht es eigentlich derzeit mit der A350 aus? Ist die noch so weit im Plan, oder muss man sich langsam von den Vorgaben verabschieden?
Schließlich ist die A350 ja zu Zeiten angeboten worden, als man die Konkurrenzvorgaben durch die B787 noch als realistisch ansah und dementsprechend "mithalten" musste.
Viele Grüße JN
Beitrag vom 30.09.2009 - 10:25 Uhr
@SDFlight: Danke.
Beitrag vom 30.09.2009 - 16:53 Uhr
@SDFlight Das Leergewicht der B787-8 sollte nach meiner Erinnerung bei 109,8 to liegen. Die 101 to sind (laut Airbus Lessons Learnt) absolutes Leergewicht ohne Systeme. Auch das Mehrgewicht ist laut gleicher Quelle seit Okt. 05 bis Aug. 08 nur um 5,7 to gestiegen. Diese Einschätzung halte ich für wahrscheinlicher. Dazu kommen seitdem dann wohl noch einige hundert Kilo für div. Verstärkungen. Habe zwar auch etwas von einer Meldung 11 to im Hinterkopf halte dies aber nicht für wirklich glaubhaft.
Bei A350-900XBW wurde mal nebenbei ein Leergewicht von 115,2 to gemeldet. Sollte Airbus das halten wäre ja die 57 m lange B787-8 genau so schwer wie der 67 m lange Airbus A350-900XBW und das bei größerem Durchmesser und schwereren Triebwerken. Also wo die Gewichte wirklich (bei beiden) landen erscheint mir da doch noch sehr unsicher.
Die Probleme mit den Tragflächen erscheinen mir aber immer mehr als Vorbote für generelle Schwierigkeiten von CFK im Flugzeugbau. Sicher nicht unlösbar aber Zeit, Schwierigkeiten und Kosten wurden offenbar gravierend unterschätzt.
Beitrag vom 30.09.2009 - 22:26 Uhr
Ich kann SDFlight nur zustimmen.
Der Grund für die Probleme von Boeing ist meines Erachtens, daß sie versucht haben, bekannte, aber nicht umbedingt ausreichend erprobte und vorallem nicht im grossen Stil industrialisierte Technologien als die Lösung aller Kundenwünsche zu verkaufen.
CFK wird garantiert eine wichtige Rolle in allen zukünftigen Flugzeugprogrammen spielen, aber es wird mehr auf eine sinnvolle Anwendung und kostengünstige Herstellung geachtet werden.
Ich kann mir z.B. nicht vorstellen, das Seitenleitwerke, Flügelkasten und diverse sekundär Strukturen wieder aus Alu gebaut werden, da die existierenden Bauteile durchaus Vorteile gegenüber der "alten" Bauweise haben. Bei den Flügeln und dem Rumpf - beides komplexere Strukturen, sowohl von den Lasten als auch von der Systemintegration - wird denke ich aber genauer geguckt werden, ob es nicht ökonomisch und fertigungstechnischer sinnvoller ist, das aus Alu zu bauen. Der Kunde möchte zwar die Eierlegenewollmichsau, ist aber nicht bereit den höheren Preis zu zahlen. Und so ein bißchen Alu zurecht zufräsen ist jetzt nicht soooo schwer (uuuuiiii, das werden einige nicht gerne hören :D )
Gruss J
Beitrag vom 30.09.2009 - 23:55 Uhr
Vielleicht ist die Alu-Bauweise ja auch noch längst nicht ausgereizt.
Eine mäßige Rückbesinnung auf dieses erprobte Material kann ich mir schon vorstellen.
Noch eine Frage zu CFK. Kann man sagen, dass eigentlich Unvereinbares
gelöst werden muß, in dem diesem extrem harten Material trotzdem eine
Flexibilität da verpasst wird, wo wie bei den Tragflächen, dauernd starke dynamische Kräfte abgefangen werden müssen?
Airbus scheint ja da die Quadratur des Kreises zu schaffen!
mfg n