Der Weg zum neuen Kranich-Design
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Lufthansa: Gelb auf Blau ist nicht Premium

FRANKFURT - Im Februar hat die Lufthansa ihr erstes neues Markendesign seit 1989 enthüllt - und es schon wenige Wochen später wieder verändert. Lufthansa-Marketingchef Alexander Schlaubitz und Lufthansa-Designer Ronald Wild erklären im aero.de-Interview, wie es dazu gekommen ist.

Das neue Markendesign setzt nur noch auf die Farben Blau und Weiß - das traditionelle gelbe "Spiegelei" mit dem Kranich-Logo auf blauem Leitwerk fällt weg. Gerade diese Entscheidung hat Fans der Marke zu emotionalen Diskussionen verleitet. Hier erklären die Verantwortlichen, was dahinter steckt.

aero.de: Warum haben Sie uns das Lufthansa-Gelb auf den Flugzeugen weggenommen?


Alexander Schlaubitz: Unser klares Ziel war und ist es, das heutige Premiumverständnis von Lufthansa auch im Design zu spiegeln. Dafür braucht man große Klarheit und einen entschiedenen Einsatz der Farben.

Gelb hat genau wie Blau nun eine klare Rolle im neuen ganzheitlichen Design-System von Lufthansa. Blau ist für uns die führende Farbe, weil sie primär Ausdruck von Premium ist.

Alexander Schlaubitz
Alexander Schlaubitz, © Lufthansa

Gelb übernimmt gezielte andere Funktionen: Gelb setzen wir beispielsweise zur Aktivierung und Interaktion ein an Bord, in den Flughäfen, in der App oder bei den Accessoires der Flugbegleiter. Auf dem Leitwerk unserer Flugzeuge führt Blau nun konsequent.

Der entstehende Kontrast zum strahlenden Weiß des Kranichs ist hochwertiger und klarer als die bisherige Lackierung. Bei der Definition unseres neuen Farbsystems spielte auch der Farbeinsatz in einer immer digitaleren Welt eine große Rolle.

Der heutige Kunde setzt sich online zu einem sehr viel früheren Zeitpunkt mit der Marke auseinander, lange bevor er überhaupt ein Flugzeug sieht. Diese digitalen Begegnungen müssen optimiert werden, hier müssen unsere Farben bereits klar unser Premiumverständnis transportieren. Mit der direkten Verbindung von Gelb und Blau funktionierte das selten.

Aber die Designer hatten darüber schlaflose Nächte, das Gelb auf den Flugzeugen aufzugeben, oder?


Ronald Wild:
Es war uns stets bewusst, dass wir an einer Ikone arbeiten. Diese ändert man nicht leichtfertig und da gehören auch mal schlaflose Nächte dazu. Schließlich hat die gelbe Scheibe auf dem Lufthansa-Leitwerk jeder von uns im Kopf – sie war 30 Jahre auf unseren Flugzeugen.

Roland Wild
Ronald Wild, © Lufthansa

Wenn ich jetzt über das Vorfeld fahre und die neue Lackierung im Vergleich sehe bin ich froh, dass wir diesen Schritt gegangen sind. Künftig steht nicht mehr die gelbe Scheibe für Lufthansa, sondern ganz klar der Kranich.

Gelb und Blau in gleichen Anteilen eingesetzt wirken zu laut und sind nicht Premium. Sie würden sich ja auch keinen tiefblauen BMW kaufen und die Rückspiegel und Türen gelb lackieren.

Unsere Aufgabe als Designer war es, diese traditionellen Lufthansa Farben so voneinander zu trennen, dass sie neue klare Aufgaben haben. Das haben wir mit unserem neuen Farbsystem geschafft. Wir setzen die Farbe Gelb nun gezielter und wertiger ein.

Alexander Schlaubitz: Gelb ist ein integraler Bestandteil unserer Marke. Deswegen haben wir auch dafür gesorgt, dass wir mit Gelb viele funktionale Aspekte weiterhin transportieren, und es ist ja auch auf dem Flugzeug zu finden – in Form der gelben "Welcome Panels", die die Gäste beim Einsteigen begrüßen. Aber auf die Variante "Gelb auf Blau" zu verzichten ist aus Design-Sicht kein Opfer.

Das hieße aber, dass Lufthansa aus Designer-Sicht seit Jahrzehnten keine Premium-Airline war.

Alexander Schlaubitz:
Lufthansa hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Neue Flugzeuge, neue Angebote an Bord und am Boden. Wir haben die Marke modernisiert. Die Anpassung des Designs ist ein Teil dieser Modernisierung.

Lufthansa Studie 1
Ronald Wild: "Diese Lackierung setzt Gelb als führende Farbe ein. Gestalterisch ist sie durchaus reizvoll, das Gelb ist aber klar zu laut und transportiert nicht das Lufthansa-Premiumverständnis.", © Lufthansa

Lufthansa war, ist und bleibt eine Premium-Airline, die sich stetig weiterentwickelt. Das machen wir jetzt auch in unserem Design von außen kenntlich.

Jetzt herrscht bei Gegnern Ihres neuen Designs fast Schadenfreude, dass Ihr erster neuer Blauton nicht funktionierte. Kam das für Sie überraschend?


Alexander Schlaubitz: Uns war von Anfang an klar, dass wir ein ganz besonderes Blau kreieren wollen – eine einzigartige Farbe. Das ist kein einfacher Prozess. Wir wussten, dass es eventuell nötig sein würde, dabei nochmal nachzujustieren.

Lufthansa Studie 2
Roland Wild: "Der Entwurf setzt auf den bisherigen Blau-Gelb Kontrast. Diese Kombination wirkt eher bunt und unser Premiumverständnis kommt nicht gut zum Ausdruck. Die Form am Heck wirkt zudem künstlich aufgesetzt, der Kranich wird unnötig verkleinert.", © Lufthansa

Unser Airline-Farbdesigner David Hedley Noble von Aerobrand hat mir immer gesagt, dies ist ein Prozess, denn man nicht wirklich vorher simulieren kann. Deshalb haben wir von Beginn an etwa 15 verschiedene Blautöne in unterschiedlichen Abstufungen entwickelt.

Ronald Wild: Ich hätte mir als Designer gewünscht, ich nehme mir eine A380, lackiere das Flugzeug, teste die verschiedenen Blautöne auch unter freiem Himmel und fliege damit, um die Wirkung der Farbe in Natura beurteilen zu können.

Genau das gab es doch 1988 mit der knallgelben Boeing 737-200 "Wolfsburg"!

Ronald Wild:
Wir leben heute in einer anderen Zeit als 1988. Wir leben in 2018, einer Zeit der vernetzen Smartphones. Hätten wir ein echtes Flugzeug bemalt und geflogen wären zu früh Dinge in die Öffentlichkeit gekommen, die das Gesamtprojekt gestört hätten.

Lufthansa Boeing 737-200
Lufthansa Boeing 737-200, © Dirk Grothe

Daher konnten wir immer nur unter Laborbedingungen testen. Wir waren immer in der Halle, auch bei verschiedenen Lichtbedingungen, aber nie zu 100 Prozent in der Realität.

Alexander Schlaubitz:
Wir hatten das Leitwerk einer alten Boeing 737 in einem Hangar in England, das wir immer wieder in einem der 15 Blautöne lackiert haben um zu schauen, wie es wirkt.

Aber auch wegen der Größe eines Leitwerks verändert sich die Farbwahrnehmung nochmal signifikant, wenn das Flugzeug draußen steht. Wir haben dann schnell im regulären Betrieb gemerkt, dass der Lack des ersten komplett lackierten Flugzeugs manchmal einfach zu dunkel wirkte – insbesondere bei widrigen Wetterbedingungen.

Lufthansa Studie 3
Ronald Wild: "Hier wird der Kranich ohne Kreis zu einer freien Form, die sich um den Flugzeugrumpf legt. Ein sehr spannender Entwurf. Auf den zweiten Blick fehlt es jedoch an Klarheit. Der freie Kranich wirkt aus einigen Blickwinkeln verfremdet, man kann ihn kaum wiedererkennen. Zudem fehlt der Kreis. Insgesamt ist der Entwurf wenig zeitlos.", © Lufthansa

Deshalb haben wir das jetzt optimiert und den Schwarzanteil im Lack reduziert. Es war eine Frage von Nuancen. Die Boeing 747-400 mit der Kennung D-ABVM trägt nun als erste das finale "Lufthansa Deep Blue" in die Welt.

Das Lufthansa Blau ist dabei unsere Farbe, sie gehört uns und kein anderer wird sie verwenden.

Im Gegensatz zu anderen aktuell überarbeiteten Airline-Bemalungen wie Gulf Air oder WestJet schreibt Lufthansa ihren Namen nur klein auf den Rumpf. Warum?


Ronald Wild: Wir haben auch das getestet, uns dann aber dagegen entschieden. Ein Lufthansa-Schriftzug über das Fensterband würde für Lufthansa eine zu große visuelle Lautstärke erzeugen.

Lufthansa Studie 4
Ronald Wild: "Dieser Entwurf zeigt die Wortmarke über dem Fensterband. Es gibt einen Trend, dieses zu tun. Für Lufthansa wäre das zu laut, gerade auch auf den großen Langstreckenflugzeugen. Der Blau-Weiß-Kontrast unserer Wortmarke ist stark und klar, unsere Wortmarke steht proportional ausgewogen und sauber auf dem Flugzeug. Das Leitwerk wirkt in dieser Studie spannend, ist aber zu generisch und austauschbar.", © Lufthansa

Der starke Blau-Weiß-Kontrast und unser Kranich kennzeichnen unsere Marke deutlich genug. Gerade bei Langstreckenflugzeugen, wie einer Boeing 747 oder einem Airbus A380, ist ein Schriftzug, der über die Fenster hinausgeht, zu groß, um unserem Premium-Verständnis gerecht zu werden.

Dann ist die neu gestaltete Austrian Airlines mit ihrer großen Schrift also keine Premiummarke?

Ronald Wild:
Nein, das kann man nicht sagen. Es ist immer eine Frage der Farben, des dadurch erzeugten Kontrastes, der jeweiligen Schrift und der Buchstabenabfolge in der Wortmarke.

Blau auf Weiß wirkt beispielsweise viel wuchtiger und schwerer als Rot auf Weiß. Austrian ist ebenso eine Premiummarke. Ich sage nur, die "Lautstärke" würde für uns als Lufthansa an dieser Stelle nicht passen. Wie steht Ihr aktuelles Design im Kontext der Branche da und wie lange glauben Sie, wird es Bestand haben?

Alexander Schlaubitz: Der Kranich ist ein einzigartiges Logo. Er ist zeitlos wie unser gesamtes Design. Es wird über die nächsten 20 Jahre hinweg oder länger ein Design mit Alleinstellungsmerkmal sein, das unseren Premium-Gedanken in viele Länder dieser Welt trägt.

Lufthansa realisiertes Markenbild
Ronald Wild: "Die neue Lufthansa Flugzeuglackierung ist hochwertig, klar und zeitlos. Rumpf, Tragflächen und Triebwerke sind komplett in strahlendem weiß lackiert, vermitteln Klarheit und Sicherheit. Die Ästhetik der Flugzeugform wird durch die Farbe Weiß zudem perfekt und unverfälscht inszeniert. Das tiefblau, optisch verlängerte Leitwerk schafft die Basis für eine große, starke und kontrastreiche Darstellung unseres Kranichs. Er steht klar und kompromisslos für Lufthansa. Der Schriftzug schafft zusammen mit der Bildmarke auf dem Leitwerk eine eindeutige Lufthansa Wiedererkennung.", © Lufthansa Group

Es gibt derzeit im Airline-Markendesign multiple Trends: Den Trend zur Klarheit einerseits, wie wir ihn verfolgen. Aber auch den Versuch, mit einigen Design-Gimmicks kurzfristig zu punkten und Aufmerksamkeit zu erregen. Das war nicht unser Ziel, aber wir verstehen, warum verschiedene Wettbewerber das vielleicht so gemacht haben.

Ist es für Sie frustrierend, dass die meisten Passagiere bei ihrer Buchungs-Entscheidung nur nach dem Flugpreis schauen und nicht nach Design-Aspekten?

Alexander Schlaubitz:
Natürlich fliegt niemand ausschließlich wegen unseres Designs mit uns. Das Design ist Ausdruck dessen, was die Marke Lufthansa auszeichnet. Diese Zuverlässigkeit, dieses Vertrauen, dieses Premiumangebot und unsere erstklassigen Kolleginnen und Kollegen weltweit.

Das alles macht Lufthansa aus – egal ob sich unsere Kunden für ein günstiges Economy-Ticket oder unsere exklusive First Class entscheiden.
© Andreas Spaeth | Abb.: Lufthansa | 28.05.2018 10:51

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Beitrag vom 07.06.2018 - 21:39 Uhr
Ob es letztlich die Kosten waren oder ob das Gerät niemals zuverlässig gearbeitet hat, weiß ich nicht genau. Tippe aber eher auf den zweiten Grund.
Sieht so aus als wenn man nicht jede Arbeit am Flugzeug sinnvoll durch Maschinen erledigen kann. Oder gibt es bereits neue Überlegungen für ein ähnliches Projekt?
Beitrag vom 07.06.2018 - 21:07 Uhr
Heute gibt es eigene Fahrzeuge die einen Tank für Wasser und einen Mischer für Waschmittel mitführen,die haben einen langen ausleger so ähnlich wie eine Hebebühne bei der Feuerwehr muß man sich dass vorstellen am Ende sind Walzen wie bei einer Auto Waschstrasse angebracht mit Düsen für das Waschmittel,die Walzen lassen sich in alle richtungen bewegen und sind Computer gesteuert mit Sensoren für den richtigen Anpressdruck,das ganze kann von einem Mann gesteuert werden ,die Wäsche kann sogar am Vorfeld gemacht werden,normalerweise gibt es dafür eigens vorgesehene Plätze mit dem entsprechenden abflüßen(umweltauflagen) es wird ja auch Öl,Rus,Reinigungsmittel in die abläufe geschwemmt,die werden da herausgefiltert.
Die Maschinen kann man so glaube ich auch im Internet ansehen.
Sie meinen vermutlich das was sich mal Skywash nannte. Wann haben Sie die beiden denn zuletzt live gesehen? Ich würde mal locker auf zehn Jahre tippen.
Früher wurde ein Flieger per Hand gewaschen, war sehr zeitaufwendig viele Mann stunden waren dafür nötig.
Ist immer noch so.
Das Skywash Programm startete wohl bereits 1997. Einfach mal Skywash und Putzmeister googeln. Putzmeister ist ein führender Hersteller von Betonpumpen, und eine gewisse Ähnlichkeit dazu ist schon ersichtlich.
Die Fahrzeuge (zwei) standen einige Jahre in Frankfurt für Tests, wurden später an einem anderen deutschen Standort versuchsweise sporadisch ausprobiert, der Erfolg kam aber nie zum Tragen.
Heute gibt es wohl nur noch die MB Fahrgestelle, der Rest dürfte beim Schrott gelandet sein. Selbst im Internet findet man kaum noch etwas darüber. LH war wohl auch die einzige Airline die sich auf das Experiment eingelassen hatte.

Uns wurde das Teil mal vorgeführt ist schon lange her in Frankfurt,war also ein Flop ,mich hats ja schon gewundert dass ich diese Geräte sonst nirgens gesehen habe.
Hab geglaubt die sind zu kostspielig in Betrieb und Anschaffung
Daher war bei uns immer ein Putztrupp von schätze mal 10-15 Leute am Flieger waschen.und keine Maschine ausser dem Shampoonierer.
Beitrag vom 07.06.2018 - 20:47 Uhr
Heute gibt es eigene Fahrzeuge die einen Tank für Wasser und einen Mischer für Waschmittel mitführen,die haben einen langen ausleger so ähnlich wie eine Hebebühne bei der Feuerwehr muß man sich dass vorstellen am Ende sind Walzen wie bei einer Auto Waschstrasse angebracht mit Düsen für das Waschmittel,die Walzen lassen sich in alle richtungen bewegen und sind Computer gesteuert mit Sensoren für den richtigen Anpressdruck,das ganze kann von einem Mann gesteuert werden ,die Wäsche kann sogar am Vorfeld gemacht werden,normalerweise gibt es dafür eigens vorgesehene Plätze mit dem entsprechenden abflüßen(umweltauflagen) es wird ja auch Öl,Rus,Reinigungsmittel in die abläufe geschwemmt,die werden da herausgefiltert.
Die Maschinen kann man so glaube ich auch im Internet ansehen.
Früher wurde ein Flieger per Hand gewaschen ,war sehr zeitaufwendig viele Mann stunden waren dafür nötig.
Sie meinen vermutlich das was sich mal Skywash nannte. Wann haben Sie die beiden denn zuletzt live gesehen? Ich würde mal locker auf zehn Jahre tippen.
Das war in Frankfurt ist schon lange her würde uns sogar vorgeführt.
Hab mich schon gewundert warum bei uns noch immer mit Schrupper und Besenstiel 10-15 Leute die Flieger gewaschen haben.
Das Ding ist praktisch ein Flop,darum hab das Teil nirgendwo anders gesehen.


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