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Qatar Airways: A321LR mit neuem Premiumprodukt

Akbar Al-Baker
Akbar Al-Baker, © Qatar Airways

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DOHA - Qatar Airways stattet ihre erst vergangene Woche bei Airbus bestellten zehn A321LR mit einem völlig neu entwickelten Premiumprodukt aus. Airlinechef Akbar Al-Baker hat mit aero.de über die Vorteile des kompakten Langstreckenfliegers und die Trendthemen Boeing "797" und Airbus A380 gesprochen.

"Wir werden erstmals in einem Narrow-Body eine neue Business Class anbieten, etwas wirklich Außergewöhnliches", kündigte Airline-Chef Akbar Al Baker im Gespräch mit aero.de in Doha an. Die neuen Liegesitze der A321LR sollen auf der Berliner Tourismusmesse ITB im März 2020 erstmals der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Auf der bevorstehenden diesjährigen ITB wird Qatar Airways zunächst neue Sitze für die Economy Class vorstellen. Die Golf-Airline hatte jüngst aus einer bestehenden Order für 50 A321neo zehn Bestellpositionen in A321LR eingetauscht. Sowohl die A321neo als auch die A321LR sollen mit dem neuen Premiumprodukt ausgestattet werden.

"Alle Routen nach Ostafrika zum Beispiel, die wir derzeit mit Großraumflugzeugen bedienen, könnten auf die A321LR umgestellt werden", so Al Baker. "Sie werden sowohl auf neuen als auch bestehenden Routen zum Einsatz kommen, wo wir nur Nachfrage für 180 Sitze sehen." Der kleinste Widebody in der Flotte von Qatar Airways ist die Boeing 787-8 mit 232 Sitzen.

"Anstatt 50 oder 60 Sitze leer herumzufliegen nehmen wir lieber die LR mit niedrigeren Sitzmeilen-Kosten", sagte Al-Baker. "Alles, was früher die A300-600 bedienen konnte, wird auch die A321LR abdecken - das wird uns große Flexibilität geben, auch je nach saisonaler Nachfrage zu einem Ziel die Flugzeuge zu wechseln."

Während einer luftfahrtpolitischen Konferenz des Centre for Aviation (CAPA) betonte Al Baker, wie stark seine Gesellschaft trotz der seit 19 Monaten andauernden Blockade durch die Nachbarländer sei. "So etwas hat es seit der Berliner Blockade nicht gegeben", erklärte Al Baker.

"Andere Airlines hätten unter solchen Bedingungen den Betrieb eingestellt. Wir aber haben nicht wie anderswo geschehen Leute entlassen oder Flugzeuge stillgelegt. Wir haben allein im vergangenen Jahr 25 neue Flugzeuge erhalten, vier im Januar 2019 und seit Beginn der Blockade Flüge zu insgesamt 24 neuen Zielorten aufgenommen", so der Airline-Chef.

Qatar Airways öffnet neue Europaziele

Darunter sind auffallend viele Ziele gerade in Europa, die bisher keinerlei interkontinentale Verbindungen hatten und sich außerdem gut für den A321LR-Einsatz eignen. Malta, Tallinn oder Göteborg kamen oder kommen derzeit als Ziele hinzu.

"Göteborg haben wir erst vor vier Wochen aufgenommen mit fünf wöchentlichen Frequenzen. Die Nachfrage ist so stark, dass wir die Stadt jetzt bereits täglich bedienen und schon bald zweimal am Tag anfliegen wollen", berichtete Al Baker.

Am Dienstag gaben die EU und Katar ein Flugrechte-Abkommen bekannt, das Qatar Airways einen weitgehend liberalisierten Zugang in den europäischen Luftverkehrsmarkt gewährt.

Qatar Airways hat derzeit noch 320 Flugzeugbestellungen offen, im Schnitt wird alle zehn Tage ein neuer Jet ausgeliefert. "Damit halten wir unser Flottenalter im Durchschnitt bei unter fünf Jahren, das bleibt auch weiterhin unser Ziel." Anfang nächsten Jahres erhält die Gesellschaft ihre ersten von 60 bestellten Boeing 777X, nach Emirates und vermutlich Lufthansa.

Befragt, ob Qatar Airways Interesse an Boeings nächstem Flugzeug NMA (vermutlich die spätere 797) habe, das 2020 vorgestellt werden soll, sagte der Firmenchef: "Das werden wir sehen. Wir machen keinen Druck auf Hersteller, die sollen ihre Produkte ordentlich entwickeln bevor wir sie übernehmen."

"Game Changer" mit Gewichtsproblem

Der Qatar Airways-Chef äußerte sich gegenüber aero.de auch zum Airbus A380, von dem die Gesellschaft zehn betreibt "mit denen wir zufrieden sind und sie auf Märkten mit starker Nachfrage und zu Slot-beschränkten Flughäfen einsetzen." Er nennt die A380 einen "Game Changer", der aber möglicherweise zur falschen Zeit auf den Markt kam, bevor die Ölpreise stark anstiegen.

"Dieses Flugzeug ist sehr schwer und verbraucht viel Treibstoff, weil seine Struktur für die gestreckte Version ausgelegt ist", sagte Al-Baker. "Ich glaube, Airbus hat den gleichen Fehler gemacht wie beim A330 und A340, die über die gleiche Tragfläche verfügen. Die Flächenstruktur der A380 könnte weitere 100 Tonnen Gewicht tragen, es wäre besser gewesen, wenn sie die Flügel für das tatsächliche Gewicht des Flugzeugs maßgeschneidert und damit wesentlich leichter gebaut hätten. Dann wäre es das perfekte Flugzeug gewesen."

Traurig über eine mögliche vorzeitige Einstellung wäre er nicht, so Al Baker. Das müsse Airbus entscheiden.

In seiner Auseinandersetzung mit der Oneworld-Allianz, die er mehrfach gedroht hatte zu verlassen, ist offenbar eine Atempause eingetreten, nachdem Al Baker vergangene Woche überraschend und nur kurz bei den Feiern zum 20. Bestehen der Allianz in London zugegen war.

"Sie haben mich gebeten ihnen Zeit zu geben und das werde ich tun, um zu sehen, ob wir unsere Gräben überbrücken können", so Al Baker gegenüber aero.de.
© Andreas Spaeth, aero.de | Abb.: Airbus | 06.02.2019 10:45


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