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Äthiopien legt ersten Ermittlerbericht vor

Untersuchung der Flugschreiber von ET302 beim BEA: Ähnlichkeiten zu JT610
Untersuchung der Flugschreiber von ET302 beim BEA: Ähnlichkeiten zu JT610, © BEA

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ADDIS ABEBA - Die Besatzung der in Äthiopien abgestürzten Boeing 737 MAX hat alle von Boeing vorgesehenen Vorgaben "wiederholt" befolgt, konnte das Flugzeug aber nicht unter Kontrolle bringen. Die Ermittler fanden keine Hinweise auf eine Außeneinwirkung, etwa durch Vogelschlag, auf Sensoren des Flugzeugs.

Dies ergab ein vorläufiger Untersuchungsbericht zu dem Unglück vom 10. März, wie die äthiopische Transportministerin Dagmawit Moges am Donnerstag in Addis Abeba sagte. Bei dem Absturz der Maschine der Ethiopian Airlines kamen alle 157 Menschen an Bord ums Leben.

Die Ermittler haben Anzeichen dafür gefunden, dass die Nase der Maschine nach unten gedrückt wurde, sagte Dagmawit. Man empfehle dem Hersteller, dass das Flugsteuerungssystem untersucht werde. Auch sollten Luftfahrtbehörden dieses System untersuchen, bevor die Maschine des Typs wieder fliegen könnte.

Der Absturz unweit von Addis Abeba hat den US-amerikanischen Flugzeughersteller Boeing und die US-Luftfahrtbehörde FAA stark unter Druck gebracht. Im Fokus steht vor allem eine umstrittene Steuerungssoftware, die bereits beim Crash einer baugleichen Boeing in Indonesien als eine mögliche Ursache gilt, bei dem Ende Oktober 189 Menschen starben.

Ethiopian-Airlines-Chef Tewolde GebreMariam hatte bereits erklärt, dass das Steuerungsprogramm aktiviert gewesen sein dürfte. Das MCAS-System sei "nach unserem besten Wissen" eingeschaltet gewesen, sagte er vergangene Woche dem "Wall Street Journal". Boeing hatte schon nach dem Absturz in Indonesien eine Überarbeitung des Programms versprochen, das Update zieht sich jedoch weiter hin.

Konzernchef auf Testflug

Am Mittwoch teilte Boeing mit, dass Konzernchef Dennis Muilenburg mit Piloten einen Demo-Flug an Bord einer 737 MAX 7 absolviert habe, bei dem die aktualisierte Software wie vorgesehen funktioniert habe.

An der Hängepartie ändert das jedoch nichts - der Konzern will weitere Tests machen, und das Update erst der FAA vorlegen, wenn diese Arbeit "in den kommenden Wochen" abgeschlossen sei. Die US-Luftfahrtbehörde hatte bereits eine "rigorose Sicherheitsprüfung" angekündigt.

Nicht nur Boeing, auch die FAA steht nach den beiden Abstürzen massiv in der Kritik. Die Behörde wird verdächtigt, bei der Zertifizierung der 737 MAX ein Auge zugedrückt zu haben, wichtige Teile der Sicherheitsprüfungen wurden dem Konzern selbst überlassen. Der Fall wird vom Verkehrsministerium untersucht, auch Justizministerium und FBI sollen inzwischen ermitteln.

Die FAA hatte erst unter hohem politischen Druck ein Startverbot für Boeings 737-MAX-Serie verhängt, nachdem dies in fast allen anderen Ländern bereits geschehen war.

Für Boeing ist die Aufarbeitung der Abstürze hochbrisant. Sollte sich ein Verdacht bestätigen, wonach der Konzern beim Zulassungsverfahren Informationen zurückgehalten hat, könnte dies strafrechtlich erhebliche Konsequenzen haben. Auch sonst ist der Fall juristisch heikel, es liegen bereits etliche Schadenersatzklagen vor.

Falls sich herausstellt, dass ein Herstellerfehler für die Abstürze verantwortlich war, würden diese für den Konzern erst recht brenzlig.

Dabei scheint die Lage schon so prekär genug. Bis zur genauen Klärung der Unglücksursachen wurden weltweit Flugverbote für die 737 MAX angeordnet - Boeings meistverkaufte Baureihe, die große Teile zum Umsatz und Gewinn des Konzerns beiträgt.

Die rund 370 bislang ausgelieferten Maschinen des neuen Flugzeugtyps stehen seither am Boden, außerdem hängen zahlreiche Bestellungen in der Schwebe. Boeing drohen Stornierungen und Regressforderungen von Airlines.
© dpa-AFX, aero.de | Abb.: BEA | 04.04.2019 08:02

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Beitrag vom 06.04.2019 - 21:56 Uhr
Am Mittwoch teilte Boeing mit, dass Konzernchef Dennis Muilenburg mit Piloten einen Demo-Flug an Bord einer 737 MAX 7 absolviert habe, bei dem die aktualisierte Software wie vorgesehen funktioniert habe.

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@EricM
Das ist der Worst Case!
Bei Boeing muss man wohl schon wirklich verzweifelt sein, wenn man solche Aktionen tatsächlich „als Vertrauensbeweis“ abliefern möchte und nichts besseres zu bieten hat…


Ich glaube nicht, dass dies mit Panik oder Verzweifelungstaten zu tun hat. Wenn doch, dann wäre dieser große und traditionsreiche Konzern dem Untergang geweiht, aber Boeings Geschäftsführung dürfte dafür viel zu abgeklärt sein. Das sind gestandene Top-Manager...

Ich würde diese Showeinlage so interpretieren, dass Boeings Management verstanden hat, dass hier ein grundsätzlicher Schaden in das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Sicherheit von Boeing-Flugzeugen im Anzug ist. Damit denke ich, zeigen sie eine relativ realistische Einschätzung der gegenwärtigen Lage haben, nicht mehr und nicht weniger. Bei den Millionen von Menschen, die täglich fliegen, die Industrie damit finanzieren und sich überhaupt nicht in den Einzelheiten auskennen, dürfte so eine Nachricht durchaus Wirkung zeigen. Natürlich macht dies kaum Eindruck auf die paar Promille an Leuten, die sich tiefer mit dem ganzen auseinandersetzen, wie z.B. alle Teilnehmer im Forum hier. Aber von denen hängt ja auch nicht Boeings Geschäfts ab...

Im effektiven Werfen von medienwirksamen Nebelkerzen und Blendgranaten sind schon rein kulturell gesehen die Amerikaner und Europäern haushoch überlegen - und das ist gar nicht abschätzig gemeint, denn zuweilen braucht man das manchmal wirklich und dann muss man das auch noch können. Und Boeing zumindest kann das (man erinnere sich an das 787 Drama)...,-)

Dieser Beitrag wurde am 06.04.2019 21:58 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 06.04.2019 - 21:41 Uhr
Und dennoch gibt es Ungereimtheiten im Zwischenbericht.
Jeder kann seine eigenen Schlussfolgerung daraus ziehen wenn man sich den originalen
Bericht in englischer Sprache mal durchliest.
Ich bin der Meinung Die Besatzung ist dem Boeing-Verfahren nicht gefolgt!

Interessante Sichtweise. Widerspricht vielen Fachmedien und auch Expertenmeinungen...Aber interessant wenn das stimmen würde.
Die zentrale Frage: a) worin liegen denn die genauen Differenzen zum Boeing-Verfahren und b) hätten diese den Absturz verhindert?

Dieser Beitrag wurde am 06.04.2019 21:43 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 05.04.2019 - 16:04 Uhr
@Clemi,
Ja und. 1.400 plus 100 Std auf einem neuen Typ der lt. Boeing keine besondere Schulung oder SIM benötigt. Jetzt dem ode den Piloten mangelnde Erfahrung vor zu werfen geht zu weit.
Entweder müssen sie intensiv geschult werden oder Boeing ein Flugzeug hinstellen dass sich gleich verhält.
Das bisschen was mit dem Pad gemacht werden musste ist doch keine besondere Schulung und damit noch verwerflicher weil die Piloten in der Sicherheit gewogen werden aerodynisch und Flugtechnisch bleibt alles beim Alten. In diesem Fall kein Mitleid mit Boeing.


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