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Piloten werfen Lufthansa Cargo Wortbruch vor

Lufthansa Cargo Boeing 777F
Lufthansa Cargo Boeing 777F, © Lufthansa Cargo

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FRANKFURT - Flugbegleiter und Lufthansa nähern sich an, doch in den Cockpits brodelt es wieder: Piloten werfen Lufthansa Cargo Hinhaltetaktik und Wortbruch vor. Der Konzern will eine 2017 geschlossene Vereinbarung aufweichen - die Komplettauflösung der MD11-Flotte wird zur ernsten Belastungsprobe für den Tariffrieden.

Ungewissheit gehört bei Lufthansa zum Alltag - Gerüchte und neue Sparrunden belasten das Klima in den Flugbetrieben. Der 2017 erbittert zwischen Konzern und Piloten ausgefochtene Tarifvertrag steht jetzt bei Lufthansa Cargo vor dem ersten echten Stresstest.

"Am 27.6.2019 wurde uns mitgeteilt, dass die Ausflottung der MD11 schneller als angekündigt erfolgen soll", heißt es in einem Brief der Lufthansa-Cargo-Piloten an den Vorstand, der aero.de vorliegt. Der vorgezogene Kapazitätsabbau werde Lufthansa Cargo zu "Einsparungen im dreistelligen Millionenbereich verhelfen".

Die Piloten fürchten, dass der einhergehende Verlust von Arbeitsplätzen bei Lufthansa Cargo vor allem die "Dienstjüngsten" mit voller Härte treffen wird. Lufthansa hatte 2017 rund 70 Absolventen der letzten NFF-Jahrgänge in der Frachtsparte angestellt.

Den jungen Piloten droht nach zur zwei Jahren das Karriereende bei Lufthansa, heißt es in dem Schreiben. Zwar schützt ein Beschäftigungssicherungsvertrag zunächst alle Piloten bei Lufthansa Cargo - die Verteilung vakanter Ausbildungs- und Ersatzarbeitplätze erfolgt jedoch streng nach Senioritätsliste.

Verlagerung zu Aerologic

Lufthansa stellt den Frachtpiloten unterdessen nur eine Teilkompensation für die zehn derzeit noch operativen MD11 in Aussicht.

Weil nur zwei neue Maschinen hinzukommen, halbiert sich die fliegende Frachterflotte. "Die Flotte wird (...) mit zwei zusätzlichen Boeing 777F-Frachtern ergänzt und dann aus insgesamt neun Flugzeugen ausschließlich dieses Typs bestehen", informierte der Konzern am Donnerstag über seine Absichten.

Die überzähligen Piloten kämen bei der Muttergesellschaft Lufthansa unter, sagte Konzernchef Carsten Spohr. Zudem soll Lufthansa Cargo mehr Unterstützung von ihrem Ableger Aerologic bekommen. Die Fracht-Airline erhalte damit die Chance, ihre Marktanteile zu halten.

Die Piloten pochen hingegen auf eine in der Perspektivvereinbarung (PPV) 2017 festgehaltene "Minimalflottegröße von 10 Flugzeugen" und somit auf die Zusage "von drei weiteren 777F". Lufthansa verweist in einem Antwortschreiben, das aero.de ebenfalls vorliegt, auf "Ausgleichsmechanismen" zwischen den Airlines von Passage und Fracht.

Der Konzern will - auch für die NFF - "adäquate Arbeitsplätze" finden, betont aber eine "komplexe Lage".

Subcharter, die Aerologic derzeit vermehrt unter LH-Code fliegt, schüren weiteres Misstrauen in den Cockpits. "Zwei 777F, die auf dem Papier Lufthansa Cargo gehören, fliegen aktuell bei Aerologic", sagte eine Insider aero.de. Auch sei nicht sicher, ob die nun zugesagten weiteren 777F am Ende tatsächlich von Lufthansa-Cargo-Piloten geflogen werden.

Denn aus Sicht der Piloten stellen einige Führungskräfte bei Lufthansa Cargo inzwischen sogar "den Flugbetrieb an sich" in Frage.
© aero.de, dpa-AFX | Abb.: Lufthansa | 08.11.2019 07:59

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Beitrag vom 09.11.2019 - 10:48 Uhr
>>"Zwei 777F, die auf dem Papier Lufthansa Cargo gehören, fliegen aktuell bei Aerologic", sagte eine Insider aero.de.

Für diese Information muss man kein Insider sein, sondern sich einfach die genaue Bezeichnung der ausgelieferten Flugzeuge ansehen. Bei Aerologic gibt es 777-FZN, -F6N und -FBT und daran kann man schon erkennen, wer das Flugzeug bestellt hat. Alle LH Cargo Flieger sind -FBT, folglich ist zumindest auch die D-AALK eine von der LH. Um das herauszufinden, muss man kein Insider sein.

Zu der Aussage, dass Aerologic vermehrt Subcharter für die LH fliegt, ist zu sagen, dass laut FR24 nur die Strecken nach MEX und GDL unter GEC Callsign geflogen werden.
Beitrag vom 09.11.2019 - 08:09 Uhr
von Avokus:
Dies in Zukunft evtl. anderen zu überlassen würde auch [die] Volkswirtschaft [...] massiv schädigen.

"irgendwas mit Volkswirtschaft" ist ein routinemäßig geäussertes Lobby-Argument, wenn es um die Luftfahrt geht.
Aber könnten Sie kurz erläutern, wie sich die Wahl eines Luftfracht-Anbieters oder die Wahl eines Standorts innerhalb Deutschlands auf die Volkswirtschaft ( also das BIP ) auswirken sollte?
Beitrag vom 09.11.2019 - 07:00 Uhr
zuerst mal DANKE an Avokus für den Beitrag, der "dan Nagel auf den Kopf trifft".
@Pilotensepp:
die Aerologic vergütet nicht nach festem Schema wie ein TV, sondern - zumindest teilweise - individuell, das halte ich nicht unbedingt für das Gelbe vom Ei, aber faktisch funktioniert es (wie lange?).
LHC hat bereits 777F, wei0 ich, will aber mehr davon. Die MD11F ist (leider) ein Auslaufmodell, LHC hat das AUsscheiden aus der Flotte längst angkündigt; daß das Ausflotten jetzt früher erfolgen wird, halte ich - sorry - für die unternehmerisch richtige Entscheidung, welche seitens der Piloten nun plakativ kritisiert wird. Es hilft nichts, ein Unternehmen MUSS überwiegend nach Zahlen entscheiden und hier bleibt wohl keine andere Wahl. Es wird kein Flugzeugführer auf der Strecke bleiben, jedoch JFF werden warten müssen Aerologic hat übrigend den 2 Officer "zum Lernen" eingeführt.
Schreien, drohen, Streiken - das sind legitime Mittel, aber letztendlich hilft es keinem, wenn es dem Konzern nicht gut geht, dann bietet er auch nicht mehr wie bisher nachhaltig die offensichtlich begehrten Arbeitsplätze


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