Coronavirus
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Wie ein Winzling die Luftfahrtbranche vom Weg abbringt

Ausbreitung des Coronavirus (Ausschnitt), Stand 2. März 2020
Ausbreitung des Coronavirus (Ausschnitt), Stand 2. März 2020, © CSSE Johns Hopkins University

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FRANKFURT - Mit einer Größe von nur 160 Nanometern ist das Coronavirus viel zu winzig, um mit bloßem Auge erkannt zu werden. Seine Wirkung dagegen ist unübersehbar - Corona bringt Airlines weltweit ins Schlingern: ein aktueller Überlick über die Folgen der Infektionswelle für die Luftfahrt.

"Alle ausländischen Piloten sind beurlaubt, bis sich die Virus-Situation verbessert", zitierte die Nachrichtenagentur Reuters einen China Southern-Piloten Mitte Februar.

So wie den China Southern-Piloten geht es auch Dutzenden Kollegen, die noch bis Februar für andere chinesische Airlines geflogen sind: ihre Arbeitgeber haben sie in den unbezahlten Urlaub geschickt. Rückkehr ungewiss.

Längst beschränkt sich diese drastische Maßnahme nicht mehr nur auf China: auch Emirates und Easyjet bitten sowohl Bord- als auch Bodenpersonal, nach Möglichkeit eine unbezahlte Auszeit zu nehmen. Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport tut es den Airlines gleich.

Die Lufthansa Group streicht nicht nur Asienrouten sondern auch ihr europäisches Streckennetz zusammen. Der Mutterkonzern prüft die Möglichkeit, Kurzarbeit zu beantragen.

Air France-KLM-Chef Ben Smith kündigt den Mitarbeitern ein neues Sparprogramm an und stellt geplante Airline-Beteiligungen auf den Prüfstand. Die International Airlines Group (IAG) wagt keine Gewinnprognose.  Air Asia X, United Airlines, Finnair: sie alle und einige mehr kämpfen mit der sinkenden Nachfrage in Folge des Coronavirus.

Der internationale Airlineverband IATA schätzte Mitte Februar, dass die Zahl von Flugreisen wegen des Coronavirus weltweit um knapp fünf Prozent zurückgehen wird. Übersetzt in Umsatz bedeutet dies laut IATA eine Einbuße von knapp 30 Milliarden US-Dollar.

Airbus: zu früh, um Auswirkungen abzuschätzen

Bei ihrer Einschätzung ging die IATA davon aus, dass das Virus sich weiterhin auf den asiatischen Raum konzentrieren würde. Dies hat sich inzwischen geändert. Innerhalb weniger Wochen hat das Coronavirus die blumigen Wachstumsprognosen der Branche torpediert.

Eine Entwicklung, die sich eher erst langfristig bei den Flugzeubauern und ihren Zulieferern niederschlagen wird. Airbus hält Anfang März am bisher projizierten Wachstum der Branche fest, wie ein Sprecher auf aero.de-Anfrage mitteilt. Im Februar blieb die Endmontagelinie in Tianjin für mehrere Wochen geschlossen.

880 Flugzeugauslieferungen gelten dennoch weiterhin als Ziel für 2020 - das soll allerdings im ersten Quartal noch einmal überprüft werden. Um die Auswirkungen des Coronavirus auf Lieferungen einzuschätzen, sei es noch zu früh.

Passagiere lassen Tickets verfallen

Und wie verhalten sich Passagiere? Aus Angst vor Reisen in Zeiten der Coronavirus-Epidemie lassen viele Fluggäste ihre Tickets nach Darstellung des Branchenverbands IATA verfallen. Viele Airlines meldeten, dass rund 50 Prozent der Fluggäste gar nicht auftauchten, teilte die IATA am Montag in Genf mit.

Eine große Linien-Fluggesellschaft verzeichne einen Totaleinbruch von Buchungen nach Italien. Generell seien die Aussichten für Buchungen nicht rosig, so die IATA weiter.

Der Branchenverband will nun dafür sorgen, dass angesichts der außergewöhnlichen Umstände bestimmte Regeln angepasst werden. So drohte einer Fluggesellschaft bisher, ihre Slots - das ist das Zeitfenster für Starts und Landungen - zu verlieren, wenn sie sie nicht mindestens zu 80 Prozent nutzte.

Die Anwendung dieser Regel sei angesichts der nötigen Kapazitätsanpassungen nun nicht mehr angemessen, hieß es.
© aero.de (boa), dpa-AFX | Abb.: CSSE Johns Hopkins University | 02.03.2020 14:20


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