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Boeing sagt leise Servus zur 747

Lufthansa Boeing 747
Lufthansa Boeing 747, © Lufthansa Archiv

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CHICAGO - Den Mitarbeitern hat das Management noch nichts davon gesagt, aber es zieht den Stecker beim 747-Programm. Damit endet die Ära des Jumbojets, die ein halbes Jahrhundert lang währte. In zwei Jahren soll die letzte Maschine laut Insidern das Werk in Seattle verlassen.

Das Unternehmen hat diese Entscheidung nicht an die große Glocke gehängt. Vielmehr finden sich Insidern zufolge Hinweise darauf in subtilen Formulierungen in den Finanzberichten. Nach Informationen der Nachrichtenagentur "Bloomberg" wird Boeing 2022 die letzte 747-8 produzieren.

Flugzeugliebhaber haben diesen Moment lange gefürchtet: das Ende des Doppeldeckers, des viermotorigen Giganten, der die die Welt kleiner erscheinen ließ. Auch die Zeit des Airbus-Superjumbos A380 neigt sich dem Ende entgegen. Der letzte Rumpf ist im Juni in Toulouse eingetroffen. Die Zukunft scheint kleineren Jets zu gehören.

Denn trotz ihrer Beliebtheit bei den Passagieren konnten weder die 747 noch der A380 mit Wirtschaftlichkeit punkten. Immerhin hat die Frachtversion der 747 mit ihrer aufklappbaren Nase die Perspektive, noch einige Jahre zum Einsatz zu kommen. Für den A380 gibt es diese Perspektive nicht.

Der Pandemie bedingte Nachfrageeinbruch schmälert die Einsatzmöglichkeit der Passagier-Riesen weiter. "Es hat sich herausgestellt, dass es nur sehr wenige Routen gibt, auf denen man so große Flugzeuge braucht", sagte Analyst Sash Tusa.

Boeing ist mit ihrer "Königin der Lüfte" in den 70er Jahren ein großes Wagnis eingegangen und hat damit die Luftfahrt verändert. Ein teures Wagnis, das den Konzern beinahe in den Bankrott trieb. Seitdem summieren sich die Bestellungen für die 747 und 747F auf insgesamt 1.571. Nur die Boeing 777 hat unter den Großraumjets mehr Bestellungen eingesammelt.

Der A380 kam mit seiner Kapazität für bis zu 853 Passagiere zu spät auf den Markt: 2007 hatte sich der Wind bereits gedreht, Airline-Chefs hielten damals bereits Ausschau nach kleineren, sparsameren Flugzeugen.

Boeing hatte da bereits die 777 im Angebot und den 787-Dreamliner in Arbeit. Der Plan, potenzielle A380-Käufer mit einer sparsameren Version der 747 anzulocken, ging allerdings nicht auf. Laut Analyst Richard Aboulafia lag dies an Managementfehlern und daran, dass die Entwicklung das Budget sprengte.

Nach einer Schätzung der Analystin Sheila Kahyaoglu hat Boeing seit 2016 pro produzierter 747 40 Millionen US-Dollar Verlust gemacht. Seit jenem Jahr produzierte der Flugzeugbauer nur noch sechs der Jumbos im Jahr. Die letzte Bestellung für eine 747 ging im Jahr 2017 ein. Auftraggeber: die US-Regierung für eine neue Air Force One.
© aero.de (boa), Bloomberg | Abb.: Boeing | 03.07.2020 10:11


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