Sichtflug aus der Krise
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Was 2021 für die Luftfahrt bedeutet

Lufthansa Boeing 747 am Flughafen Frankfurt
Lufthansa Boeing 747 am Flughafen Frankfurt, © Fraport AG

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WIEN - Nachhaltig aus der Krise: 2021 markiert für die Luftfahrt in vieler Hinsicht einen Neuanfang. Die Nachfrage nach Flugreisen verschiebt sich zu Selbstzahlern, Staaten pochen auf mehr Anstrengungen beim Klimaschutz. Wachstum um jeden Preis hat in der neuen Normalität als Richtschnur ausgedient.

"Die Menschen wollen reisen, Fliegen ist ein integraler Bestandteil unserer Welt und das wird auch wieder kommen, vor allem auf längeren Distanzen, sagte Austrian Airlines-Chef Alexis von Hoensbroech kürzlich im "ORF". "Vielleicht aber nicht in gewohntem Ausmaß."

Tiefgreifende Veränderungen für die ganze Branche ortet auch der Flughafenverband ACI Europe. Die Linienluftfahrt werde sich 2021 auf eine "neue Normalität" einstellen müssen und nicht mehr von luftigen Wachstumsannahmen aus der Zeit vor Corona ausgehen können.

"Unser Geschäftsmodell war abhängig und getrieben vom dynamischen Wachstum des Flugverkehrs, aber wir können nicht länger darauf bauen, dass dies auch so bleibt", sagte ACI-Chef Oliver Jankovec auf der Jahresversammlung des Verbands am 17. November. Jetzt rückten Nachhaltigkeit und der Einsatz neuer Technologie und Datenmodelle in den Mittelpunkt.

Es brauche einen zukunftsfesten Plan für Geschäft und Betrieb der Flughäfen, der Hand in Hand mit dem Gesetzgeber entwickelt werden muss. Ohne Verlass auf stetig wachsende Einnahmen müssten die Flughäfen auch erlösseitig "kreativ" werden, sagte Jankovec.

Daher bereite der Verband ein Strategiepapier für nachhaltige Maßnahmen vor, in Einklang mit bestehenden Verpflichtungen für einen CO2-freien Betrieb bis 2050.

CAPA: Restrukturierung einer ganzen Branche

Noch drastischer sehen die Entwicklung die Berater von der CAPA-Gruppe. Die Branche sei durch die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie in nie zuvor gekanntem Ausmaß getroffen worden.

Geschlossene Grenzen und Quarantäne bei der Einreise beeinträchtigen vor allem den internationalen Verkehr - und versetzen der Weltwirtschaft einen Dämpfer: Airlines spüren die Krise so gleich doppelt.

Strukturelle Folgen hat der massive Rückgang im hochpreisigen Geschäftsverkehr, was viele Airlines entweder in die Knie oder dazu zwingen wird, sich von Grund auf neu zu erfinden. Denn das Premiumsegment machte bei Full-Service-Airlines vor der Krise fast die Hälfte des Geschäfts aus. Die CAPA-Experten gehen davon aus, dass der Premiumanteil mittelfristig auf ein Viertel schrumpfen wird.

Der Strukturwandel bietet aber auch Chancen für neue Geschäftsmodelle. Hier wittern Günstigflieger ihrer Chance. Mit Liquiditätsreserven in Höhe von bis zu einem Halbjahresumsatz bedienen Unternehmen wie Ryanair, Wizz Air oder Easyjet jenes Segment, das sich aus Sicht von Experten am schnellsten erholen wird: Direktverkehre für Selbstzahler.

Auf der Kurzstrecke droht 2021 harter Preiswettbewerb. Auch wenn Lufthansa-Chef Carsten Spohr vor dem Jahreswechsel auf eine besser als erwartete Liquidität des Kranich-Konzerns hinwies - die Erholung wird kein Selbstläufer. Allein der Rückbau von Flotten und Kapazität wird 2021 die Bilanz des Kranichs ein weiteres Mal belasten. Zuschüsse zu Personalkosten laufen aus.
© Bob Gedat, aero.at | Abb.: Lufthansa | 01.01.2021 12:01

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Beitrag vom 01.01.2021 - 13:27 Uhr
Genau so wird es kommen. Kaum vorstellbar, dass es z.B. EK gelingen wird, ausgerechnet mit dem A380 aus der Krise zu fliegen. In Zukunft werden Flugzeuge wie der A350 und die B787 (wenn sie denn mal wieder seriös gefertigt wird) als Nonstopflieger gebraucht. Und riesiges Potenzial hat der A321 neo XLR. Alle mit einer großen Touristclass und einer kleinen Business class, vielleicht noch einer premium Economy. Also das alte Schema, 1.,2. u d 3.Klasse nur alles etwas bescheidener. Gerade die klassischen Liniencarrier werden sich mehr oder weniger komplett neu erfinden müssen. Glamour und Protz, Lounges und Limousinen, das ist Schnee von gestern. Die nächste Generation wird sich um solchen Schnickschnack nicht mehr kümmern, und sich auf das Wesentliche einer Reise konzentrieren wollen. Sicherer und pünktlicher Luftverkehr ohne großen Aufwand.


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