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Baut Antonow die zweite An-225 doch noch fertig?

Unvollendet: zweite Antonow An-225
Unvollendet: zweite Antonow An-225, © Oleksandr Donets

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KIEW - Noch im Mai 2020 bewertete Antonows damaliger Chef die Idee einer zweiten An-225 wirtschaftlich als Fass ohne Boden. Nun hat die Ukraine aber wohl doch Lust auf eine zweite "Mrija" - und sucht aktiv nach privaten Investoren. Die müssten jedoch sehr tief in die Tasche greifen.

Seit fast 30 Jahren wartet im Antonow-Werk Swjatoschyn in der Nähe von Kiew der Rohbau eines Flugzeugs auf seine Fertigstellung. Seine gigantischen Dimensionen verraten schnell, dass es sich bei diesem Rohbau um die unvollendete Schwester der An-225 "Mrija" handelt.

Zwei Exemplare des Sechsstrahlers hatte die Sowjetunion einst als Taxi für ihre Raumfähre Buran beauftragt. Das erste flog 1988, das zweite wurde zum Wendeopfer: 1994 brach die Ukraine die Bauarbeiten wegen Geldmangels ab.

Seither lagert die halbfertige Riesin in Swjatoschyn. Ein Großteil der Zelle ist vorhanden, der Rumpf samt Fahrwerk bis auf das Bugtor fast komplett. Tragflächen und Leitwerk sind separat gebunkert.

Mehr als eine Milliarde US-Dollar Baukosten

Immer wieder gab es in der Vergangenheit Bestrebungen, den Bau zu vollenden und auch die zweite An-225 abheben zu lassen. Dazu gekommen ist es bislang nie. Selbst chinesische Investoren, die 2016 ernsthaftes Interesse kundtaten und gar eine Lizenzfertigung des Musters ins Gespräch brachten, sahen später von dem Unterfangen ab.

Als der damalige Antonow-Chef Oleksandr Donets im Frühjahr 2020 zu den Chancen für den "Mrija"-Zwilling befragt wurde, winkte er ab: zu teuer sei ein Weiterbau – und deshalb wirtschaftlich schlicht nicht vertretbar.

Obwohl das zweite Flugzeug bereits zu rund 70 Prozent fertiggestellt sei, müsse es komplett neu konstruiert werden, damit es künftigen Anforderungen entspreche. Dazu zählen auch neue Avionik und neue Triebwerke. Die Baukosten könnten deshalb laut Expertenschätzungen leicht eine Milliarde US-Dollar übersteigen.

"Gespräche mit mehreren Ländern"

Inzwischen ist Oleksandr Donetsk allerdings nicht mehr Chef von Antonow – und der Staatskonzern UkrOboronProm, zu dem Antonow gehört, möchte es anscheinend doch nochmal wissen.

Unvollendet: zweite Antonow An-225
Unvollendet: zweite Antonow An-225, © Oleksandr Donets

Einem Bericht der Agentur Ukrinform zufolge sucht UkrOboronProm einmal mehr nach Geldgebern, um die zweite "Mrija" aus dem Dornröschenschlaf wachzuküssen. Man führe "derzeit aktive Gespräche mit mehreren Ländern über die Entwicklung der ukrainischen Flugzeugflotte", zitiert Ukrinform den Generaldirektor von UkrOboronProm, Jurij Husew.

Chancen für die "Mrija" sieht Husew etwa in Indien, wo man im Februar in Bangalore "eine der größten Waffenausstellungen" des Landes besuchen werde, um Kooperationen auszuloten. Auch die Türkei habe bereits im Oktober 2020 Interesse an dem Projekt bekundet, ungeachtet der immensen Kosten des Projekts. Konkrete Ergebnisse ergaben sich allerdings noch nicht.

 "Mrija" als fliegende Startplattform?

Unterdessen gibt es in der Ukraine seit geraumer Zeit Überlegungen, die An-225 in ein angedachtes Raumfahrtprogramm zu integrieren – und zwar nicht nur als Transport-, sondern auch als Startplattform für Trägerraketen.

Derlei Gedankenspiele trug Mitte 2020 etwa der – inzwischen gefeuerte – Chef der ukrainischen Weltraumagentur Wolodimir Usow vor. Sollte die "Mrija" hierfür zum Zug kommen, brauche es die zweite Maschine als Backup, so Usow damals.

Allerdings merkte Usow seinerzeit auch an: "Als eine Person, die möchte, dass die Ukraine noch in unserem Leben einen unabhängigen Zugang zum Weltraum erhält, möchte ich mich lieber auf andere Antonow-Flugzeuge konzentrieren, nicht auf die 'Mrija'."
© FLUGREVUE - Patrick Zwerger | Abb.: Antonow | 31.01.2021 08:57

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Beitrag vom 03.02.2021 - 18:38 Uhr
Der Markt ist ganz sicher da.
Man beachte einfach, wie oft sie 2020 im Einsatz war.
Es ist einfach ein Fakt, es gibt absolut keine Alternative wenn diese Kapazität oder Traglast benötigt wird.
Wenn sie kaputt ist ist sie kaputt. Es gibt keinen Plan B. Außer eben die vorproduzierte Hülle, so wie sie da steht.
Und ich denke, da liegt der große Vorteil. Um einen Rumpf und Tragflächen in dieser Größe zu bauen braucht man ebenfalls gigantische (und teure) Vorrichtungen.
Dieses Stadium hat diese Backuplösung hinter sich.
Vielleicht fehlen noch Klappen oder sowas, aber das ist schon eine Hausnummer kleiner.
Also geht es "nur" noch um den Innenausbau, ein paar 100 KM Kabel, Schläuche, Sensoren, Aktoren ect.
Natürlich ist das keine PillePalle Nummer, aber es gibt eben heutzutage anpassbare bewährte Technik in der westlichen Hemisphäre (anders als in der chinesischen Flugzeugindustrie, die auch dafür erst entwickeln müssen oder sich in politisch schwieriges Fahrwasser begeben müsste und zukaufen).
Ein großes Projektrisiko sind die beginnenden Anstrengungen der Russen, die mit dem Projekt "Slon" einen kompletten Nachfolger der AN124 entwickeln wollen.
Je nachdem wie ernst sie es damit meinen kann durchaus ein recht moderner (und damit überlegener) Lastesel dabei rauskommen der den alten Antonovs das Wasser abgräbt.
Wenn sie ihn so auslegen, dass er mehr als 150 Tonnen transportieren kann, wird auch die 225 langfristig obsolet.
Und der "nichtamerikanische Westen" schaut dumm aus, dem Russen will man nix abkaufen, der Ami verkauft seine C5-Supergalaxy nicht.
Leider werden die dicken Annas nicht ewig fliegen.

Dieser Beitrag wurde am 03.02.2021 18:41 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 03.02.2021 - 17:10 Uhr
Das ein Markt da sein könnte für so eine Art Lastenesel, glaube ich auch. Aber ob man dieses so lange ruhende Projekt sinnvoll fortführen kann, daran zweifle ich. Bauunterlagen, Fertigungsmittel, moderne Zulassungsbestimmungen contra alter Entwurf.... .
Ich sehe das eher nicht.
Beitrag vom 02.02.2021 - 23:38 Uhr
Wo genau liegt hier der Widerspruch?

Es geht nur darum eine An225 günstig und sicher, also mit westlichen Verschleißteilen, betreiben zu können.

Weder die Zelle der An255 noch die Systeme der S380 sind brandneu.

Leistungsmäßig wird die weit weg von einer Neukonstruktion liegen.


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