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Personalchef stimmt Piloten auf Verkleinerung ein

Lufthansa Crew
Lufthansa Crew, © Crew

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FRANKFURT - Bis März 2022 sind die Piloten der Lufthansa, der Lufthansa Cargo, des LH Aviation Trainings und 320 Kollegen der Germanwings vor Kündigungen geschützt. Doch eine Verkleinerung der Airlinegruppe steht nach wie vor auf der Agenda, wie Personalchef Michael Niggemann nun noch einmal bekräftigt hat.

"Wir müssen uns darauf einstellen, dass Lufthansa auch perspektivisch kleiner werden muss", heißt es in einem Schreiben Niggemanns an die Piloten, das aero.de vorliegt. "Das bedeutet einen nachhaltigen Wegfall von Arbeit für Pilotinnen und Piloten insbesondere im Kern der Lufthansa."

Die Kernmarke Lufthansa sei wegen ihrer größeren Flugzeuge und des höheren Anteils an Geschäftsreisenden insbesondere auf der Langstrecke stärker betroffen ist als andere Flugbetriebe. Im Anschluss an die aktuelle Vereinbarung gelte es, "eine strukturell nachhaltige Lösung" zu finden, um Wettbewerbs- und Investitionsfähigkeit zu erhalten beziehungsweise zurückzugewinnen.

"Wir müssen uns auf veränderte Märkte einstellen", schreibt Niggemann und deutet auch eine Verschiebung innerhalb des Konzerns hin zu günstigeren Plattformen an. Es gelte "die weniger gewordene Beschäftigung auszugleichen und gleichzeitig die Stückkosten angesichts der wirtschaftlichen Herausforderungen zu senken."

Eurowings Discover

Das Lufthansa-Management treibt in der Krise die Entwicklung der umstrittenen Plattform Eurowings Discover voran, mit der sie sinkende Einnahmen im Geschäftsreiseverkehr durch einen verstärkten Vorstoß ins Urlaubsreisen-Geschäft ausgleichen will.

Offenbar will das Management den Konzern angesichts des Preiskriegs-Getöses der Konkurrenz aus dem Billigsektor für eine schnelle und starke Rückkehr in diesem Bereich rüsten.

Gemeinsam mit den Mitarbeitern, verantwortungsvoll und konstruktiv soll diese Herausforderung laut Niggemann angegangen werden. Doch das Vertrauen in der Beziehung zwischen Gewerkschaftern und Management ist angekratzt.

Erstere vermuten, dass das Management die Krise nutzt, um ohnehin schon in der Schublade liegende Pläne hin zu günstigeren Tarifen und Plattformen voranzutreiben. Letzteres wirft den Piloten mangelnde Kompromissbereitschaft bei der Bewältigung der Krise vor.

Mit der aktuell gültigen Krisenvereinbarung haben beide Seiten allenfalls Zeit gewonnen. Beide können hoffen, dass die Pandemie bis März 2022 im Griff ist und die Nachfrage nach Flugreisen der Lufthansa Group Aufwind verliehen hat. Das würde nicht nur den Weg der Airline aus der Krise ebnen, sondern auch die Verhandlungsposition der Piloten verbessern.
© aero.de | Abb.: Lufthansa | 01.02.2021 11:05

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Beitrag vom 01.02.2021 - 14:30 Uhr
Ich stimme überein, dass es vorübergehend wohl auf einen Arbeitsplatzabbau hinausläuft. Auch sind die LH-Kollegen was Stückkosten betrifft am oberen Rand in Europa und dadurch entsteht natürlich ein gewisser Druck auf einem immer noch hohen Level.

Bei den Aussichten bin ich allerdings anderer Meinung als viele: In ein paar Jahren werden Piloten wieder Mangelware sein, denn langfristig wird der Flugverkehr weiter zunehmen. Je nach Ansicht geht man von einer Erholung in 3-5 Jahren aus, notabene auf den Stand von 2019, im Jahr als das System komplett überlastet war. Schon nach 2001 und nach der Finanzkrise hörte man Stimmen die behaupteten, dass der Flugverkehr nie mehr gleich sein wird. Das Gegenteil ist eingetroffen.

Insbesondere der Geschäftsreiseverkehr wird lange, wenn überhaupt je wieder, wie vorher. Sie dürfen die Finanzkrise von 2001 und 2008 nicht mit einer (der) Pandemie vergleichen. Zum einen hat sich in diesen fast zwei Jahrzehnten im Bereich der Kommunikationsinfrastruktur, sowie beim Umweltgedanken einiges getan. Eine größere Positionierung der LH im Urlaubssektor halt ich für nötig, da die immer rentable Langstrecke der LH, aufgrund o.g. Ursachen, in der bisherigen Form für immer wegfallen dürfte. Einen akuten Pilotenmangel wird es dann hauptsächlich noch in Asien geben, aber in dier dagewesenen Form nicht mehr in Europa.
Der Lufthansa fallen derzeit zusätzlich über Jahre selbstgemachte Probleme auf die Füße. Die Marke LH wird natürlich weiterexistieren, aber nicht mehr wie wir sie bisher kannten. Die Luftfracht wird vorerst keinen Nachfrageeinbruch verzeichnen, aber auch hier sind andere Globalplayer im Vorteil. Ich stimme grundsätzlich auch @fliegerschmunz bei, was die Flottenplanung/-aufstellung betrifft.
Es werden auf jeden Fall turbulente Zeiten werden - v.a. für die Piloten. Ich fühle mit...
Beitrag vom 01.02.2021 - 12:53 Uhr
Die ideale LH-Passage der Zukunft wird aus etwa 150 A320Fam (inc. A321neo XLR) Flugzeugen und aus ca. 70-80 A350 bestehen. Der Luftverkehr wird das Vor-Corona-Niveau lange nicht erreichen, insbesondere der Geschäftsreiseverkehr wird nie mehr, wie er mal war. Und die Touries werden mit anderen "Plattformen" geflogen.
Beitrag vom 01.02.2021 - 12:18 Uhr
Ich stimme überein, dass es vorübergehend wohl auf einen Arbeitsplatzabbau hinausläuft. Auch sind die LH-Kollegen was Stückkosten betrifft am oberen Rand in Europa und dadurch entsteht natürlich ein gewisser Druck auf einem immer noch hohen Level.

Bei den Aussichten bin ich allerdings anderer Meinung als viele: In ein paar Jahren werden Piloten wieder Mangelware sein, denn langfristig wird der Flugverkehr weiter zunehmen. Je nach Ansicht geht man von einer Erholung in 3-5 Jahren aus, notabene auf den Stand von 2019, im Jahr als das System komplett überlastet war. Schon nach 2001 und nach der Finanzkrise hörte man Stimmen die behaupteten, dass der Flugverkehr nie mehr gleich sein wird. Das Gegenteil ist eingetroffen.


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