"Project Connect"
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Reicht ein Pilot im A350-Cockpit?

Airbus A350 Cockpit
Airbus A350 Cockpit, © Airbus

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PARIS - Cathay Pacific und Airbus arbeiten an einem Langstreckenflieger, der von nur von einem Piloten geflogen werden kann. Das Programm, das innerhalb von Airbus als "Project Connect" bekannt ist, ziele darauf ab, den A350-Jet für den Ein-Piloten-Betrieb im Reiseflug ab 2025 für Cathay-Passagierflüge zu zertifizieren.

Das sagten Insider der Nachrichtenagentur Reuters. Cathay Pacific bestätigte zwar die Beteiligung an dem Projekt, erklärte aber, es gebe noch keine Entscheidung über einen eventuellen Einsatz.

"Obwohl wir mit Airbus an der Entwicklung des Konzepts der reduzierten Besatzung arbeiten, haben wir uns in keiner Weise dazu verpflichtet, Erstkunde zu sein", teilte die Airline mit. Die Hürden für eine Zulassung für ein Single-Pilot-Cockpit seien hoch. So seien zunächst umfangreiche Tests, behördliche Genehmigungen und Pilotenschulungen erforderlich.

Auch die Anforderungen an die Technik sind hoch: So bedarf es etwa laut der Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) eines Systems, das die Vitalfunktionen des Piloten überwacht.

"Normalerweise passiert auf Langstreckenflügen auf Reiseflughöhe sehr wenig im Cockpit", sagte EASA-Chef Patrick Ky im Januar auf einer Pressekonferenz in Deutschland. Es mache daher durchaus Sinn, statt zwei nur noch einen Piloten im Cockpit zu haben. Der andere könne sich dann ausruhen.

Voraussetzung sei aber, dass es technische Lösungen gibt, die sicherstellen, dass in einer Notlage des Piloten der andere gewarnt werden kann. Die EASA plant nun Konsultationen in diesem und Zertifizierungsarbeiten im kommenden Jahr. Ein Sprecher betonte aber, für den geplanten Starttermine 2025 bestehe ein "erhebliches Risiko."

Auch Lufthansa habe an dem Single-Pilot-Programm gearbeitet, aber derzeit keine Pläne, es zu nutzen, sagte ein Sprecher der Fluggesellschaft.

Piloten sehen Sicherheitsrisiken

Kys Vorstoß hatte bei Piloten für Irritationen gesorgt. "Die Vereinigung Cockpit sieht diese Bestrebungen zum gegenwärtigen Zeitpunkt sehr kritisch und hat eine eindeutige Position", reagierte Björn Reimer, VC-Vorstand im Ressort Flugsicherheit, auf Kys Wink. "Die Reduzierung der Cockpitbesatzung auf einen einzelnen Piloten oder eine einzelne Pilotin lehnen wir unabhängig von der Flugphase ab."

Zumindest unter "den aktuellen technischen Möglichkeiten" würden Reduced Crew Operations nach Ansicht der Pilotengewerkschaft das Sicherheitsniveau in der Verkehrsluftfahrt gefährden. "Der Erhalt und die Erhöhung der Flugsicherheit müssen auch künftige Vorrang vor ökonomischen Interessen haben", sagte Reimer.
© Reuters, aero.de | Abb.: Airbus | 16.06.2021 14:37

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Beitrag vom 18.06.2021 - 22:16 Uhr
Was auf Erden techn möglich und beherschbar ist muss es in der Luft mit seinen vielfältigen Variablen noch lange nicht sein. Ein Pilot ist zudem nur einen Herzschlag von Null Pilot entfernt. In ein Verkehrsflugzeug mit einem Piloten steige ich niemals ein egal wie die techn Entwicklung weiter geht. Wenn noch mehr so handeln ist der Kostenvorteil sehr schnell dahin.

So ähnlich hat man vor ca. 150 Jahren auch argumentiert, als die Ersten über Flugmaschinen nachdachte und daran bastelte..
Glücklicherweise hat sich dieser Pessimismus nicht bewahrheitet, sonst könnte wir heute über so ein Thema gar nicht diskutieren.

Ich muss im Gegenteil bei so manchem optimistischen Beitrag hier an die Technikgläubigkeit der 50er und frühen 60er denken, als so mancher Autor postulierte: im Jahr 2000 werden wir
- alle Autos mit Atomantrieb fahren
- Siedlungen auf Mond und Mars haben.
- im Asteroidengürtel Bergbau betreiben.
- im LEO Fabriken betreiben.
- alle Hyperloop-ähnliche Gebilde nutzen, die Weltstädte im Stundentakt vernetzen
- alle in gigantischen Wohnclustern wohnen, die mitten im Grünen stehen

Jede dieser Ideen hatte auch damals ihre Berechtigung und ihr gedankliches Grundgerüst extrapoliert aus 1955. Keine davon klang 1955 wirklich lächerlich.
Umgesetzt wurde aus verschiedenen Gründen bis heute aber keine davon.

Andererseits sahen damals wenige den Computer als DEN zentralen technischen und gesellschaftlichen Entwicklungsmotor ab den späten 1960ern kommen, obwohl er viel naheliegender gewesen wäre.
Oder Mobilfunk.
Oder die Kombination aus beidem.
Fortschritt ist nicht, die aktuelle Entwicklung linear fortzuschreiben - und nicht alles was wie technischer Fortschritt aussieht, wird auch welcher.


Dieser Beitrag wurde am 18.06.2021 22:21 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 18.06.2021 - 19:31 Uhr
Was auf Erden techn möglich und beherschbar ist muss es in der Luft mit seinen vielfältigen Variablen noch lange nicht sein. Ein Pilot ist zudem nur einen Herzschlag von Null Pilot entfernt. In ein Verkehrsflugzeug mit einem Piloten steige ich niemals ein egal wie die techn Entwicklung weiter geht. Wenn noch mehr so handeln ist der Kostenvorteil sehr schnell dahin.

So ähnlich hat man vor ca. 150 Jahren auch argumentiert, als die Ersten über Flugmaschinen nachdachte und daran bastelte..
Glücklicherweise hat sich dieser Pessimismus nicht bewahrheitet, sonst könnte wir heute über so ein Thema gar nicht diskutieren.
Beitrag vom 18.06.2021 - 18:17 Uhr
Das Praktische für die NASA ist, dass sie mit den Kosten der ganzen Empfehlung nicht konfrontiert wird.

So wie das sein sollte, denn nur so kann eine Sicherheitsbewertung und -empfehlung frei von kommerziellen Interessen ausgesprochen werden.
Dann sollte Jogi Löw demnächst für die Sicherheitsthemen der Deutschen Bahn zuständig werden. Der ist auch so schön neutral und unabhängig.

Sollte sowas bei Ihnen tatsächlich als "Argument" durchgehen?
Ein Vergleich Jogi Löw vs NASA?

Was passiert, wenn Sicherheitsfragen von kommerziellen Interessen dominiert werden, hat die Entwicklung und Zertifizierung der 737MAX leider sehr nachdrücklich gezeigt.
Das eine sind die Produzenten, das andere sind die Anwender. Um diese ging es eigentlich.
Nein, es ging um die Vermischung von Sicherheits-Vorgaben mit kommerziellen Interessen.

B737 MAX ist ein eigenes Thema

Sagt wer?

da hätte ein KTV Pilotengehalt auch nichts gebracht.

Nur weil manche hier (teilweise krankhaft) auf Pilotengehälter fixiert sind, muss das ja nicht für jeden gelten...


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