TOULOUSE - Airbus hat trotz aufwendiger Nacharbeiten wegen mangelhafter Rumpfteile im vergangenen Jahr fast 800 Passagierjets ausgeliefert. Insgesamt fanden 793 neue Maschinen den Weg zu ihren Käufern und damit vier Prozent mehr als im Vorjahr, wie der europäische Dax-Konzern am Montagabend in Toulouse mitteilte.
Ursprünglich hatte sich Vorstandschef Guillaume Faury rund 820 Jets vorgenommen, musste sein Ziel wegen der Überprüfung von Rumpfverkleidungen an hunderten Maschinen jedoch Anfang Dezember auf rund 790 Flugzeuge kappen.
Schon 2024 hatte Faury sein ursprüngliches Auslieferungsziel zusammengestrichen. Damals waren Zulieferer mit der Lieferung wichtiger Teile wie Triebwerken nicht hinterhergekommen. Daher hatte Airbus statt der ursprünglich angepeilten 800 Maschinen nur 766 Jets an seine Kunden übergeben. Auch im Jahr 2022 hatte der Hersteller sein ursprüngliches Auslieferungsziel verfehlt.
In Vorjahren hatten vor allem Zulieferer wie die Triebwerksbauer Pratt & Whitney und CFM, ein Gemeinschaftsunternehmen von Safran und GE Aerospace, die Flugzeugproduktion gebremst. Auch 2025 seien viele Triebwerke erst spät im Jahr eingetroffen, sagte der bisherige Chef der Airbus-Verkehrsflugzeugsparte, Christian Scherer, am Abend in einer Videokonferenz mit Journalisten.
Allerdings warteten derzeit nur wenige fertige Flugzeuge bei Airbus auf ihre Triebwerke, erklärte der Manager. Dass der Hersteller sein ursprüngliches Auslieferungsziel verfehlte, habe lediglich an den Qualitätsmängeln an Rumpfverkleidungen eines anderen Zulieferers gelegen.
Der Löwenanteil der ausgelieferten Flugzeuge entfiel 2025 mit 607 Maschinen wie üblich auf die Mittelstreckenjets aus der Modellfamilie A320neo samt der Langstreckenversion A321XLR.
Hinzu kamen 57 Großraumjets von Typ A350 und 36 der etwas kleineren A330neo sowie 93 Exemplare des kleinsten Airbus-Modells A220.
Die Finanzzahlen wie Umsatz und Gewinn will der Konzern erst am 19. Februar veröffentlichen. Dann will der Vorstand auch bekanntgeben, wie viele Flugzeuge Airbus im Jahr 2026 ausliefern will. Scherers Nachfolger als Chef der größten Airbus-Sparte ist Lars Wagner, der bisherige Chef des deutschen Triebwerksbauers MTU. Der Münchner Dax-Konzern baut als Partner von Pratt & Whitney an Triebwerken für Airbus-Jets mit.
An Aufträgen herrscht bei Airbus auch weiterhin kein Mangel - im Gegenteil. Im vergangenen Jahr holte der Konzern Bestellungen über 1.000 Passagier- und Frachtjets herein. Nach Abzug von Stornierungen waren es 889 Stück. Der Auftragsbestand lag Ende 2025 bei 8.754 Maschinen und damit so hoch wie noch nie zum Ende eines Jahres.
Gemessen an den jüngsten Auslieferungszahlen reichen die Bestellungen rechnerisch für die nächsten elf Jahre. Allerdings will Faury die Produktion in den kommenden Jahren deutlich ausweiten. Bisher peilt der Manager für das Jahr 2027 weiterhin den Bau von monatlich 75 Maschinen der A320neo-Familie an.
Laut Scherer spricht Airbus aber noch mit Pratt & Whitney darüber, wie viele Turbinen der Triebwerksbauer in absehbarer Zukunft liefern kann.
Airbus' Erzrivale Boeing aus den USA steckt hingegen seit Jahren in einer schweren Krise. Nach zwei Abstürzen in den Jahren 2018 und 2019 mit hunderten Toten machte der Hersteller immer wieder mit Produktions- und Qualitätsmängeln Schlagzeilen. Anfang 2024 entgingen Passagiere und Besatzung nur mit Glück einer Katastrophe, als eine Boeing 737 MAX im Flug ein türgroßes Rumpfteil verlor.
Seitdem steht der US-Konzern unter verschärfter Aufsicht der Behörden und darf die Produktion seines wichtigsten Modells nur nach staatlicher Genehmigung ausbauen. Im Jahr 2025 zogen Boeings Auslieferungszahlen wieder ein Stück an. In den Monaten Januar bis November lieferte der Hersteller 537 Passagier- und Frachtjets aus.
Brutto holt er Aufträge über 1.000 Maschinen herein - und kam netto auf 908 neue Bestellungen. Die Jahreszahlen will Boeing an diesem Dienstag (13. Januar) veröffentlichen.
© dpa-AFX, aero.de | Abb.: Airbus | 12.01.2026 18:12
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Beitrag vom 13.01.2026 - 21:59 Uhr
Nun, dass z.B. Indigo ihre 500 georderten A 320neo am liebsten morgen auf dem Hof stehen hätten kann ich gut nachvollziehen.
Das bezweifle ich stark, IndiGo hat momentan andere Themen. Wer soll die ganzen neuen Maschinen denn fliegen?
https://www.dw.com/en/indigo-crisis-clouds-indias-aviation-ambitions/a-75061966
Das ist eine wirklich gute Frage, die in abgewandelter Form auch für ein paar andere Großkunden des A320neo-Family-Programms von Airbus stehen könnte, etwa für Air India oder Wizzair.
Beitrag vom 13.01.2026 - 16:11 Uhr
Nun, dass z.B. Indigo ihre 500 georderten A 320neo am liebsten morgen auf dem Hof stehen hätten kann ich gut nachvollziehen.
Das bezweifle ich stark, IndiGo hat momentan andere Themen. Wer soll die ganzen neuen Maschinen denn fliegen?
https://www.dw.com/en/indigo-crisis-clouds-indias-aviation-ambitions/a-75061966
Beitrag vom 13.01.2026 - 15:02 Uhr
[...] schon wieder konzerninternen Druck in Richtung höhere Auslieferungszahlen aufbaut.
Sie übersehen, dass die Kunden schneller mehr Flugzeuge fordern. Wenn Airbus 200 A320 im Monat liefern könnte, wer würde dann noch 737 kaufen (außer US-Fluggesellschaften)? Der CEO gibt daher nur den Wunsch der Kunden wieder.
"Der CEO will höhere Auslieferungszahlen, viel höhere Auslieferungszahlen, sehr viel höhere Auslieferungszahlen" die zentrale Message an Mitarbeitende und Zulieferer ist, dann erhöht der CEO dadurch das systemische Risiko, [...]
Es wäre ein Risiko, wenn man das durch Überstunden oder Überlastungen erreicht. Der Flaschenhals waren bisher die Triebwerke. Wenn man dann weitere neue Zulieferer für ein Produkt benötigt, dann sinkt das Risiko, weil selten zwei unabhängige Firmen zeitgleich einen Fehler produzieren.
Nun, dass z.B. Indigo ihre 500 georderten A 320neo am liebsten morgen auf dem Hof stehen hätten kann ich gut nachvollziehen. Ob das realistischerweise in den Möglichkeiten von Airbus liegt, sie so kurzfristig zu liefern, ist eine ganz andere Sache. Hauptaufgabe eines CEO ist es, das eigene Unternehmen zu führen, nicht, die Wünsche von Dritten zu übermitteln - und seien es Kunden. Im Gegenteil, im Bedarfsfall hat er das eigene Unternehmen gegenüber diesen zu vertreten.
Natürlich täte man sich leichter, wenn man die Zulieferer bei gleichbleibender oder sogar besserer Qualität einfach verdoppeln könnte. Kann man ja aber offensichtlich nicht. Sonst hätte man es wohl schon getan. Mag sein, dass man das 737MAX-Programm von Boeing vom Markt fegen würde, wenn man 200 Maschinen der A320neo-Familie monatlich ausliefern könnte. Kann man ja aber offensichtlich nicht.Es sind übrigens nicht nur die Triebwerke. Die Rücknahme des Zieles an Auslieferungen in 2025 wurde von Airbus jedenfalls wesentlich mit den Problemen begründet, die es bei einem spanischen Zulieferer mit der Produktion von Rumpfteilen gab.
Deshalb, noch einmal: Wenn in 3 von 4 aufeinander folgenden Jahren die vom CEO öffentlich vorgegebene Zahl an Auslieferungen "gerissen" wurde und jeweils kurz vor Jahresende "zurückgerudert" werden musste, dann stellt sich schon die Frage, ob es wirklich Sinn macht, dann als CEO noch stärker "draufzusatteln" und von den Mitarbeitenden des Unternehmens und den Zulieferern noch höhere Auslieferungszahlen zu fordern als diejenigen, die sich als unrealistisch herausgestellt haben, oder ob es nicht sinnvoller wäre, die eigene Erwartungshaltung an die Möglichkeiten und immanenten Grenzen des Unternehmens zu adaptieren. Nach allen Erfahrungen mit Managementtechniken riskiert ein "Draufsatteln" unter diesen Ausgangsbedingungen jedenfalls zumindest, dass noch mehr Probleme "aufploppen" wo bisher keine waren.
Dieser Beitrag wurde am 13.01.2026 15:07 Uhr bearbeitet.
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Das bezweifle ich stark, IndiGo hat momentan andere Themen. Wer soll die ganzen neuen Maschinen denn fliegen?
Das ist eine wirklich gute Frage, die in abgewandelter Form auch für ein paar andere Großkunden des A320neo-Family-Programms von Airbus stehen könnte, etwa für Air India oder Wizzair.
Das bezweifle ich stark, IndiGo hat momentan andere Themen. Wer soll die ganzen neuen Maschinen denn fliegen?
Sie übersehen, dass die Kunden schneller mehr Flugzeuge fordern. Wenn Airbus 200 A320 im Monat liefern könnte, wer würde dann noch 737 kaufen (außer US-Fluggesellschaften)? Der CEO gibt daher nur den Wunsch der Kunden wieder.
"Der CEO will höhere Auslieferungszahlen, viel höhere Auslieferungszahlen, sehr viel höhere Auslieferungszahlen" die zentrale Message an Mitarbeitende und Zulieferer ist, dann erhöht der CEO dadurch das systemische Risiko, [...]
Es wäre ein Risiko, wenn man das durch Überstunden oder Überlastungen erreicht. Der Flaschenhals waren bisher die Triebwerke. Wenn man dann weitere neue Zulieferer für ein Produkt benötigt, dann sinkt das Risiko, weil selten zwei unabhängige Firmen zeitgleich einen Fehler produzieren.
Nun, dass z.B. Indigo ihre 500 georderten A 320neo am liebsten morgen auf dem Hof stehen hätten kann ich gut nachvollziehen. Ob das realistischerweise in den Möglichkeiten von Airbus liegt, sie so kurzfristig zu liefern, ist eine ganz andere Sache. Hauptaufgabe eines CEO ist es, das eigene Unternehmen zu führen, nicht, die Wünsche von Dritten zu übermitteln - und seien es Kunden. Im Gegenteil, im Bedarfsfall hat er das eigene Unternehmen gegenüber diesen zu vertreten.
Natürlich täte man sich leichter, wenn man die Zulieferer bei gleichbleibender oder sogar besserer Qualität einfach verdoppeln könnte. Kann man ja aber offensichtlich nicht. Sonst hätte man es wohl schon getan. Mag sein, dass man das 737MAX-Programm von Boeing vom Markt fegen würde, wenn man 200 Maschinen der A320neo-Familie monatlich ausliefern könnte. Kann man ja aber offensichtlich nicht.Es sind übrigens nicht nur die Triebwerke. Die Rücknahme des Zieles an Auslieferungen in 2025 wurde von Airbus jedenfalls wesentlich mit den Problemen begründet, die es bei einem spanischen Zulieferer mit der Produktion von Rumpfteilen gab.
Deshalb, noch einmal: Wenn in 3 von 4 aufeinander folgenden Jahren die vom CEO öffentlich vorgegebene Zahl an Auslieferungen "gerissen" wurde und jeweils kurz vor Jahresende "zurückgerudert" werden musste, dann stellt sich schon die Frage, ob es wirklich Sinn macht, dann als CEO noch stärker "draufzusatteln" und von den Mitarbeitenden des Unternehmens und den Zulieferern noch höhere Auslieferungszahlen zu fordern als diejenigen, die sich als unrealistisch herausgestellt haben, oder ob es nicht sinnvoller wäre, die eigene Erwartungshaltung an die Möglichkeiten und immanenten Grenzen des Unternehmens zu adaptieren. Nach allen Erfahrungen mit Managementtechniken riskiert ein "Draufsatteln" unter diesen Ausgangsbedingungen jedenfalls zumindest, dass noch mehr Probleme "aufploppen" wo bisher keine waren.
Dieser Beitrag wurde am 13.01.2026 15:07 Uhr bearbeitet.