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Die Luftfahrt-Diplomaten

Qatar Airways Airbus A350-1000
Qatar Airways Airbus A350-1000, © Airbus

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DOHA - Wie kein anderer Staat setzt Katar seine Luftfahrt als außenpolitisches Instrument ein. In der Afghanistan-Krise vermittelt - und fliegt - das Land zwischen den Parteien. Nach überstandener Katar-Blockade wird Katar zudem bald einen eigenen Kontrollsektor am Persischen Golf übernehmen.

Es ist ein Fliegen im Akkord - und gegen die Uhr: nur noch bis 31. August wollen die Taliban, die neuen Machthaber in Afghanistan, militärische Evakuierungsflüge über den Kabul Airport dulden. Für viele im Land eingeschlossene Ausländer und Ortskräfte wird es danach eng.

"Die Zeit wird nicht reichen, alle Ortskräfte auszufliegen", warnte Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) diese Woche in Berlin. Inzwischen hat Deutschland die Evakuierungsmission beendet, die A400M sind zurück in Wunstorf. Westliche Regierungen hoffen, dass Katar ihnen bei weiteren Rettungsversuchen unter die Arme greift.

Katar sieht sich bei den Bemühungen um eine Evakuierung Schutzbedürftiger aus Afghanistan als "unparteiischer Vermittler" zwischen den Taliban und den USA.

"Wir pflegen Kontakte mit allen Parteien", sagte Katars Außenminister Mohammed bin Abdelrahman Al Thani dem US-Sender Fox. "Im Moment versuchen wir, die Anreise der Menschen von ihren Aufenthaltsorten zum Flughafen zu ermöglichen." Katar übernehme "die volle Verantwortung" für die Sicherheit der Menschen, die Afghanistan verlassen wollten.

Bislang hat das Emirat am Golf mehr als 7.000 afghanische Zivilisten ausgeflogen. Maas bedankte sich am Montag persönlich für die Unterstützung bei der Evakuierungsmission. "Katar hat eine echte Führungsrolle übernommen", sagte er nach Angaben des Auswärtigen Amtes in einem Telefon mit Al Thani.

Katar hält seit Jahren den Gesprächsfaden zu den Taliban. Mullah Abdul Ghani Baradar, Vize-Chef der radikalen Bewegung und Leiter des politischen Büros, hielt sich lange in Doha auf. Dort wurden auch die Verhandlungen mit den USA geführt, in denen das Golf-Emirat als Vermittler auftrat.

In der Afghanistan-Krise hat Qatar mit seiner Luftwaffe Talibanführer befördert - ebenso allerdings "westliche Journalisten, afghanische Aktivisten (...) und auch einige deutsche Staatsbürger" vor heranrückenden Talibanmilizen in Sicherheit und außer Landes gebracht, betont der katarische Botschafter in Berlin, S.E.  Scheikh Abdulla bin Mohammed bin Saud Al-Thani.

Katar ist ein wichtiger Standort des US-Militärs in der Region - zahlreiche C-17-Evakuierungsflüge der US Air Force liefen und laufen über das Emirat.

Seine Vermittlerrolle will Katar auch nach dem 31. August ausüben, um "die festsitzenden Ausländer und Afghanen trotz der schwierigen Situation zu evakuieren", sagte der Botschafter aero.de. "Der Staat Katar wird nicht zögern, die humanitäre Arbeit trotz der schwierigen Lage am und um den Flughafen in Kabul zu unterstützen."

Katar betreibt über seine Luftfahrt Außenpolitik. In der Coronakrise war das für viele Passagiere, die dringend reisen mussten, durchaus von Vorteil: oft war nur auf Qatar Airways Verlass - die Airline hielt ihr Flugnetz weitgehend intakt und nahm dafür hohe Verluste in Kauf.

"Wir haben in dieser Zeit über drei Millionen Menschen sicher nach Hause gebracht", sagte Airlinechef Akbar Al-Baker in einem Interview im Juli. "Viele Regierungen sind an uns herangetreten."

CATA und Doha FIR


Nach außen vertreten Al-Baker und Regierung katarische Luftfahrtinteressen durchaus robust und bauen so den Einfluss in der Welt Schritt für Schritt aus.

Der EU hat Katar gerade das neue Luftfahrtabkommen CATA abgerungen, das Qatar Airways in den nächsten Jahren nahezu uneingeschränkten Marktzugang für Transit- und Cargoflüge garantiert.

Während Emirates sich seit Jahren vergeblich um Flugrechte für den BER als fünften deutschen Abflughafen bemüht, hat Qatar Airways bald bei Zielen und Frequenzen freie Hand.

Nach der inzwischen gelösten Katar-Blockade durch die Nachbarstaaten hat das Emirat zuletzt einen weiteren internationalen Erfolg in seiner Luftfahrtpolitik erzielt: Katar wird am Persischen Golf ein eigener Luftraumsektor zugeteilt. Einzige Auflage der Weltluftfahrtbehörde ICAO für den "Doha FIR": Katar muss sich mit Bahrain über die Neuaufteilung des Fluginformationsgebiets verständigen.
© aero.de | Abb.: Airbus | 28.08.2021 10:38


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