"Zu überlegender Schritt"
Älter als 7 Tage

Niedersachsen sägt am Vorkasseprinzip

Bernd Althusmann
Bernd Althusmann, © Regierung von Niedersachsen

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HANNOVER - Für Flüge im Voraus bezahlen, die am Ende gar nicht stattfinden? Wegen chaotischer Zustände an Flughäfen trifft das in diesem Sommer viele Reisende. Verbraucher müssen sich um Rückerstattung bemühen. Niedersachsen schlägt nun vor, das Prinzip der Vorkasse zu streichen.

Mit einer Bundesratsinitiative will Niedersachsen angesichts des Chaos an mehreren deutschen Flughäfen in diesem Sommer das Vorkasse-Prinzip bei Flugreisen abschaffen.

"Diese Art von Vertragsgestaltung hat in den vergangenen Jahren bereits vielfach zu erheblichen Schwierigkeiten bei den Reisenden geführt, wenn die jeweiligen Flüge nicht wie geplant durchgeführt worden sind", heißt es in der Initiative der Landesregierung in Hannover, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Künftig sollen Ticketpreise demnach frühestens "bei Abfertigung des Fluges" verlangt werden dürfen. Zuvor hatte das "Handelsblatt" darüber berichtet.

Künftig müsste dann das Ticket erst beim Check-in bezahlt werden. "Damit wollen wir den Verbraucherschutz für die Reisenden deutlich verbessern", sagte Niedersachsens Verkehrsminister Bernd Althusmann (CDU) der Wirtschaftszeitung. Anlass für die Initiative seien die chaotischen Zustände bei der Abfertigung von Reisenden an mehreren deutschen Flughäfen in diesem Sommer, sagte ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums.

Wegen fehlendem Personal seien bereits tausende Flüge ausgefallen. Althusmann sagte, diese Flugausfälle gingen fast immer zu Lasten der Reisenden. "Sie haben oft Monate zuvor das Flugticket bezahlt, müssen sich im Falle einer Stornierung aber mühsam und teilweise langwierig um eine Rückerstattung bemühen."

Dem Bericht des "Handelsblatts" zufolge nahmen die Beschwerden bei der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) zuletzt deutlich zu. Demnach gingen in diesem Jahr zwischen dem 1. Juli und dem 15. August bei der Stelle 3.082 Anträge ein - das waren 127,5 Prozent oder 1727 Fälle mehr als im Vorjahreszeitraum. Rund 80 Prozent der Streitfälle gingen auf den Flugverkehr zurück. Die Bahn betraf rund 15 Prozent der Fälle, weitere drei Prozent umfassten Fernbusse und den Nahverkehr. Über diese Zahlen hatte zuvor der "Kölner Stadt-Anzeiger" berichtet.

"Aufweichung denkbar"

Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums in Hannover will die rot-schwarze Landesregierung den Vorschlag am Dienstag im Kabinett beschließen und in der nächsten Bundesratssitzung am 16. September auf die Tagesordnung bringen. Inwieweit weitere Länder die Initiative unterstützen, konnte der Ministeriumssprecher am Samstag nicht sagen.

Zustimmung kam am Samstag aus den Bundestagsfraktionen von SPD und CSU, wie das "Handelsblatt" berichtete. "Eine Aufweichung des Prinzips der Vorkasse ist denkbar und angesichts zunehmender Beschwerden ein ernsthaft zu überlegender Schritt", sagte CSU-Verbraucherpolitiker Volker Ullrich der Zeitung. Er betonte, aus seiner Sicht sei es aber ebenso wirkungsvoll, Fluggesellschaften dazu zu verpflichten, ihre Kunden mithilfe sogenannter Smart Contracts automatisch zu entschädigen.

Die Chefin des Verbraucherzentralen-Bundesverbandes, Ramona Pop, hatte sich mit Blick auf das Flugchaos in Deutschland schon Ende Juli für die Abschaffung des Vorkasse-Prinzips ausgesprochen. Der Bundesverband fordert unabhängig von der gegenwärtigen Lage bereits seit längerem, dass der Preis für Flüge und Pauschalreisen frühestens zum Zeitpunkt des Reiseantritts fällig werden sollte.

Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft wies zuletzt dagegen auf Vorteile des Vorkasse-Systems hin. Durch die Vorkasse könnten die Fluggesellschaften langfristig planen, eine hohe Auslastung der Flugzeuge erreichen und den Verbrauchern im Gegenzug preiswertere Tickets über Frühbucherrabatte anbieten, hieß es.
© dpa-AFX | Abb.: Regierung von Niedersachsen | 20.08.2022 18:55

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Beitrag vom 22.08.2022 - 14:10 Uhr
Warum nicht erst nach erbrachter Leistung bezahlen ? Der Rechnungsbetrag wird wie beim Leihwagen auf der KK geblockt und mit Entgegennahme des Gepäcks am Zielflughafen belastet ! Erst dann ist die bezahlte Leistung erbracht !
Die bezahlte Leistung wird beim Mietwagen erbracht, wenn ich den Schlüssel bekomme. Dann wird auch spätestens abgebucht. Mit dem geblockten Betrag meinen Sie möglicherweise die Kaution für entstehende Schäden. Avis bietet einen günstigeren Tarif "bei Buchung bezahlen" oder einen teureren "bei Abholung bezahlen". Gleiches bei Sixt.
Wenn man dort den "Gleich bezahlen" Tarif storniert muss man auch auf eine Gutschrift warten. Das unterscheidet sich im Grundsatz nicht von den Airlines.


Dieser Beitrag wurde am 22.08.2022 14:12 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 22.08.2022 - 13:51 Uhr
Warum nicht erst nach erbrachter Leistung bezahlen ? Der Rechnungsbetrag wird wie beim Leihwagen auf der KK geblockt und mit Entgegennahme des Gepäcks am Zielflughafen belastet ! Erst dann ist die bezahlte Leistung erbracht !

Beim Mietwagen kann nicht im Voraus gesagt werden, wie hoch der Leistungsumfang (gefahrene Kilometer) sein wird, hier ist ein entscheidender Unterschied.

Würden Sie die Nachkasse bei Massenabfertigungen auch andernorts befürworten, z.B. Fußballspiel, Kinobesuch, Fährenfahrt, etc.?
Beitrag vom 22.08.2022 - 13:32 Uhr
Warum nicht erst nach erbrachter Leistung bezahlen ? Der Rechnungsbetrag wird wie beim Leihwagen auf der KK geblockt und mit Entgegennahme des Gepäcks am Zielflughafen belastet ! Erst dann ist die bezahlte Leistung erbracht !


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