Strategiewechsel
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Hauseigenes Triebwerk für den H2-Airbus

Airbus zeroE-Triebwerk
Airbus zeroE-Triebwerk, © Airbus

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TOULOUSE - Airbus probiert sich für seinen geplanten Wasserstoffjet erstmals als Triebwerkshersteller. Der Dax-Konzern entwickelt dazu ein wasserstoffbetriebenes Brennstoffzellen-Triebwerk, wie Airbus am Mittwoch in Toulouse ankündigte. Der Zeitplan für einen H2-Airbus hängt auch der mitwachsenden Infrastruktur ab.

Airbus arbeitet an einem eigenen Brennstoffzellen-Triebwerk. Dieses soll als Lösung für die emissionsfreien Flugzeuge in Frage kommen, die der europäische Hersteller bis zum Jahr 2035 entwickeln und in Betrieb nehmen will.

Airbus-Chef Guillaume Faury hatte einen solchen Schritt bereits Anfang des Jahres in einem Interview öffentlich in Erwägung gezogen und dies als möglichen Strategiewechsel bezeichnet.

Bisher setzen Flugzeughersteller wie Airbus und Boeing bei ihren Maschinen auf Triebwerke etablierter Zulieferer wie Rolls-Royce, General Electric, Safran, der Raytheon-Techologies-Tochter Pratt & Whitney und der deutschen MTU. Diese Unternehmen arbeiten für einzelne Antriebstypen wiederum oft in unterschiedlichen Bündnissen zusammen.

Den Zeitplan für die Entwicklung eines Passagierflugzeugs mit Wasserstoff-Antrieb macht Airbus vom Aufbau der Infrastruktur abhängig. "Wenn Fluggesellschaften in der zweiten Hälfte des nächsten Jahrzehnts mit Wasserstoff-Flugzeugen fliegen sollen, brauchen wir nicht nur das Flugzeug", sagte Faury. "Wir brauchen die Infrastruktur und die entsprechenden Regelwerke dafür."

Er mahnte die Politik, rechtzeitig Vorschriften zu erlassen. Sollte die Infrastruktur absehbar nicht rechtzeitig fertig werden, könnte dies ein Grund für eine Verschiebung des Zeitplans sein. Dies gelte auch, wenn Airbus seine Technik für das Flugzeug bereits fertig habe, sagte Faury.

H2-Airbus mit bis zu 200 Sitzen

Airbus geht das H2-Projekt ambitioniert an. Mit 100 bis 200 Sitzplätzen könnte die Maschine etwa die Kapazität wie die heutigen Mittelstreckenjets der A320neo-Familie bieten. Bis etwa 2025 soll das grundsätzliche Konzept stehen, 2027 oder 2028 soll die Entwicklung offiziell angeschoben werden.

"In großem Maßstab und bei Erreichen der technologischen Ziele könnten Brennstoffzellen-Antriebe Flugzeuge mit Platz für 100 Passagiere mit einer Reichweite von etwa 1.000 Seemeilen antreiben", beschrieb der zuständige Airbus-Manager Glenn Llewellyn in Toulouse ein erstes Etappenziel. Das entspricht etwa 1.850 Kilometern.

Genaueres hält sich Airbus aber noch offen. Das gilt auch für die Form des Flugzeugs. Bei der Vorstellung der Wasserstoff-Strategie im September 2020 hatte der Hersteller neben zwei Konzepten mit klassischen Flugzeugrümpfen auch einen Nurflügler als mögliche Form vorgestellt. Diese Version habe aus heutiger Sicht allerdings die geringste Chance, sagte Llewellyn. Es würde wohl zu schwierig, auf einen Schlag sowohl das Antriebssystem als auch ein neues Rumpfkonzept umzusetzen.

Testen will das Unternehmen den eigenen Antrieb etwa ab Mitte des Jahrzehnts am Rumpf eines Airbus A380, der dabei von klassischen Triebwerken angetrieben wird.

Airbus zeroE-Triebwerk
Airbus zeroE-Triebwerk, © Airbus
 
Parallel hat das Management allerdings noch weitere Lösungen im Auge. Bereits im Februar hatte Airbus die Konzerne General Electric und Safran für einen künftigen Wasserstoffantrieb an Bord geholt. Zusammen mit deren Gemeinschaftsunternehmen CFM will Airbus einen wasserstoffbetriebenen Direktverbrennungsmotor am Boden und im Flug testen - ebenfalls an einer A380.

Der Konzern arbeitet zudem mit Partnern wie Flughäfen und Gasherstellern zusammen, um die Produktion von grünem Wasserstoff ebenso voranzutreiben wie den Aufbau der Betankungsanlagen an den Flughäfen.

Gemeinsame Forschung mit Renault

Mit dem französischen Autokonzern Renault will Airbus die Forschung für Elektroantriebe vorantreiben. Teams beider Unternehmen sollen gemeinsam versuchen, Technologien zur Energiespeicherung voranzubringen, wie die Firmen am Mittwoch mitteilten. Es gehe etwa darum, Batterien leichter zu machen und eine höhere Energiedichte zu erreichen.

Die Unternehmen sehen die Energiespeicherung als große Herausforderung bei der Entwicklung von elektrischen Fahrzeugen für die Langstrecke. Airbus erhofft sich von der Zusammenarbeit die Weiterentwicklung von Technologien, die in hybrid-elektrischen Flugzeugen eingesetzt werden könnten.
© aero.de | Abb.: Airbus | 30.11.2022 13:27


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