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Streiks bei Lufthansa eskalieren

Lufthansa Airbus A350-900 in Frankfurt
Lufthansa Airbus A350-900 in Frankfurt, © Lufthansa

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FRANKFURT - Bei der Lufthansa eskalieren die Streiks des fliegenden Personals. Noch vor dem Ende des bis Dienstag laufenden Pilotenstreiks hat die Kabinengewerkschaft Ufo die Flugbegleiter zu zwei weiteren vollen Streiktagen bei den Gesellschaften Lufthansa und Lufthansa Cityline ausgerufen.

Mit dieser fünften Streikwelle des fliegenden Personals wird der Festakt zum 100. Jahrestag der Gründung der ersten Lufthansa an diesem Mittwoch endgültig überschattet. Die Gewerkschaften planen eine Kundgebung vor der Unternehmenszentrale am Frankfurter Flughafen.

Bereits am Montag hatte der erneute Pilotenstreik wieder für hunderte Flugausfälle gesorgt und die Fronten zwischen den Verhandlungspartnern verhärtet. Das Unternehmen hat die Forderungen der Piloten als "absurd und unerfüllbar" bezeichnet. Erneut mussten tausende Passagiere ihre Reisepläne ändern.

Warnung an die Gewerkschaften

Am Montag warnte Personalvorstand Michael Niggemann die Spartengewerkschaften Vereinigung Cockpit (VC) und Ufo, ihren Konfrontationskurs fortzusetzen. Mit Blick auf die entstehenden Kosten betonte der Manager: "Jeder Streik verkleinert die betroffene Fluggesellschaft."

Am Abend legte die Kabinengewerkschaft Ufo nach, die bereits am vergangenen Freitag gestreikt hatte. Die hohe Beteiligung zeige überdeutlich, dass sich die Kabine nicht für dumm verkaufen lasse, erklärte Tarifexperte Harry Jaeger. "Wir haben es hier mit einer Arbeitgeberseite zu tun, die sich in einer Hardliner-Position eingerichtet hat, während sie unentwegt verkündet, "jederzeit verhandlungsbereit" zu sein."

Bester Ort für den Protest

Es gebe keinen besseren Ort des Protestes als den geplanten Festakt mit Bundeskanzler Merz, sagt Ufo-Vorsitzender Joachim Vázquez Bürger. "Wenn sich das Management gemeinsam mit der Bundespolitik für 100 Jahre Lufthansa feiert, dann werden wir genau dort sichtbar machen, unter welchen Bedingungen die Arbeitgeberseite funktioniert - und auf wessen Rücken aktuelle Entscheidungen ausgetragen werden."

Im Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" stellte Vorstandschef Carsten Spohr klar, dass der Konzern vor den Streiks nicht einknicken werde. "Lieber einige Tage mit einem streikbedingt reduzierten Angebot der Lufthansa-Gruppe als irgendwann dauerhaft mit einer deutlich reduzierten Kernmarke", sagte Spohr.

Der Lufthansa-Chef hielt den Spartengewerkschaften vor, dass sie in einem Dilemma steckten: "Keine der von ihnen tarifierten Airlines nimmt am erfreulichen Wachstum unserer Lufthansa Group mit ihren insgesamt 14 Airlines überhaupt noch teil." Die Ursachen dafür lägen in "oft jahrzehntelangen komplexen Tarifstrukturen - teilweise aus unserer Zeit als Staatsairline."

Erster Streik bei Eurowings

Die VC hatte die Piloten der Lufthansa Kerngesellschaft, der Lufthansa Cargo und der Regionaltochter Lufthansa Cityline zu Arbeitsniederlegungen bis einschließlich Dienstag aufgerufen. Es ist bereits die dritte Streikwelle in der laufenden Auseinandersetzung um höhere Betriebsrenten. Am Montag wurde zudem erstmals der Ferienflieger Eurowings für einen Tag bestreikt.

VC-Präsident Andreas Pinheiro machte die Lufthansa für die erneute Streikwelle der Piloten verantwortlich. "Trotz eines bewussten Verzichts auf Streikmaßnahmen über die Osterfeiertage blieben ernstzunehmende Angebote aus. In dieser Zeit gab es weder eine Reaktion noch erkennbare Gesprächsbereitschaft seitens der Arbeitgeber." Ein Angebot, das an anderer Stelle gegenfinanziert werden solle, sei für die VC nicht tragfähig.

Personalchef: Streiks ändern Strategie nicht

Niggemann begründete erneut den harten Kurs des Managements. Die Kerngesellschaft "Lufthansa Classic" sei heute schon auf vielen Strecken nicht mehr wettbewerbsfähig, so dass man die Kosten nicht noch weiter erhöhen könne. "Es geht um die Zukunftsfähigkeit der Classic."

Für den Lufthansa-Konzern sei klar, dass Flugzeuge nur dort eingesetzt werden könnten, wo sie profitabel fliegen. Aus diesem Grund würden Gesellschaften außerhalb der Kernmarke wie die neue Tochter Lufthansa City Airlines wachsen - auf Kosten der Kerngesellschaft. "Diese Streiks werden unsere Strategie nicht beeinflussen."

Die Lufthansa Kerngesellschaft ist zwar die mit Abstand größte, aber auch unprofitabelste Airline im Konzern. Der Vorstand führt das unter anderem auf hohe Gehälter und starre Dienstpläne der Crews zurück.

In den vergangenen Jahren wurden mit Discover und City Airlines neue Flugbetriebe gegründet, die kostengünstiger unterwegs sein sollen. Zum Jahreswechsel stellten sie 45 von insgesamt 387 Passagierflugzeugen unter der Marke Lufthansa und sollen auch in den kommenden Jahren stark wachsen. Bei den Tarifverträgen blieben die Spartengewerkschaften außen vor und Verdi machte entsprechende Verträge für das fliegende Personal.

Mehr als 1.100 Absagen allein in Frankfurt

An den Flughäfen standen zum Auftakt der vierten Streikwelle im laufenden Jahr viele Maschinen still. Allein in Frankfurt waren für die beiden Tage zusammen mehr als 1.100 Starts und Landungen abgesagt worden. In München wurden 710 Flugbewegungen gestrichen.

Lufthansa wollte rund die Hälfte der Langstreckenflüge stattfinden lassen. Auf der Nah- und Mittelstrecke sollte etwa jeder dritte Flug erfolgen. Ähnliches ist auch am Dienstag zu erwarten.

Bei Eurowings sollten rund 60 Prozent des ursprünglichen Plans geflogen werden. Der Ferienflieger kann zum einen auf die in Malta registrierte Eurowings Europe zählen, die nicht unter deutsches Tarifrecht fällt. Zudem könne man auf Unterstützung von Partner-Airlines rechnen. An den großen NRW-Flughäfen Düsseldorf und Köln fiel knapp die Hälfte der geplanten Eurowings-Starts aus.

Auf den Internetseiten sowohl der Lufthansa als auch der Flughäfen wurden Passagiere gebeten, den Status ihres Fluges rechtzeitig online zu prüfen und gegebenenfalls ihre Airline oder den Reiseveranstalter zu kontaktieren.

Ausnahmen nach Nahost

Vor dem Hintergrund der aktuellen Situation im Nahen Osten sind Flüge von Lufthansa und Lufthansa Cityline aus Deutschland zu folgenden Destinationen vom Streik laut VC ausgenommen: Aserbaidschan, Ägypten, Bahrain, Irak, Israel, Jemen, Jordanien, Katar, Kuwait, Libanon, Oman, Saudi-Arabien und die Vereinigte Arabische Emirate.
© aero.de | Abb.: Lufthansa | 13.04.2026 18:13

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Beitrag vom 13.04.2026 - 19:41 Uhr
Es ist einfach nur traurig, dass hier drei Streikthemen vermischt werden , die zwischen schierer Existenz und übertriebenem Wohlstandsdenken liegen!

Klar kotzen die Mitarbeiter die irgendwo festhängen, First in, Last out kickt bei dem Doppelstreik so richtig.

Wer aber immer noch nicht verstanden hat warum UFO streikt, der soll später aber auch nicht heulen. Ganz einfach!
Beitrag vom 13.04.2026 - 19:32 Uhr
deshalb gibt es bei der Kernmarke momentan kein Wachstum. Ich weiß nicht, wohin das noch führen soll, aber leider haben viele das anscheinend noch nicht begriffen. Jetzt die 100-Jahr-Feier der Lufthansa dermaßen zu sabotieren und sich auch noch darüber zu freuen, ist an Absurdität kaum mehr zu überbieten


Wird es überhaupt noch einmal ein Wachstum bei der Kernmarke geben? Wohl kaum. Wozu auch.
Es gibt mittlerweile genügend neu gegründete Tochtergesellschaften, welche auch die Strecken der Kernmarke übernehmen können.>

So isses. Da hilft auch nicht streiken nicht. Noch können Sie aber nicht übernehmen, weil sie zu den Traumbedingungen nicht genug Träumer finden.
Beitrag vom 13.04.2026 - 19:31 Uhr
Im Lufthansa Intranet: 150 Daumen hoch für Streikkritiker. In den Portalen für Austrian und Swiss wurde mir von Kollegen gesagt es gäbe ähnliche Bilder, ein Screenshot zeigt beispielsweise einen einzigen Kommentar dort, einen „Kotzsmiley“ mit fast 200 Zustimmungen und kaum Gegenstimmen.

Warum auch nicht. Die Meinung kann man ja haben. Aber 150 von wieviel zehntausenden Mitarbeitern in Deutschland allein? Nicht so`ne Quote. Ihren Youtube Kanal könnten Sie damit zu machen, wenn Sie einen hätten.
Die restliche Belegschaft und andere Konzerngesellschaften haben dermaßen die Schnauze voll vom fliegenden Lufthansapersonal. Ich denke, dass wäre Mal einen Artikel auf aero.de wert. Das ist kein Kampf von Belegschaft gegen Management, das ist der Kampf einer sich wichtig machenden Randgruppe gegen die restliche Belegschaft. Und das sollte medial auch so dargestellt werden - der Rückhalt ist gleich null. Sonst sind hier doch auch immer Insider unterwegs die alles gleich nach außen bringen.>

Randgruppe, der ist gut. Sind bloß so etwa 30000 MA im Unternehmen.


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