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Streiks bei Lufthansa eskalieren

Lufthansa Airbus A350-900 in Frankfurt
Lufthansa Airbus A350-900 in Frankfurt, © Lufthansa

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FRANKFURT - Bei der Lufthansa eskalieren die Streiks des fliegenden Personals. Noch vor dem Ende des bis Dienstag laufenden Pilotenstreiks hat die Kabinengewerkschaft Ufo die Flugbegleiter zu zwei weiteren vollen Streiktagen bei den Gesellschaften Lufthansa und Lufthansa Cityline ausgerufen.

Mit dieser fünften Streikwelle des fliegenden Personals wird der Festakt zum 100. Jahrestag der Gründung der ersten Lufthansa an diesem Mittwoch endgültig überschattet. Die Gewerkschaften planen eine Kundgebung vor der Unternehmenszentrale am Frankfurter Flughafen.

Bereits am Montag hatte der erneute Pilotenstreik wieder für hunderte Flugausfälle gesorgt und die Fronten zwischen den Verhandlungspartnern verhärtet. Das Unternehmen hat die Forderungen der Piloten als "absurd und unerfüllbar" bezeichnet. Erneut mussten tausende Passagiere ihre Reisepläne ändern.

Warnung an die Gewerkschaften

Am Montag warnte Personalvorstand Michael Niggemann die Spartengewerkschaften Vereinigung Cockpit (VC) und Ufo, ihren Konfrontationskurs fortzusetzen. Mit Blick auf die entstehenden Kosten betonte der Manager: "Jeder Streik verkleinert die betroffene Fluggesellschaft."

Am Abend legte die Kabinengewerkschaft Ufo nach, die bereits am vergangenen Freitag gestreikt hatte. Die hohe Beteiligung zeige überdeutlich, dass sich die Kabine nicht für dumm verkaufen lasse, erklärte Tarifexperte Harry Jaeger. "Wir haben es hier mit einer Arbeitgeberseite zu tun, die sich in einer Hardliner-Position eingerichtet hat, während sie unentwegt verkündet, "jederzeit verhandlungsbereit" zu sein."

Bester Ort für den Protest

Es gebe keinen besseren Ort des Protestes als den geplanten Festakt mit Bundeskanzler Merz, sagt Ufo-Vorsitzender Joachim Vázquez Bürger. "Wenn sich das Management gemeinsam mit der Bundespolitik für 100 Jahre Lufthansa feiert, dann werden wir genau dort sichtbar machen, unter welchen Bedingungen die Arbeitgeberseite funktioniert - und auf wessen Rücken aktuelle Entscheidungen ausgetragen werden."

Im Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" stellte Vorstandschef Carsten Spohr klar, dass der Konzern vor den Streiks nicht einknicken werde. "Lieber einige Tage mit einem streikbedingt reduzierten Angebot der Lufthansa-Gruppe als irgendwann dauerhaft mit einer deutlich reduzierten Kernmarke", sagte Spohr.

Der Lufthansa-Chef hielt den Spartengewerkschaften vor, dass sie in einem Dilemma steckten: "Keine der von ihnen tarifierten Airlines nimmt am erfreulichen Wachstum unserer Lufthansa Group mit ihren insgesamt 14 Airlines überhaupt noch teil." Die Ursachen dafür lägen in "oft jahrzehntelangen komplexen Tarifstrukturen - teilweise aus unserer Zeit als Staatsairline."

Erster Streik bei Eurowings

Die VC hatte die Piloten der Lufthansa Kerngesellschaft, der Lufthansa Cargo und der Regionaltochter Lufthansa Cityline zu Arbeitsniederlegungen bis einschließlich Dienstag aufgerufen. Es ist bereits die dritte Streikwelle in der laufenden Auseinandersetzung um höhere Betriebsrenten. Am Montag wurde zudem erstmals der Ferienflieger Eurowings für einen Tag bestreikt.

VC-Präsident Andreas Pinheiro machte die Lufthansa für die erneute Streikwelle der Piloten verantwortlich. "Trotz eines bewussten Verzichts auf Streikmaßnahmen über die Osterfeiertage blieben ernstzunehmende Angebote aus. In dieser Zeit gab es weder eine Reaktion noch erkennbare Gesprächsbereitschaft seitens der Arbeitgeber." Ein Angebot, das an anderer Stelle gegenfinanziert werden solle, sei für die VC nicht tragfähig.

Personalchef: Streiks ändern Strategie nicht

Niggemann begründete erneut den harten Kurs des Managements. Die Kerngesellschaft "Lufthansa Classic" sei heute schon auf vielen Strecken nicht mehr wettbewerbsfähig, so dass man die Kosten nicht noch weiter erhöhen könne. "Es geht um die Zukunftsfähigkeit der Classic."

Für den Lufthansa-Konzern sei klar, dass Flugzeuge nur dort eingesetzt werden könnten, wo sie profitabel fliegen. Aus diesem Grund würden Gesellschaften außerhalb der Kernmarke wie die neue Tochter Lufthansa City Airlines wachsen - auf Kosten der Kerngesellschaft. "Diese Streiks werden unsere Strategie nicht beeinflussen."

Die Lufthansa Kerngesellschaft ist zwar die mit Abstand größte, aber auch unprofitabelste Airline im Konzern. Der Vorstand führt das unter anderem auf hohe Gehälter und starre Dienstpläne der Crews zurück.

In den vergangenen Jahren wurden mit Discover und City Airlines neue Flugbetriebe gegründet, die kostengünstiger unterwegs sein sollen. Zum Jahreswechsel stellten sie 45 von insgesamt 387 Passagierflugzeugen unter der Marke Lufthansa und sollen auch in den kommenden Jahren stark wachsen. Bei den Tarifverträgen blieben die Spartengewerkschaften außen vor und Verdi machte entsprechende Verträge für das fliegende Personal.

Mehr als 1.100 Absagen allein in Frankfurt

An den Flughäfen standen zum Auftakt der vierten Streikwelle im laufenden Jahr viele Maschinen still. Allein in Frankfurt waren für die beiden Tage zusammen mehr als 1.100 Starts und Landungen abgesagt worden. In München wurden 710 Flugbewegungen gestrichen.

Lufthansa wollte rund die Hälfte der Langstreckenflüge stattfinden lassen. Auf der Nah- und Mittelstrecke sollte etwa jeder dritte Flug erfolgen. Ähnliches ist auch am Dienstag zu erwarten.

Bei Eurowings sollten rund 60 Prozent des ursprünglichen Plans geflogen werden. Der Ferienflieger kann zum einen auf die in Malta registrierte Eurowings Europe zählen, die nicht unter deutsches Tarifrecht fällt. Zudem könne man auf Unterstützung von Partner-Airlines rechnen. An den großen NRW-Flughäfen Düsseldorf und Köln fiel knapp die Hälfte der geplanten Eurowings-Starts aus.

Auf den Internetseiten sowohl der Lufthansa als auch der Flughäfen wurden Passagiere gebeten, den Status ihres Fluges rechtzeitig online zu prüfen und gegebenenfalls ihre Airline oder den Reiseveranstalter zu kontaktieren.

Ausnahmen nach Nahost

Vor dem Hintergrund der aktuellen Situation im Nahen Osten sind Flüge von Lufthansa und Lufthansa Cityline aus Deutschland zu folgenden Destinationen vom Streik laut VC ausgenommen: Aserbaidschan, Ägypten, Bahrain, Irak, Israel, Jemen, Jordanien, Katar, Kuwait, Libanon, Oman, Saudi-Arabien und die Vereinigte Arabische Emirate.
© aero.de | Abb.: Lufthansa | 13.04.2026 18:13

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Beitrag vom 15.04.2026 - 10:22 Uhr
> > > Die UFO tut sich da denke ich keinen Gefallen damit, im Fahrwasser der VC zu streiken.
> > >
> > > Bei den Piloten geht es um eine ganz andere Gehaltsklasse als beim Kabinenpersonal, insofern ergibt sich alleine schon daraus eine ganz andere Rechtfertigung und Relevanz der Tarifkonflikte.
> > >
> > > Die Forderungen der VC bei der Altersversorgung kann man echt nicht mehr ernst nehmen.
> > >
> >
> > Fordern kann man vieles und vieles muss man fordern, damit am Ende etwas übrig bleibt. Blöd halt, wenn die Gegenseite substanziell und mit Zahlen hinterlegt überhaupt kein, noch so geringes, Angebot macht. Dann lässt sich auch nichts verhandeln.
> >
> > >Ich warte noch auf das Argument, dass man ja (ca. 30-40 Jahre vor dem Ruhestand) in eine teure Ausbildung investiert hat und dann reicht Gehalt von 150k-200k und mehr im Ruhestand (!) natürlich nicht aus.
> > >
> >
> > Die Zahlen sind Mumpitz. Wenn die das alle bekommen würden, gäbe es jetzt keine Streiks.
> >
> > >Und ja klar, man hat man ja als Lufthansa Classic vor über 20 Jahren mal die Swiss und die danach die ganzen anderen Airlines übernommen oder aufgebaut - jetzt sollen die gefälligst mal arbeiten und den Konzern finanzieren und es ist doch total egal, ob die Lufthansa Airlines profitabel sind.>
> >
> > Natürlich nicht, aber wie bereits erwähnt wurde, hätte man mit dem Geld auch die LH in Schuss halten können. Z.B. durch rechtzeitiges Kauf von neuem Gerät, Investitionen in Produkt und Mitarbeiter, denn dann wäre die Mutter heute nicht der Schrottplatz des Gewerbes, mit dem sich nicht genug Geld verdienen lässt.
> >
> > >Das ist ungefähr genauso sinnvoll in der Argumentation wie dass Bayern im Länderfinanzausgleich irgendwann mal ein Empfängerland war.
> > Die anderen Beschäftigten am Boden etc. dürfen es jetzt wieder ausbaden. Ich frage mich manchmal, ob es der VC nicht peinlich ist, diesen Bereichen zu erklären, warum man auf dieser Einkommensebene wegen der Altersversorgung streikt.>
> >
> > Weil man kaum erwarten kann, dass man, nur weil man gut verdient, einen erheblichen Teil seines Gehaltes an die Seite legen müsste, um dasselbe Lohnniveau zu erreichen, wie ein "normaler" Rentner. Den Anspruch darf man haben, unabhängig davon wie hoch das Gehalt ist. Spohr und Co machen das bei Ihren Millionengehältern in noch ganz anderen Dimensionen.
> >
> > >Vielleicht sollte die Piloten 2x pro Jahr verpflichten, sich am Flughafen im Servicebereich zu arbeiten oder Gepäck im Flugzeug zu verladen - natürlich zu den dort gezahlten Gehältern. Das würde vielleicht helfen, wieder in der Realität anzukommen.
> > >
> >
> > Mich würde nicht wundern, wenn die da noch nicht einmal ein Problem mit hätten. Aber mal der Richtigkeit halber bleibt zu erwähnen, dass die kein LH Personal sind
> >
> > > Beim Kabinenpersonal ist das finanziell fudamental im Gehaltsgefüge und daher sollte man da in der Streik-Bewertung vorsichtiger sein.
> > >
> >
> > Bei denen geht's auch nicht um Gehalt, sondern MTV, alao Arbeitsbedingungen.
> >
> > > Das Grundvertrauen im Konzern ist jedenfalls zerstört. Da nehmen sich in der Verantwortung Gewerkschaften und Management nichts. Ich glaube nicht, dass das mit den jetzt noch verantwortlichen Personen eine Besserung gibt. Es braucht im Management und bei den Gewerkschaften einen personellen Wechsel, um den Konzern zu befrieden.
> > >
> > >
> > Dem würde ich in weiten Teilen zustimmen. Daher gab es bereits den Gedanken eines Kapitäns, dass der Aufsichtsrat, der dem Wohl des Unternehmens und den Eigentümern verpflichtet ist, Carsten Spohr in den Ruhestand schickt und im Gegenzug die gesamte TK der VC und UFO zurücktritt und nicht wieder gewählt werden kann. Kein schlechter Gedanke. Mein Reden seit langer Zeit.
>
> Ein paar Fragen dazu, woher kommt überhaupt der Anspruch, mehr bekommen zu wollen? Hat sich die Effizienz der Piloten gesteigert oder ähnliches? In der Regel muss es doch einen Grund für höhere Forderungen geben. Die Gehaltssteigerungen der letzten Jahre waren schon weit über der Inflation.
>

Zunächst einmal geht ja nicht um mehr Gehalt, sondern Altersversorgung. Die Forderung stammt aus der Umstellung der Altersversorgungen auf ein neues System. Dort wurden Vereinbarungen getroffen, die seitens LH nicht eingehalten wurden. Weiterhin hat sich die Altersversorgung in Ihrer Rendite schlecht Entwickelt und Lh hat es über Jahre abgelehnt, dieses System zu modifizieren. Dies führt zu gesuunkenen Zahlungen in den Betriebsrenten. Daher verlangt die VC nun diese durch erhöhte Einzahlungen seitens LH auf das damals in Aussicht gestellte Niveau zurück zu führen.


Ok aber letztlich ist es doch egal ob es nun um Gehalt oder eine Zusatzleistung geht - letztendlich geht es um mehr im Portemonnaie. Das sich eine Altersversorgung schlecht entwickelt ist ärgerlich aber letztlich hat man dem doch zugestimmt ? Welche konkreten Zusagen gab es denn? Gab es wirklich Garantien ? Dann würde ich es wieder verstehen.


Puhh. Das war die etwas vereinfachte Darstellung. Insgesamt ist das Problem vielschichtiger. Man hat auch damals dieser Änderung der Versorgung zugestimmt und dafür Zusagen bekommen, die nicht eingehalten wurden. Vielleicht hätteman sich alles haarklein und juristisch mit allen Eventualitäten unterschreiben lassen sollen. Da mag es Lücken gegeben haben. Tatsache war, dass der Anlage- und Umschichtungsmodus der HSBC, die das Geld verwaltet, schlecht ist. Mehrfach wurde darauf hingewisen und verlangt, dass dieser geändert wird. Seitens LH, Ablehnung, obwohl es nichts gekostet hätte, einfach aus Prinzip. Garantien, bekommen Sie auch beim Autokauf nur für einen begrenzten Zeitraum. Daher, nein.


Erstmal danke dass Sie relativ sachlich und neutral antworten, bei so einem aufgeheizten Thema ist das gerne auch mal anders.

Die Riesterrente ist auch nicht gut gelaufen, das war auch sehr ärgerlich. Aber so ist das Leben ?

> Dass zu spät Gerät bestellt wurde (dieses aber auch viel zu spät geliefert wird) ändert ja nichts an der Situation - wenn ein Unternehmen kein Geld verdient, ist eben keines da für Forderungen, daran ändert auch nicht wer an der Situation Schuld hat. Dieser muss nur ggf. Konsequenzen ziehen, dass wäre ein Punkt den man diskutieren könnte.
>

Geld ist im Konzern vorhanden.


So funktioniert betriebswirtschaftliches Denken aber nicht, wir leben zwar im Sozialstaat, aber nicht im Kommunismus. Ein Beispiel: Sie haben in 3 Firmen investiert (davon machen 2 richtig gute Gewinne und eines gar keins). Sie werden nun gezwungen, Geld abzuziehen, aus welchem Unternehmen würden Sie das abziehen ?


Solange ich zwei Firmen neu gründe, alle Mitarbeiter im Einstiegslohn habe und sie dann mit modernsten Betriebsmitteln ausstatte, während ich die etablierte Firma, die verständlicher Weise durch lange Betriebszugehörigkeit Ihrer Mitarbeiter hohe Lohnausgaben hat, dann auch noch mit dem Maschinenkernschrott produzieren lasse, hätte man ja eine Wahl gehabt. Es ist halt nicht so, das die Mutter nicht profitabler sein könnte, sondern man lässt sie gewollt schlecht aussehen und sagt den Mitarbeitern dann, ihr seid nicht profitabel. Joa, kann man machen.


Die neuen Maschinen kommen doch aber jetzt recht zügig rein, Allegris ist auch da? Warum sollte das alles gemacht werden, wenn man die LHC einfach nur schließen möchte, die ist immernoch ne gute Marke (jetzt wieder mit ein paar Kratzern mehr). Richtig stark wäre es doch (ähnlich wie der Boden) zu sagen wir beharren nicht auf Maximalforderungen, sondern nehmen z.b. ein kürzere Laufzeit und schauen wie es in 2 Jahren läuft. Dann hat man auch das starke Argument, dass man 2026 verzichtet hat und die LHA jetzt besser da steht. So gewinnt man auch die Öffentlichkeit und die Bodenkollegen für sein Anliegen und zeigt Solidarität.>

Ob die alle so zügig kommen, wird man sehen und auch eine Einflottung ist von vielen Dingen abhängig. bei der 777 würde ich einmal sagen, sie ist da wenn sie da ist. Allegris kommt langsam, ist aus meiner subjektiven Sicht auch nicht der große Wurf nach vorne, wegen dem ich jetzt aber LH buchen würde. Dieses Konzept wird auch viel Unmut mit sich bringen. die erste Euphorie ist immmer groß und den LH eigenen Aussagen zur Begeisterung würde ich mal kein Gewicht schenken.
Man muss mal von den Maximalforderungen gedanklich weg. Sie müssen nun einmal dick auftragen, damit am Ende, vielleicht sogar in einer Schlichtung, ein Bruchteil übrig bleibt. Das war in den letzten Verhandlungsrunden immer so. Diese Taktik haben sich Gewerkschaften nicht ausgesucht, das lehrt die Vergangenheit. Ein Unternehmen möchte leider immer lange Laufzeiten, damit lange Ruhe ist. Ich glaube, dass sich die Sache mit dem Boden erledigt hat. Da fehlt schon das Grundverständnis, dass es eben keinen Topf mit der Summe X gibt, der verteilt wird und die Bodenmitarbeiter immer den kleinsten Teil bekommen. Jeder bekommt so viel, oder wenig, wie geht und dafür müssen sich die Gruppen selbst einsetzen. Das machen die einen besser, die anderen schlechter.

>Aber dafür ist es aktuell wohl schon zu spät, wie soll die VC da jetzt sonst noch gesichtswahrend rauskommen. Aktuell wird es wohl wieder darauf hinaus laufen, dass das Cockpit wohl mehr als der Boden bekommt und die Schere immer weiter auseinander gehen wird. Da helfen auch keine Bekundungen der VC, dass man dem Boden ja mehr gegönnt hätte - letztlich werden durch die Abschlüsse der VC, weniger beim Boden möglich.>

Die Gewerkschften haben da weniger ein Gesicht zu verlieren, als Spohr. Der ist als der große "Rasierer" angetreten. Ein Kompromiss wäre da viel schlimmer für Ihn. Da wird er sich die Rückendeckung des Aufsichtsrats holen müssen, um sagen zu können, "die Eigner wollten das so".

> Hier wird oft der Vergleich nach oben zum Topmanagement gemacht - ja dieser verdient extrem gut und das mag zum Teil nicht gerechtigfertigkeit sein, aber gleichzeitig hinkt dieser Vergleich doch gewaltig. Passender wäre doch ein Vergleich zum mittleren Management. Es ist völlig normal zu erwarten, dass man privat für den Ruhestand vorsorgt, dies ist fast überall Standard, in vielen Betrieben gibt es nicht mal ansatzweise eine vergleichbare Altersvorsorge, wenn überhaupt (idR. setzt sich die deutsche Altersvorsorge aus 3 Faktoren zusammen, gesetzliche Rente, betriebliche Altersvorsorge und private Vorsorge). Außerdem ist die betriebliche Altersvorsorge ja bereits sehr gut und man sollte keinerlei Einschränkungen in der Rente erleben.
>

Ahh, wie gut ist denn so die Altersversorgung? Wenn der Pilot der LH am letzten Tag 100% verdient, hat er dann wieviel Netto davon, wenn er in Rente geht? Kann er seinen Lebensstandard damit halten und wieviel hätte er denn jeden Monat so an die Seite legen sollen? Während seiner aktiven Zeit hat er sehr gut und überdurchschnittlich verdient. Kein Zweifel. Muss er sich deswegen mit einem Bruchteil, der nicht einmal dem gesetzlichen Rentenanspruch prozentual entspricht zufrieden geben? Zudem geht man früher in den Ruhestand, was nochmals erhebliche Abschäge in der staatlichen Rente mit sich bringt. Genau das war der Grundgedanke ursprünglich einmal bei der Altersversorgung der Piloten und daher kommt die Höhe der Zahlungen. Gerade die heutige Generation der ausscheidenden Piloten hatte Wartezeiten von mehreren Jahren vor Einstellung mit Ausfallzeiten in der Rente. Die Ihr folgende Generation wurde noch gravierender über den Leisten gezogen und auch da gibt es noch größere Ausfallzeiten, die dann auch auf die Firmenaltersversorgung durchschlagen.


Ist die Rente der Piloten inkl. der bereits bestehenden betrieblichen Altervorsorge wirklich niedriger als die gesetzliche Rente anderer (prozentual?). Dann könnte ich das Argument verstehen. Außerdem haben das Problem andere die viel verdienen genauso. Ich weiß auch nicht woher der Anspruch entsteht dass man als Rentner 1:1 sein Lebensniveau halten muss, das kann fast niemand (erst recht nicht die, die wirklich nur gesetzliche Rente beziehen). Ein Pilot darf in Deutschland soweit ich weiß bis 65 fliegen, ab da ist eine Übergangsleistung des Arbeitsgebers bis zur Rente angemessen stimme ich ihnen zu. Das Risiko eines früheren Ausscheidens hat jeder Arbeiter und genau dafür gibt es BUs wie Sie schon richtig gesagt haben (die Belastung gibt es auch bei anderen und nicht nur Piloten haben ein hohes Risiko auszuscheiden).


Die, die ich kenne, haben derzeit im Ruhestand, inklusive staatlicher Rente netto noch etwa 30-35% Ihres letzten Netto im aktiven Dienst. Allerdings mit ausscheiden aus dem Dienst mit 60 Jahren.
Das sie Ihren Lebensstandard als Rentner kaum halten können, ist bei normalen Einkommen meist schon so, bei hohen Einkommen ohnehin, da Sie ja auch nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze in die Rente einzahlen. Man könnte jetzt meinen, dass Piloten die höchsten Renten in Deutschland bekommen. Auch das ist falsch. es gibt in Deutschland derzeit weniger als 100 Menschen, die die theoretisch mögliche Höchstrente bezeihen. Na klar kann man auch in anderen Berufen Berufsunfähigwerden. Mit sehr vielen Zipperlein, die das Fliegen verbieten, können andere noch arbeiten. Fragen Sie mal bei einer Versicherung, was eine BU für einen Schreibtischtäter, Dachdecker und Piloten kosten. da sind erhebliche Unterschiede im Risiko für den Versicherer und damit in den Prämien, um das Gehalt abzudecken.

> Einstiegsgehalt (!) bei der LH Classic als Pilot sind aktuell ca. 90k€, so sehr mumpitz sind die Zahlen denke ich nicht, außer sie haben genauere Quellen.>

Und? Wer viel verdient, zahlt mehr Steuern und Abgaben. Dazu eine fette Berufsunfähigkeitsversicherung und zusätzlich mal noch einen Tausender die nächsten zehn Jahre, um seine Schulungskredite zurück zu zahlen. Bleibt trotzdem Geld übrig, aber eine Sensation ist das dann nun auch nicht mehr.

Das klingt nun wortwörtlich abgehoben. Kaum jemand verdient so viel Geld erst recht nicht nach so einer kurzen Ausbildung, das wird immer gerne außer Acht gelassen. Ein Studium mag zwar günstiger sein, aber während der Student noch mindestens 4 Jahre bis zum Abschluss des Masters braucht verdient der Pilot schon fast 6 stellig. Und dann beginnt der Student erst seine Schulden mit deutlich weniger Gehalt abzuzahlen.>

Eine zweijährige Schulung bei der Lufthansa dürfte im Moment mal locker 120000€+ kosten. Eine Schulung dauert zwei Jahre und ist inhaltlich vom Lernaufwand mit einem Bachelor gleich zu setzen, nur halt in kürzerer Zeit. Das macht sich wohl auch nicht im Schlaf. Stellt sich die Frage, warum nicht alle Piloten werden wollen? Wenn man eine kurze Ausbildung mit anschließendem Spitzenverdienst haben möchte , und das bei nur 120tsd € Schulden, scheint das doch der Idealjob zu sein. Aber irgendwie scheint es da für viele doch noch Haken und Ösen zu geben, sonst wären die LH Lehrgänge voll.


Nicht jeder möchte Pilot, Anwalt oder Investmentbanker werden (zum Glück), aber wenn ich mal auf die DLR Tests aktuell schaue sind alle ausgebucht. Soweit ich weis muss man auch warten bis man angenommen wird - also die Nachfrage ist da (?).>

Das mag sein. Nach meinem Kenntnisstand hat LH in den letzten Jahren Schwierigkeiten gehabt Lehrgänge zu füllen und sogar absagen müssen. Der große Unterschied ist heute, dass nicht mehr so viele Bewerber den Test machen und selbst wenn sie ihn bestehen, anschließend nicht zur Schulung antreten. Und nicht die Anzahl der getesteten ist entscheidend, sondern die der Absolventen.
Blöd ist aber auch, wenn man sich seinen Leidenschaftsberuf ausgesucht hat und sich anschließend darüber beschwert, dass woanders unverhältnismäßig mehr Geld verdient wird. Bei den LH Piloten trifft vermutlich gleichzeitig beides zu. Lucky them. Aber auch die schauen gerade wehmütig zu anderen hoch. Fedex Piloten haben gerade eine über 3o%-ige Erhöhung engestrichen, und in den USA generell, wird bei den big five eher das doppelte gezahlt. Ich frage mich, ob das gesellschaftlich dort auch so im Fokus steht. Eher nicht. Wir sind da in Deutschland zu kleinkariert und neidbezogen. In Deutschland sagt Fritze seinem Sohn:" Guck Dir mal den Otto an, der glotzt nur aus dem Fenster, und verdient damit so viel Geld. Frechheit, das gehört verboten". In der Schweiz, oder USA sagt man seinem Sohn: "Guck Dir mal den Joe an, der guckt nur aus dem Fenster und verdient soviel Geld. Streng dich an, das kannst Du auch haben". Wir sind hier halt, wie wir sind.

Ich beschwere mich auch gar nicht über das Gehalt der Piloten (habe ich hier nirgendwo getan), sondern über die Art und Weise wie immer mehr gefordert wird und dafür wirklich krasse Mittel angewendet werden, ihr bisherigen Argumente verdienen zwar den Namen Argument, aber vom Gegenteil überzeugen sie mich nicht (das Stichwort ist hier Verhältnismäßigkeit). Letztlich schadet dies ja nicht nur der LH sondern der gesamten deutschen Wirtschaft, da eben keine Geschäftsleute ankommen, Urlaube abgesagt werden usw.. Und dazu kommt die Lage der LHC. Und natürlich ist es so dass überhöhte Forderungen auf der einen Seite, wenig Spielraum auf der anderen Seite lassen (sei es nun beim Gehalt anderer Gruppen, bei der Anschaffung neuer Flugzeuge etc etc). Das ist einfach unfair und kann auch so benannt werden. Die Piloten sind eine kleine recht geschlossene Gruppe mit starker Gewerkschaft, genau deshalb können solche Forderungen durchgesetzt werden.
Als Ingenieur könnte ich in den USA auch gut und gerne das doppelte verdienen (oder auch noch deutlich mehr) trotzdem möchte ich nicht in die USA, das steht ja jedem frei. In den Emiraten wird auch gut bezahlt, will ich auch nicht hin. Ich verdiene auch gutes Geld, aber ich komme dabei nicht auf die Idee immer mehr zu fordern (ja Inflationsausgleich schon gerne, aber alles andere muss ja irgendwie begründet sein? Zum Beispiel durch Mehrleistung oder eben eine gute Situation der Firma). Ein Senoritätsprinzip gibt es, welches zumindest von außen betrachtet (genaue Zahlen habe ich nicht) deutliche Steigerungen innerhalb des Arbeitslebens zulässt (in der Form btw auch ein Privileg). Ich habe immer wieder das Gefühl, dass Piloten halt oft schon immer Piloten sind und daher ein Perspektivwechsel doch manchmal etwas schwer fällt und wie viel Privilegien man eigtl hat (wie Sie z.B. eben sagten mit 60 in Rente gehen). Ich selbst war auch schon in unterschiedlichen Unternehmen und jeder sagt immer hier bei uns ist es ganz schlimm, aber meist ist es das nicht, da man sich immer nur nach oben vergleicht.
Naja ich rutsche hier schon fast ins philosophische ab, ich denke wir kommen hier nicht zusammen, aber trotzdem danke für ihre Sichtweise zumindest ein paar Aspekte waren mir neu und kannte ich so noch nicht.
Beitrag vom 15.04.2026 - 10:17 Uhr
Die Vergleiche mit den Gehältern in den USA sind schwierig. So gesehen könnte man auch sagen, dass man sich bei LH in Deutschland nicht so anstellen soll, da man bei Tarom in Rumänien weniger verdient.

Anderes Land, andere Kaufkraft und vor allem andere Rahmenbedingungen.
Gerade in den USA wäre ein Unternehmen wie die LH Cityline schon längst verschwunden, und zwar ohne Sozialplan oder ohne einfach Übernahme in eine andere Konzern-Airline etc.

Höhere Gehälter werden dort auch nur dann gezahlt, so lange es wirtschaftlich ist. Siehe American Airlines, die noch nicht einmal aktuell defizitär ist (Gewinne schwankend) und trotzdem gerade als Übernahmekandidat zur Diskussion steht. In den USA wären die defizitären Airlines im LH-Konzern schon lange weg.

Solche persönlichen Risiken der Mitarbeiter werden in den USA dann natürlich auch durch die höheren Gehälter ausgeglichen in dem Wissen, dass man völlig ohne Absicherung ziemlich schnell arbeitslos sein kann. Ein Teil des Gehalts muss daher auch als Rücklage "für schlechte Zeiten" zurückgelegt werden.
Das gilt übrigens genauso für Airlines wie die am Golf, die wenig bis keine soziale Absicherung bieten.

Dieser Beitrag wurde am 15.04.2026 10:19 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 15.04.2026 - 09:27 Uhr
> > Die UFO tut sich da denke ich keinen Gefallen damit, im Fahrwasser der VC zu streiken.
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> > Bei den Piloten geht es um eine ganz andere Gehaltsklasse als beim Kabinenpersonal, insofern ergibt sich alleine schon daraus eine ganz andere Rechtfertigung und Relevanz der Tarifkonflikte.
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> > Die Forderungen der VC bei der Altersversorgung kann man echt nicht mehr ernst nehmen.
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> Fordern kann man vieles und vieles muss man fordern, damit am Ende etwas übrig bleibt. Blöd halt, wenn die Gegenseite substanziell und mit Zahlen hinterlegt überhaupt kein, noch so geringes, Angebot macht. Dann lässt sich auch nichts verhandeln.
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> >Ich warte noch auf das Argument, dass man ja (ca. 30-40 Jahre vor dem Ruhestand) in eine teure Ausbildung investiert hat und dann reicht Gehalt von 150k-200k und mehr im Ruhestand (!) natürlich nicht aus.
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> Die Zahlen sind Mumpitz. Wenn die das alle bekommen würden, gäbe es jetzt keine Streiks.
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> >Und ja klar, man hat man ja als Lufthansa Classic vor über 20 Jahren mal die Swiss und die danach die ganzen anderen Airlines übernommen oder aufgebaut - jetzt sollen die gefälligst mal arbeiten und den Konzern finanzieren und es ist doch total egal, ob die Lufthansa Airlines profitabel sind.>
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> Natürlich nicht, aber wie bereits erwähnt wurde, hätte man mit dem Geld auch die LH in Schuss halten können. Z.B. durch rechtzeitiges Kauf von neuem Gerät, Investitionen in Produkt und Mitarbeiter, denn dann wäre die Mutter heute nicht der Schrottplatz des Gewerbes, mit dem sich nicht genug Geld verdienen lässt.
>
> >Das ist ungefähr genauso sinnvoll in der Argumentation wie dass Bayern im Länderfinanzausgleich irgendwann mal ein Empfängerland war.
> Die anderen Beschäftigten am Boden etc. dürfen es jetzt wieder ausbaden. Ich frage mich manchmal, ob es der VC nicht peinlich ist, diesen Bereichen zu erklären, warum man auf dieser Einkommensebene wegen der Altersversorgung streikt.>
>
> Weil man kaum erwarten kann, dass man, nur weil man gut verdient, einen erheblichen Teil seines Gehaltes an die Seite legen müsste, um dasselbe Lohnniveau zu erreichen, wie ein "normaler" Rentner. Den Anspruch darf man haben, unabhängig davon wie hoch das Gehalt ist. Spohr und Co machen das bei Ihren Millionengehältern in noch ganz anderen Dimensionen.
>
> >Vielleicht sollte die Piloten 2x pro Jahr verpflichten, sich am Flughafen im Servicebereich zu arbeiten oder Gepäck im Flugzeug zu verladen - natürlich zu den dort gezahlten Gehältern. Das würde vielleicht helfen, wieder in der Realität anzukommen.
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> Mich würde nicht wundern, wenn die da noch nicht einmal ein Problem mit hätten. Aber mal der Richtigkeit halber bleibt zu erwähnen, dass die kein LH Personal sind
>
> > Beim Kabinenpersonal ist das finanziell fudamental im Gehaltsgefüge und daher sollte man da in der Streik-Bewertung vorsichtiger sein.
> >
>
> Bei denen geht's auch nicht um Gehalt, sondern MTV, alao Arbeitsbedingungen.
>
> > Das Grundvertrauen im Konzern ist jedenfalls zerstört. Da nehmen sich in der Verantwortung Gewerkschaften und Management nichts. Ich glaube nicht, dass das mit den jetzt noch verantwortlichen Personen eine Besserung gibt. Es braucht im Management und bei den Gewerkschaften einen personellen Wechsel, um den Konzern zu befrieden.
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> >
> Dem würde ich in weiten Teilen zustimmen. Daher gab es bereits den Gedanken eines Kapitäns, dass der Aufsichtsrat, der dem Wohl des Unternehmens und den Eigentümern verpflichtet ist, Carsten Spohr in den Ruhestand schickt und im Gegenzug die gesamte TK der VC und UFO zurücktritt und nicht wieder gewählt werden kann. Kein schlechter Gedanke. Mein Reden seit langer Zeit.

Ein paar Fragen dazu, woher kommt überhaupt der Anspruch, mehr bekommen zu wollen? Hat sich die Effizienz der Piloten gesteigert oder ähnliches? In der Regel muss es doch einen Grund für höhere Forderungen geben. Die Gehaltssteigerungen der letzten Jahre waren schon weit über der Inflation.


Zunächst einmal geht ja nicht um mehr Gehalt, sondern Altersversorgung. Die Forderung stammt aus der Umstellung der Altersversorgungen auf ein neues System. Dort wurden Vereinbarungen getroffen, die seitens LH nicht eingehalten wurden. Weiterhin hat sich die Altersversorgung in Ihrer Rendite schlecht Entwickelt und Lh hat es über Jahre abgelehnt, dieses System zu modifizieren. Dies führt zu gesuunkenen Zahlungen in den Betriebsrenten. Daher verlangt die VC nun diese durch erhöhte Einzahlungen seitens LH auf das damals in Aussicht gestellte Niveau zurück zu führen.


Ok aber letztlich ist es doch egal ob es nun um Gehalt oder eine Zusatzleistung geht - letztendlich geht es um mehr im Portemonnaie. Das sich eine Altersversorgung schlecht entwickelt ist ärgerlich aber letztlich hat man dem doch zugestimmt ? Welche konkreten Zusagen gab es denn? Gab es wirklich Garantien ? Dann würde ich es wieder verstehen.


Puhh. Das war die etwas vereinfachte Darstellung. Insgesamt ist das Problem vielschichtiger. Man hat auch damals dieser Änderung der Versorgung zugestimmt und dafür Zusagen bekommen, die nicht eingehalten wurden. Vielleicht hätteman sich alles haarklein und juristisch mit allen Eventualitäten unterschreiben lassen sollen. Da mag es Lücken gegeben haben. Tatsache war, dass der Anlage- und Umschichtungsmodus der HSBC, die das Geld verwaltet, schlecht ist. Mehrfach wurde darauf hingewisen und verlangt, dass dieser geändert wird. Seitens LH, Ablehnung, obwohl es nichts gekostet hätte, einfach aus Prinzip. Garantien, bekommen Sie auch beim Autokauf nur für einen begrenzten Zeitraum. Daher, nein.


Erstmal danke dass Sie relativ sachlich und neutral antworten, bei so einem aufgeheizten Thema ist das gerne auch mal anders.

Die Riesterrente ist auch nicht gut gelaufen, das war auch sehr ärgerlich. Aber so ist das Leben ?

Dass zu spät Gerät bestellt wurde (dieses aber auch viel zu spät geliefert wird) ändert ja nichts an der Situation - wenn ein Unternehmen kein Geld verdient, ist eben keines da für Forderungen, daran ändert auch nicht wer an der Situation Schuld hat. Dieser muss nur ggf. Konsequenzen ziehen, dass wäre ein Punkt den man diskutieren könnte.


Geld ist im Konzern vorhanden.


So funktioniert betriebswirtschaftliches Denken aber nicht, wir leben zwar im Sozialstaat, aber nicht im Kommunismus. Ein Beispiel: Sie haben in 3 Firmen investiert (davon machen 2 richtig gute Gewinne und eines gar keins). Sie werden nun gezwungen, Geld abzuziehen, aus welchem Unternehmen würden Sie das abziehen ?


Solange ich zwei Firmen neu gründe, alle Mitarbeiter im Einstiegslohn habe und sie dann mit modernsten Betriebsmitteln ausstatte, während ich die etablierte Firma, die verständlicher Weise durch lange Betriebszugehörigkeit Ihrer Mitarbeiter hohe Lohnausgaben hat, dann auch noch mit dem Maschinenkernschrott produzieren lasse, hätte man ja eine Wahl gehabt. Es ist halt nicht so, das die Mutter nicht profitabler sein könnte, sondern man lässt sie gewollt schlecht aussehen und sagt den Mitarbeitern dann, ihr seid nicht profitabel. Joa, kann man machen.


Die neuen Maschinen kommen doch aber jetzt recht zügig rein, Allegris ist auch da? Warum sollte das alles gemacht werden, wenn man die LHC einfach nur schließen möchte, die ist immernoch ne gute Marke (jetzt wieder mit ein paar Kratzern mehr). Richtig stark wäre es doch (ähnlich wie der Boden) zu sagen wir beharren nicht auf Maximalforderungen, sondern nehmen z.b. ein kürzere Laufzeit und schauen wie es in 2 Jahren läuft. Dann hat man auch das starke Argument, dass man 2026 verzichtet hat und die LHA jetzt besser da steht. So gewinnt man auch die Öffentlichkeit und die Bodenkollegen für sein Anliegen und zeigt Solidarität.>

Ob die alle so zügig kommen, wird man sehen und auch eine Einflottung ist von vielen Dingen abhängig. bei der 777 würde ich einmal sagen, sie ist da wenn sie da ist. Allegris kommt langsam, ist aus meiner subjektiven Sicht auch nicht der große Wurf nach vorne, wegen dem ich jetzt aber LH buchen würde. Dieses Konzept wird auch viel Unmut mit sich bringen. die erste Euphorie ist immmer groß und den LH eigenen Aussagen zur Begeisterung würde ich mal kein Gewicht schenken.
Man muss mal von den Maximalforderungen gedanklich weg. Sie müssen nun einmal dick auftragen, damit am Ende, vielleicht sogar in einer Schlichtung, ein Bruchteil übrig bleibt. Das war in den letzten Verhandlungsrunden immer so. Diese Taktik haben sich Gewerkschaften nicht ausgesucht, das lehrt die Vergangenheit. Ein Unternehmen möchte leider immer lange Laufzeiten, damit lange Ruhe ist. Ich glaube, dass sich die Sache mit dem Boden erledigt hat. Da fehlt schon das Grundverständnis, dass es eben keinen Topf mit der Summe X gibt, der verteilt wird und die Bodenmitarbeiter immer den kleinsten Teil bekommen. Jeder bekommt so viel, oder wenig, wie geht und dafür müssen sich die Gruppen selbst einsetzen. Das machen die einen besser, die anderen schlechter.

>Aber dafür ist es aktuell wohl schon zu spät, wie soll die VC da jetzt sonst noch gesichtswahrend rauskommen. Aktuell wird es wohl wieder darauf hinaus laufen, dass das Cockpit wohl mehr als der Boden bekommt und die Schere immer weiter auseinander gehen wird. Da helfen auch keine Bekundungen der VC, dass man dem Boden ja mehr gegönnt hätte - letztlich werden durch die Abschlüsse der VC, weniger beim Boden möglich.>

Die Gewerkschften haben da weniger ein Gesicht zu verlieren, als Spohr. Der ist als der große "Rasierer" angetreten. Ein Kompromiss wäre da viel schlimmer für Ihn. Da wird er sich die Rückendeckung des Aufsichtsrats holen müssen, um sagen zu können, "die Eigner wollten das so".

Hier wird oft der Vergleich nach oben zum Topmanagement gemacht - ja dieser verdient extrem gut und das mag zum Teil nicht gerechtigfertigkeit sein, aber gleichzeitig hinkt dieser Vergleich doch gewaltig. Passender wäre doch ein Vergleich zum mittleren Management. Es ist völlig normal zu erwarten, dass man privat für den Ruhestand vorsorgt, dies ist fast überall Standard, in vielen Betrieben gibt es nicht mal ansatzweise eine vergleichbare Altersvorsorge, wenn überhaupt (idR. setzt sich die deutsche Altersvorsorge aus 3 Faktoren zusammen, gesetzliche Rente, betriebliche Altersvorsorge und private Vorsorge). Außerdem ist die betriebliche Altersvorsorge ja bereits sehr gut und man sollte keinerlei Einschränkungen in der Rente erleben.


Ahh, wie gut ist denn so die Altersversorgung? Wenn der Pilot der LH am letzten Tag 100% verdient, hat er dann wieviel Netto davon, wenn er in Rente geht? Kann er seinen Lebensstandard damit halten und wieviel hätte er denn jeden Monat so an die Seite legen sollen? Während seiner aktiven Zeit hat er sehr gut und überdurchschnittlich verdient. Kein Zweifel. Muss er sich deswegen mit einem Bruchteil, der nicht einmal dem gesetzlichen Rentenanspruch prozentual entspricht zufrieden geben? Zudem geht man früher in den Ruhestand, was nochmals erhebliche Abschäge in der staatlichen Rente mit sich bringt. Genau das war der Grundgedanke ursprünglich einmal bei der Altersversorgung der Piloten und daher kommt die Höhe der Zahlungen. Gerade die heutige Generation der ausscheidenden Piloten hatte Wartezeiten von mehreren Jahren vor Einstellung mit Ausfallzeiten in der Rente. Die Ihr folgende Generation wurde noch gravierender über den Leisten gezogen und auch da gibt es noch größere Ausfallzeiten, die dann auch auf die Firmenaltersversorgung durchschlagen.


Ist die Rente der Piloten inkl. der bereits bestehenden betrieblichen Altervorsorge wirklich niedriger als die gesetzliche Rente anderer (prozentual?). Dann könnte ich das Argument verstehen. Außerdem haben das Problem andere die viel verdienen genauso. Ich weiß auch nicht woher der Anspruch entsteht dass man als Rentner 1:1 sein Lebensniveau halten muss, das kann fast niemand (erst recht nicht die, die wirklich nur gesetzliche Rente beziehen). Ein Pilot darf in Deutschland soweit ich weiß bis 65 fliegen, ab da ist eine Übergangsleistung des Arbeitsgebers bis zur Rente angemessen stimme ich ihnen zu. Das Risiko eines früheren Ausscheidens hat jeder Arbeiter und genau dafür gibt es BUs wie Sie schon richtig gesagt haben (die Belastung gibt es auch bei anderen und nicht nur Piloten haben ein hohes Risiko auszuscheiden).


Die, die ich kenne, haben derzeit im Ruhestand, inklusive staatlicher Rente netto noch etwa 30-35% Ihres letzten Netto im aktiven Dienst. Allerdings mit ausscheiden aus dem Dienst mit 60 Jahren.
Das sie Ihren Lebensstandard als Rentner kaum halten können, ist bei normalen Einkommen meist schon so, bei hohen Einkommen ohnehin, da Sie ja auch nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze in die Rente einzahlen. Man könnte jetzt meinen, dass Piloten die höchsten Renten in Deutschland bekommen. Auch das ist falsch. es gibt in Deutschland derzeit weniger als 100 Menschen, die die theoretisch mögliche Höchstrente bezeihen. Na klar kann man auch in anderen Berufen Berufsunfähigwerden. Mit sehr vielen Zipperlein, die das Fliegen verbieten, können andere noch arbeiten. Fragen Sie mal bei einer Versicherung, was eine BU für einen Schreibtischtäter, Dachdecker und Piloten kosten. da sind erhebliche Unterschiede im Risiko für den Versicherer und damit in den Prämien, um das Gehalt abzudecken.

Einstiegsgehalt (!) bei der LH Classic als Pilot sind aktuell ca. 90k€, so sehr mumpitz sind die Zahlen denke ich nicht, außer sie haben genauere Quellen.>

Und? Wer viel verdient, zahlt mehr Steuern und Abgaben. Dazu eine fette Berufsunfähigkeitsversicherung und zusätzlich mal noch einen Tausender die nächsten zehn Jahre, um seine Schulungskredite zurück zu zahlen. Bleibt trotzdem Geld übrig, aber eine Sensation ist das dann nun auch nicht mehr.

Das klingt nun wortwörtlich abgehoben. Kaum jemand verdient so viel Geld erst recht nicht nach so einer kurzen Ausbildung, das wird immer gerne außer Acht gelassen. Ein Studium mag zwar günstiger sein, aber während der Student noch mindestens 4 Jahre bis zum Abschluss des Masters braucht verdient der Pilot schon fast 6 stellig. Und dann beginnt der Student erst seine Schulden mit deutlich weniger Gehalt abzuzahlen.>

Eine zweijährige Schulung bei der Lufthansa dürfte im Moment mal locker 120000€+ kosten. Eine Schulung dauert zwei Jahre und ist inhaltlich vom Lernaufwand mit einem Bachelor gleich zu setzen, nur halt in kürzerer Zeit. Das macht sich wohl auch nicht im Schlaf. Stellt sich die Frage, warum nicht alle Piloten werden wollen? Wenn man eine kurze Ausbildung mit anschließendem Spitzenverdienst haben möchte , und das bei nur 120tsd € Schulden, scheint das doch der Idealjob zu sein. Aber irgendwie scheint es da für viele doch noch Haken und Ösen zu geben, sonst wären die LH Lehrgänge voll.


Nicht jeder möchte Pilot, Anwalt oder Investmentbanker werden (zum Glück), aber wenn ich mal auf die DLR Tests aktuell schaue sind alle ausgebucht. Soweit ich weis muss man auch warten bis man angenommen wird - also die Nachfrage ist da (?).>

Das mag sein. Nach meinem Kenntnisstand hat LH in den letzten Jahren Schwierigkeiten gehabt Lehrgänge zu füllen und sogar absagen müssen. Der große Unterschied ist heute, dass nicht mehr so viele Bewerber den Test machen und selbst wenn sie ihn bestehen, anschließend nicht zur Schulung antreten. Und nicht die Anzahl der getesteten ist entscheidend, sondern die der Absolventen.
Blöd ist aber auch, wenn man sich seinen Leidenschaftsberuf ausgesucht hat und sich anschließend darüber beschwert, dass woanders unverhältnismäßig mehr Geld verdient wird. Bei den LH Piloten trifft vermutlich gleichzeitig beides zu. Lucky them. Aber auch die schauen gerade wehmütig zu anderen hoch. Fedex Piloten haben gerade eine über 3o%-ige Erhöhung engestrichen, und in den USA generell, wird bei den big five eher das doppelte gezahlt. Ich frage mich, ob das gesellschaftlich dort auch so im Fokus steht. Eher nicht. Wir sind da in Deutschland zu kleinkariert und neidbezogen. In Deutschland sagt Fritze seinem Sohn:" Guck Dir mal den Otto an, der glotzt nur aus dem Fenster, und verdient damit so viel Geld. Frechheit, das gehört verboten". In der Schweiz, oder USA sagt man seinem Sohn: "Guck Dir mal den Joe an, der guckt nur aus dem Fenster und verdient soviel Geld. Streng dich an, das kannst Du auch haben". Wir sind hier halt, wie wir sind.


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