MONTREAL - Wie die Schweiz: Wegen hoher Kosten und der besseren Aussichten für die heimische Industrie soll Kanada laut Medienberichten nun doch Gripen E/F von Saab beschaffen wollen - und dafür nur 16 F-35 aus den USA einkaufen. Kanadische Gripen E/F könnten auch in den Export gehen.
Wird die Carney-Regierung die geplante Beschaffung von 88 F-35 Lightning II von Lockheed Martin aufbrechen und stattdessen zumindest teilweise auf den schwedischen Gripen setzen?
Wie die kanadische Zeitung "La Presse" berichtet, verdichten sich die Hinweise darauf. Industrieministerin Mélanie Joly erklärte gegenüber La Presse: "Mit dem F-35 sind die industriellen Vorteile nicht groß genug." Ziel sei es, Arbeitsplätze im Land zu schaffen.
Konkret hatte die Regierung Anfang der Woche in diesem Kontext den
Kauf von GlobalEye-Aufklärungsflugzeugen bekanntgegeben, die gemeinsam von Saab und Bombardier hergestellt werden. Die US-amerikanischen Hersteller Boeing und L3Harris gingen leer aus. Das Programm soll in Kanada rund 3.000 Arbeitsplätze schaffen.
Nun, so "La Presse", sei die Entscheidung über die Kampfjets faktisch bereits gefallen. Demnach soll Kanada maximal bis zu 30 F-35 kaufen und rund 60 Gripen E/F. Offiziell hat Kanada sich jedoch nicht dazu bekannt, vom F-35-Kauf teilweise Abstand zu nehmen.
Mehr heimische Industrie mit SaabSaab soll signalisiert haben, dass bei einer Entscheidung für den Gripen in Kanada nicht nur die eigene Luftwaffe, sondern auch Teile der ukrainischen Streitkräfte beliefert werden könnten. Das könnte wiederum bis zu 9.000 Arbeitsplätze schaffen.
Die Möglichkeit, die Gripen für die Ukraine in Kanada zu fertigen, wurde bereits Ende vergangenen Jahres diskutiert, als der ukrainische Präsident Wolodomir Selenskyj angekündigt hatte, bis zu 150 schwedische Jets kaufen zu wollen.
Kanada hat sich zur Abnahme von 16 F-35 ab dem kommenden Jahr verpflichtet. Über die restlichen Maschinen gibt es noch keinen Abnahmevertrag.
Weniger F-35 würde für Kanada nicht nur potenziell mehr Arbeitsplätze, sondern auch weniger Abhängigkeit von US-Technik bedeuten. Derzeit fließen etwa 75 Prozent der kanadischen Verteidigungsausgaben an US-amerikanische Unternehmen.
Die kanadische Regierung will das in Zukunft ändern und mehr im Inland einkaufen und produzieren lassen.
Schweiz nimmt bereits weniger F-35Zuletzt hatte sich die Schweiz dazu entschieden, weniger F-35 zu kaufen als ursprünglich angedacht. Grund war hier ein enormer Kostenanstieg für die Kampfflugzeuge, der das genehmigte Budget überstiegen hätte.
Statt 36 Stealth-Jets wird die Schweiz nun nur noch zwischen 24 und 30 Maschinen beschaffen.Die steigenden Kosten sind auch für die Kanadier ein immer größer werdendes Problem bei der F-35-Beschaffung.
Bisher sind die McDonnell Douglas CF-188 Hornet das Rückgrat der kanadischen Luftverteidigung. Die Jets wurden speziell für die winterlichen Bedingungen im Land angepasst. Stationiert sind die Jets in Bagotville in Quebec und in Cold Lake in Alberta. Seit 1982 sind die Hornets in Kanada schon im Dienst. Ersatz wird also langsam nötig.
© Flug Revue, Mirjam Alama | Abb.: Saab | 07.06.2026 06:27
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Beitrag vom 08.06.2026 - 23:26 Uhr
Die Notwendigkeit, moderne und schlagkräftige Streitkräfte vorzuhalten, sehe ich auch. Dazu gehören auch Kampfflugzeuge - und vermutlich ist die F-35 ein gutes.
Wenn dieses Flugzeug Nuklearwaffen tragen soll, sollten diese jederzeit vollumfänglich zur Verfügung stehen.
Ob das derzeit gewährleistet ist, stellt diese Diskussion in Frage.
Kann man diese Frage nicht einhundertprozentig bejahen, muß man (- Mehrheitswille vorausgesetzt) Alternativen entwickeln - und ggf. eigene beschaffen.
Möglicherweise braucht man dann dieses Flugzeug nicht. Möglicherweise braucht man dann ein anderes. Vielleicht hat man sogar die Wahl, sich zwischen diesem und einem anderen Modell zu entscheiden.
Aber bevor man sich für ein Flugzeug entscheidet, muß die andere Frage zwingend abschließend geklärt sein - und das nicht nur auf dem Papier.
Beitrag vom 08.06.2026 - 19:48 Uhr
@Ralf Latinoe
In vielen Ländern nimmt man die Realität der Weltordnung wahr, die Donald Trump geschaffen hat. Nicht so in Deutschland. Wir klammern uns verzweifelt an frühere Zeiten und hoffen auf Wiederkehr des vollumfänglichen Schutzes durch die USA. Meines Erachtens ist der Grund für die Bestellung der F-35 faktisch weggefallen. Die nukleare Teilhabe existiert doch nur noch auf dem Papier. Die USA werden uns keine Atomwaffen mehr überlassen, die wir dann gegen Russland (gegen wen sonst) zu Einsatz bringen müssten. Dafür ist ist Trump viel zu Putin-freundlich.
@Tino Riva
Der Grund für die Bestellung der F-35 ist faktisch entfallen.
Die F-35 ersetzt in Deutschland den Tornado nicht nur als Nuklearwaffenträger, sondern auch als Jagdbomber. Dieser Bedarf besteht definitiv, und das Flugzeug hat in den letzten drei Jahren über dem Iran bewiesen, was es kann. Er wird sogar noch wachsen, da Deutschland beabsichtigt, eine konventionelle Abschreckungsfähigkeit mit Abstandswaffen aufzubauen.
Kanada wird ebenfalls an der F-35 festhalten, und das ist insgesamt auch sinnvoll, weil ein guter Kompromiss: Man deckt ein breites Fähigkeitsspektrum ab, ohne sich den Nachteilen einer Ein-Typen-Flotte auszusetzen. Nur einen einzigen Kampfflugzeugtyp zu betreiben, ist nämlich nicht nur politisch riskant, sondern auch technisch. Ein Grounding, und man steht nackt da.
Dieser Beitrag wurde am 08.06.2026 19:48 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 08.06.2026 - 09:39 Uhr
Das ist ja alles richtig, aber ist die Frage, wie lange dieser Herr noch im goldenen Haus wütet und wüten kann. Zum einen scheinte es immer mehr Gegenwind zu geben aus dem eigenen Lager, zum anderen scheinen seine Gesundheitswerte drastisch einzubrechen. Und dann ist die Frage, was danach passiert. Es kann so weiter gehen nur mit neuer Person im Amt, es kann aber auch genau zur Schadensminimierung auf 180-Grad Kehre kommen...
Daß die europäischen Verteidigungsaufwendungen defizitär sind, wird kontinuierlich seit der Clinton-Administration bemängelt, singulär auch schon vorher.
Spätestens seit der Obama-Administration werden die Schwerpunkte US-amerikanischer Außen-und Verteidigungspolitik in den Pazifikraum gelenkt.
Die strategischen Analysen dazu überdauern Amtsperioden . Wer hier auf eine 180-Grad-Kehre hofft, ist naiv, denn die wird gewiß nicht kommen, gleich wer die nächsten Präsidenten sein werden.
Beispielhaft sei angeführt, daß die USA während Trump I, namentlich die Minister Pompeo und Esper, ganz wesentlich dazu beigetragen haben, daß die Ukraine überhaupt verteidigungsfähig geworden ist - während die Europäer diesbezüglich genau gar nichts unternommen haben.
Daß sich während Trump II die Vorzeichen geändert haben, folgt bestimmt keiner Laune - wiederum naiv das zu glauben - sondern strategischem Kalkül.
Conclusio: Ja, ich sehe es auch so. Der Grund für die Bestellung der F-35 ist faktisch entfallen.
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Wenn dieses Flugzeug Nuklearwaffen tragen soll, sollten diese jederzeit vollumfänglich zur Verfügung stehen.
Ob das derzeit gewährleistet ist, stellt diese Diskussion in Frage.
Kann man diese Frage nicht einhundertprozentig bejahen, muß man (- Mehrheitswille vorausgesetzt) Alternativen entwickeln - und ggf. eigene beschaffen.
Möglicherweise braucht man dann dieses Flugzeug nicht. Möglicherweise braucht man dann ein anderes. Vielleicht hat man sogar die Wahl, sich zwischen diesem und einem anderen Modell zu entscheiden.
Aber bevor man sich für ein Flugzeug entscheidet, muß die andere Frage zwingend abschließend geklärt sein - und das nicht nur auf dem Papier.
In vielen Ländern nimmt man die Realität der Weltordnung wahr, die Donald Trump geschaffen hat. Nicht so in Deutschland. Wir klammern uns verzweifelt an frühere Zeiten und hoffen auf Wiederkehr des vollumfänglichen Schutzes durch die USA. Meines Erachtens ist der Grund für die Bestellung der F-35 faktisch weggefallen. Die nukleare Teilhabe existiert doch nur noch auf dem Papier. Die USA werden uns keine Atomwaffen mehr überlassen, die wir dann gegen Russland (gegen wen sonst) zu Einsatz bringen müssten. Dafür ist ist Trump viel zu Putin-freundlich.
@Tino Riva
Der Grund für die Bestellung der F-35 ist faktisch entfallen.
Die F-35 ersetzt in Deutschland den Tornado nicht nur als Nuklearwaffenträger, sondern auch als Jagdbomber. Dieser Bedarf besteht definitiv, und das Flugzeug hat in den letzten drei Jahren über dem Iran bewiesen, was es kann. Er wird sogar noch wachsen, da Deutschland beabsichtigt, eine konventionelle Abschreckungsfähigkeit mit Abstandswaffen aufzubauen.
Kanada wird ebenfalls an der F-35 festhalten, und das ist insgesamt auch sinnvoll, weil ein guter Kompromiss: Man deckt ein breites Fähigkeitsspektrum ab, ohne sich den Nachteilen einer Ein-Typen-Flotte auszusetzen. Nur einen einzigen Kampfflugzeugtyp zu betreiben, ist nämlich nicht nur politisch riskant, sondern auch technisch. Ein Grounding, und man steht nackt da.
Dieser Beitrag wurde am 08.06.2026 19:48 Uhr bearbeitet.
Daß die europäischen Verteidigungsaufwendungen defizitär sind, wird kontinuierlich seit der Clinton-Administration bemängelt, singulär auch schon vorher.
Spätestens seit der Obama-Administration werden die Schwerpunkte US-amerikanischer Außen-und Verteidigungspolitik in den Pazifikraum gelenkt.
Die strategischen Analysen dazu überdauern Amtsperioden . Wer hier auf eine 180-Grad-Kehre hofft, ist naiv, denn die wird gewiß nicht kommen, gleich wer die nächsten Präsidenten sein werden.
Beispielhaft sei angeführt, daß die USA während Trump I, namentlich die Minister Pompeo und Esper, ganz wesentlich dazu beigetragen haben, daß die Ukraine überhaupt verteidigungsfähig geworden ist - während die Europäer diesbezüglich genau gar nichts unternommen haben.
Daß sich während Trump II die Vorzeichen geändert haben, folgt bestimmt keiner Laune - wiederum naiv das zu glauben - sondern strategischem Kalkül.
Conclusio: Ja, ich sehe es auch so. Der Grund für die Bestellung der F-35 ist faktisch entfallen.