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Kürzlich haben Eurofighter erstmals eine Drohne über Litauen abgeschossen. Und im August kam es zu einem Anschlagsversuch mit einer Sprengdrohne am Flughafen Leipzig/Halle. Im NATO-Gebiet greift die Furcht vor Drohnenattacken um sich. Das Verteidigungsbündnis reagiert darauf - etwa am Hauptquartier des US-Heeres für Europa und Afrika in Wiesbaden.
Auch hier erweitert die NATO eine zentrale IT-Architektur (Data Backbone) und verbindet damit ein Netzwerk aus Drohnen, Sensoren und anderen KI-gestützten Tools, um notfalls unverzüglich auf Attacken reagieren zu können.
Laut den US-Streitkräften forschen dafür Offiziere, Programmierer und Ingenieure am Militärstandort in Wiesbaden-Erbenheim in einem Innovationslabor. Es ist Bestandteil eines mehrstufigen Verteidigungskonzepts der NATO, das in Osteuropa einen etwaigen Vormarsch von Angreifern zunächst mit Hightech aufhalten soll als "Eastern Flank Deterrence Initiative" (EFDI/Initiative zur Abschreckung an der Ostflanke).
Ein Gegner müsste diese Überwachung mit ferngesteuerten oder teilautomatisierten Systemen erst überwinden, bevor er mit Panzern und Soldaten weiter vorrücken könnte.
In die Arbeit des Innovationszentrums namens "Wiesbaden Integration and Innovation Lab" sind momentan zehn NATO-Staaten eingebunden - "und die Teilnahme wächst schnell", wie Major Ben Schiff der Deutschen Presse-Agentur mitteilt. Das Zentrum in den "Lucius D. Clay Barracks", der US-Garnison am Rande von Hessens Landeshauptstadt, konzentriere sich nicht nur auf Drohnen, sondern auf verschiedene Fähigkeiten für die EFDI. "Wenn wir neue Technologien, die in der Allianz entwickelt werden, nicht schnell integrieren können, werden wir von unseren Gegnern überholt", mahnt Schiff.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat vor wenigen Monaten Drohnen als "die technologische Grundlage der modernen Kriegsführung" bezeichnet. Im Innovationszentrum in Wiesbaden-Erbenheim forschen Spezialisten daran, wie Aufklärungsdrohnen, Bodensensoren, Radare, Kameras und Waffensysteme in Sekundenschnelle interagieren können.
Auch 3D-Drucker spielen eine Rolle
Den US-Streitkräften zufolge zeigt der seit viereinhalb Jahren tobende Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine, dass nicht nur die technische Qualität von Drohnen, sondern auch ihre Kommunikation untereinander eine immense Bedeutung hat. Das auch in Erbenheim entstehende digitale Netzwerk ermöglicht es nach Worten von Major Schiff, "dass Sensordaten mit Maschinen-Geschwindigkeit an jeden in der Allianz fließen, der sie benötigt".
Im Innovationslabor in den Lucius D. Clay Barracks liegen Drohnen und einzelne Teile von Fluggeräten auf Tischen. Wo kommen sie her? Schiff erklärt: "Ersatzdrohnenteile und neue Drohnenteile für Experimente werden mit 3D-Druckern hergestellt. Das ermöglicht schnelles Testen und Anpassen sowie Wartung bei reduziertem logistischen Aufwand." Die Entwicklung neuer Technik soll so rascher und preiswerter werden.
Drohnen im Masseneinsatz
Allerdings können dem US-Experten zufolge nicht alle nötigen Drohnenteile im 3D-Drucker entstehen. Bei wieder anderen wäre es zwar möglich, "aber es wäre sinnvoller, sie bei der Herstellung in großen Stückzahlen spritzgegossen zu produzieren", erläutert "Software Operations Officer" Schiff. "Die richtige Kombination zu haben ist das, was Masseneinsatz ermöglicht."
Während sogenannter Integrationstests steuern Experten von Wiesbaden aus zeitweise sogar Drohnen über dem fernen Baltikum, um in Echtzeit Erfahrungen zu sammeln. Ziel des EFDI-Konzepts ist laut Schiff, "autonome Systeme und verteilte Steuerung zu ermöglichen, die nicht von einem einzigen zentralen Kontrollzentrum abhängen. Die Steuerung dieser Systeme kann von jedem funktionierenden Kontrollzentrum aus erfolgen, das eine Verbindung hat."
"Millionen Sensoren"
Letztlich solle das EFDI-Einsatzkonzept ermöglichen, "Daten von Millionen von Sensoren in Maschinengeschwindigkeit auszuwerten, um einen russischen Einmarsch zu erkennen und eine schnelle Reaktion der NATO zu ermöglichen, ergänzt Schiff. Das Verteidigungsbündnis könne "innerhalb von Sekunden reagieren".
Der US-amerikanische Offizier betont, dass Künstliche Intelligenz bei dem Konzept nur dazu diene, Entscheidungsprozesse "zu beschleunigen, indem sie hilft, große Datenmengen zu verarbeiten". Alle "Zielentscheidungen" hingegen würden von Menschen getroffen.
Erst Rennpferde, dann Rosinenbomber und heute Drohnen
Hochmoderne Aufklärungsdrohnen sind am Flugplatz Erbenheim der vorläufige Schlusspunkt von fast einem Jahrhundert Luftfahrtgeschichte. 1929 wurde hier eine Pferderennbahn aufgegeben zugunsten des "Flughafens Wiesbaden-Mainz". Die Luftwaffe der Nazis nutzte den Airport während des Zweiten Weltkriegs als Jagd- und Bomberbasis.
Und 1948/1949 war der Standort einer der Start- und Landeplätze für die berühmte Luftbrücke der Alliierten mit sogenannten Rosinenbombern zum belagerten Berlin.
© dpa-AFX, aero.de | Abb.: DVIDS | 21.09.2026 06:41







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