Batteriebrände
Älter als 7 Tage  

NTSB will öffentliche 787-Anhörung veranstalten

Foto
Boeing 787-8, © The Boeing Company

Verwandte Themen

SEATTLE - Auch der jüngste Zwischenbericht der amerikanischen Untersuchungsbehörde NTSB hat die Ursache der beiden Batteriebrände an Bord von Boeing-Dreamlinern nicht aufgedeckt. Deswegen will die Behörde im April eine öffentliche Anhörung über die verwendete Lithium-Ionen-Batterietechnik und deren Zulassung veranstalten. Seit fast zwei Monaten wird die 787 von den Behörden am Boden gehalten.

Der am 7. März veröffentlichte Zwischenbericht und ergänzende Dokumente legen auf 499 Seiten den bisherigen Ermittlungsstand der Untersuchungsbehörde dar. Auch die Abläufe der beiden Batteriebrände und die Brandbekämpfung werden detailliert dargelegt.

Demnach war sich die Flughafenfeuerwehr in Boston nicht bewusst, dass an Bord der 787 Lithium-Ionen-Batterien verwendet werden, die sich bei einem Brand nicht löschen lassen. Die Feuerwehr brach die Batterie schließlich aus ihrer Halterung und warf sie auf das Vorfeld. Ein Feuerwehrmann zog sich bei der "Explosion" der Batterie (Angabe der Feuerwehr) Verbrennungen am Hals zu.

Laut der Untersuchung habe Boeing im Vorfeld nur Überspannung als mögliche Brandgefahr für die Batterie angenommen. Andere Ursachen, wie jetzt offenbar praktisch aufgetreten, seien ausgeschlossen worden. Laut des Berichts sei das elektrische System der 787 niemals im Verbund getestet worden, sondern immer nur in einzelnen Abschnitten und unter Laborbedingungen. Deswegen sind dabei die jetzt praktisch aufgetretenen Spannungsverläufe, die sich auf die Batterien ausgewirkt haben könnten, möglicherweise nie aufgetreten.

NTSB-Chefin Deborah Hersman kündigte an, Mitte April in Washington ein öffentliches "Forum" mit Anhörungen zur 787-Batterieuntersuchung abzuhalten: "Nach dem Grounding der 787-Flotte, angesichts weltweit parallel laufender Untersuchungen, Konstruktionsänderungen und Wiederzulassungsbemühungen ist es nötig, die Fachöffentlichkeit, politische Entscheidungsträger und die Allgemeinheit über alle Fakten zu unterrichten, die wir herausbekommen."

Bei dem Forum werde es zunächst um Lithium-Ionen-Batterien und die allgemeine Sicherheit von Verkehrsmitteln gehen. Später werde auch deren Konstruktion und Zulassung Gegenstand der "investigativen Anhörung", so die NTSB-Chefin.

"Nach dem Forum werden das NTSB und die gesamte Verkehrsbranche besser verstehen, welche Vorteile und Risiken Lithium-Ionen-Batterien haben und wie Hersteller und Behörden die Sicherheit der neuen Technologie bewerten."

Unter hohem Zeit- und Kostendruck versucht Boeing derzeit, bei der US-Luftfahrtbehörde FAA einen neuen Brandschutz für die Dreamliner-Batterien zugelassen zu bekommen. Angeblich könnte eine FAA-Entscheidung darüber schon in dieser Woche erfolgen.

Laut des Boeing-Vorschlags sollen die beiden Batterien des stark auf elektrische Bordsysteme ausgelegten Flugzeugs in feuerfesten Behältern eingeschlossen werden. Selbst bei einem Brand würde dem Flugzeug somit keine direkte Gefahr drohen. Die jeweilige Batterie würde jedoch trotzdem ausfallen, was weit reichende Auswirkungen auf die planbaren Flugrouten, das Einsatzspektrum und die Rentabilität der 787 hätte. Die entscheidende Grundfrage, warum sich die 787-Batterien unerwartet oft entzünden, wäre damit auch noch nicht gelöst.
© FLUG REVUE / Sebastian Steinke | Abb.: The Boeing Company | 11.03.2013 08:34


Leser-Kommentare (0) Zur Startseite

Um einen Kommentar schreiben zu können, müssen Sie sich bei aero.de registrieren oder einloggen.

Stellenmarkt

Schlagzeilen

Meistgelesene Artikel

Community

FLUGREVUE 11/2014

Video-Blog

Approaching FRA Timelapse

Anflug mit Condor Boeing 767-300 auf die 25L

Shop