Indigo-Airbus Deal
Älter als 7 Tage

Der 50-Milliarden-Dollar-Sparfuchs

William Franke Indigo
Von links: Eduardo Ortiz (JetSmart), Josef Varadi (Wizz Air), William Franke (Indigo), Barry Biffle (Frontier Airlines), Enrique Beltranena (Volaris), © Airbus

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DUBAI – Mit achtzig Jahren zog der selbsternannte Vater des "Ultrabillig-Airlines-Modells" das Scheinwerferlicht der Dubai Airshow auf sich. Der Mitgründer von Indigo Partners William August Franke hat den größten Flugzeugkauf in der Geschichte der zivilen Luftfahrt eingefädelt.

Am vorletzten Tag der Dubai Airshow hat Franke gemeinsam mit Airbus die Bestellung von 430 Flugzeugen im Wert von zirka 50 Milliarden US-Dollar bekanntgegeben. Dieses Geschäft wird das Wachstum seines Airline-Imperiums ankurbeln.

Dort hat Franke den vergangenen Teil seiner Karriere damit verbracht, das zu vermeiden, was er "den Weg in die Hölle" nennt: schleichende Kosten. "Wir glauben fest an das ultrabillig-Modell", erzählte Franke auf der Dubai Airshow.

"Am Ende des Tages gewinnt die Strategie den Wettbewerb, welche die niedrigsten Kosten und Gebühren verursacht."

Die Airbus-Flugzeuge, die Indigo bestellt hat, werden auf vier Airlines verteilt, die ihren Kunden Flugtickets zu ultra-Discountpreisen verkaufen. Die Lieferungen der Fugzeuge werden 2021 beginnen: an Frontier Airlines in den USA, Volaris in Mexiko, Wizz Air in Osteuropa und JetSmart in Chile, die erst 2017 an den Start gegangen ist.

Anders als Airlines mit Rundum-Service, deren Geschichte laut Franke oft Schwankungen ausgesetzt ist, weisen die Indigo-Airlines ihm zufolge eine "beachtliche Wachstumskurve" vor. "Unsere Airlines sind alle sehr profitabel, sie machen alle Gewinn."

"Ich schaue auf Wizz und Frontier und ich denke, die beiden sind hier (im Bezug auf ihr Wachstum, Red.) noch nicht am Ziel", sagt einer der Analysten der Agentur "Bloomberg", George Ferguson. "Wenn die Airlines nicht so schnell wachsen, wie Franke es erwartet, könnte er zu Airbus gehen und das Wachstum etwas verschieben", indem er Lieferungen verzögert.

Franke nutzte seine Glaubwürdigkeit in der Branche und seine Erfolgsgeschichte im Entwickeln von Ultrabillig-Airlines, um den Deal mit Airbus zu stricken. Samuel Engel von dem Beratungsunternehmen ICF schätzt, dass er große Rabatte ausgehandelt hat.

Von Texas nach Paraguay

Franke hat das Airline-Investment-Unternehmen Indigo Partners im Jahr 2002 in Arizona mitgegründet. Ein Jahr zuvor hat er seinen Job als Chef der America West Holdings hingeworfen. Indigo verwaltet nun laut Franke acht Milliarden US-Dollar.

Der Airline-Investor wurde in Bryan/Texas geboren und zog als Junge nach Südamerika, weil sein Vater dort für das US-Außenministerium arbeitete. Er ist in Paraguay, Argentinien und Brasilien aufgewachsen. Sein Jura-Studium absolvierte er in den USA.

Frankes Airline-Karriere

Er war Vorsitzender einer Ladenkette, als der damalige Gouverneur von Arizona, Fife Symington, ihn bat, das Steuer bei America West zu übernehmen -  obwohl Franke keine Erfahrung in der Airline-Branche hatte.

Er trieb 15 Millionen US-Dollar auf, um die bankrotte Airline zu retten. 1993 wurde er Geschäftsführer und bewahrte die Airline vor dem Aus. Franke zog sich Doug Parker, den er als Finanzchef eingestellt hatte, als Nachfolger heran.

Zusammen legten die beiden ein Programm auf, um die Pünktlichkeit und die finanzielle Aufstellung der Airline zu verbessern. Parker ist momentan Chef der weltweit größten Airline American Airlines.

Franke ist mit festen festen Schritten in die Discountwelt eingestiegen, als er 2004 zum Vorsitzenden der Tiger Airways in Singapur wurde. Dort blieb er fünf Jahre. Er war auch einer der Investoren bei Ryanair, bevor die Airline an die Börse ging.

Der Airline-Chef hat im Lauf der Jahre eine eiserne Disziplin dafür entwickelt, Kosten gering zu halten.

"Weg in die Hölle"


"Manchmal sehen wir, was mit großen Airlines passiert, die eine bedeutende Position als Billigairline haben und die sich zu Dingen wie Clubs oder Vielfliegerprogrammen entscheiden oder dazu, ihren Service und ihr Angebot an Bord zu verbessern", sagt Franke. "All diese Dinge ebnen den Weg in die Hölle."

Er half dabei, den Umbau von Spirit Airlines in eine ultrabillig-Airline voranzutreiben. 2013 trat er von seinem Posten als Vorsitzender zurück, als Indigo seine 17 Prozent-Beteiligung an der Airline mit Sitz in Miramar/Florida verkaufte.

Dieser Schritt erlaubte es Indigo, Frontier aus dem Bankrott herauszukaufen und sie in eine Discount-Airline umzubauen. Jetzt ist er Vorsitzender von Frontier, die Anfang 2017 ihren Börsengang verzögerte.

Lange vorbereiteter Deal

Laut Franke hat es Monate gedauert, um den neuesten Deal mit Airbus festzuzurren. Manche der Flugzeugen gehen an die vier Airlines. Engel von ICF glaubt, dass Franke auch einige nutzen könnte, um eine neue Discount-Airline hochzuziehen.

Eine andere Option bestünde laut Engel darin, manche der Flugzeuge an eine Bank oder ein Leasingunternehmen zu verkaufen und sie von dort wieder zu mieten – auf diese Weise könnte die Airline den Erlös aus dem Verkauf investieren.

Indigo glaubt, dass das Billig-Modell "in den USA noch Wachstumschancen hat, die bisher nicht angetastet wurden", sagt Engel. "Sie sind nicht länger Randerscheinungen wie damals Spirit. Das Modell hat sich bewährt."

Das Mega-Geschäft hilft auch dabei, das Vermächtnis des Airbus-Verkaufschef John Leahy zu veredeln. Der 67-Jährige wird sich in den kommenden Monaten zurückziehen. Die Bestellung wird nach Listenpreisen beweret, auch wenn Airlines normalerweise einen Rabatt für große Bestellungen bekommen.

"Ihr Ziel besteht darin, Flugzeuge zum bestmöglichen Preis zu verkaufen", sagte Franke in Dubai. "Unser Ziel besteht darin, Flugzeuge zum bestmöglichen Preis zu kaufen. Ich kenne Herrn Leahy seit 25 Jahren. Manchmal gewinnt er, manchmal gewinne ich."

Wer hat diesmal gewonnen? "Das ist eine gute Frage", sagt Franke und lächelt.
© Bloomberg, aero.de (boa) | Abb.: Airbus | 16.11.2017 13:12

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Beitrag vom 17.11.2017 - 10:09 Uhr
Rabatte: es wäre wirklich spannend zu wissen, wie die Marge pro Flugzeug schrumpft, wenn man statt 1 gleich 430 von den A32x bestellt...

;-)


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