Hauptstadtflughafen
Älter als 7 Tage

Nächster Versuch: BER erhält im Dezember Eröffnungstermin

Engelbert Lütke Daldrup
Prof. Dr.-Ing. Engelbert Lütke Daldrup (Vorsitzender der Geschäftsführung der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH), © Berliner Flughäfen

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BERLIN - Für den neuen Hauptstadtflughafen soll am 15. Dezember ein neuer Eröffnungstermin genannt werden. Die Absprachen mit den Baufirmen seien so weit gediehen, dass er dann in einer Sondersitzung des Aufsichtsrats ausführlich zum Terminrahmen vortragen könne, sagte Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup am Freitag.

Wegen Planungsfehlern, Baumängeln und Missmanagement ist der Start des drittgrößten deutschen Flughafens seit dem Baubeginn 2006 schon sechs Mal verschoben worden. Ein Start des BER vor dem Spätsommer 2019 gilt als ausgeschlossen.

Lütke Daldrup hatte schon angekündigt, dass der Neubau Ende August 2018 saniert sein soll. Dann folgen Tests, Abnahmen und ein Probebetrieb, wofür in der Vergangenheit rund ein Jahr eingeplant worden war. Der Geschäftsführer deutete an, dass der Zeitplan zudem Puffer für Unvorhergesehenes enthalten werde. Damit wäre auch ein Start 2020 denkbar.

"Wir wollen schnellstmöglich fertig werden", beteuerte Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider nach einer Sitzung des Kontrollgremiums am Freitag. Das Gremium beriet auch über einen millionenschweren Ausbau des Flughafens bis 2040. Denn mit einer Anfangskapazität von 22 Millionen Passagieren ist der Tegel-Nachfolge-Airport zu klein. Von den Bestandsflughäfen Tegel und Schönefeld flogen im vergangenen Jahr 32,9 Millionen Menschen.

Durch die Air-Berlin-Pleite kommt das jahrelange starke Wachstum im Berliner Luftverkehr in diesem Jahr jedoch nahezu zum Erliegen. Die Passagierzahlen seien zwar leicht gestiegen. Die ohnehin sehr zurückhaltend angepeilten 34 Millionen Reisenden im Gesamtjahr werden nach Lütke Daldrups Angaben aber nicht erreicht.

"Das ist in der Tat nur eine Delle", versicherte der Ingenieur. "Es ist natürlich für den Flughafen nicht schön, dass in Tegel nicht mehr viel geflogen wird aus dem Air-Berlin-Portfolio." Die Käufer Easyjet und Eurowings würden die Lücken von Januar an jedoch schnell füllen.

Fünfeinhalb Jahre nach der geplatzten Eröffnung 2012 erhalten die Betreiber nun Schadenersatz von der Planungsgemeinschaft BBI um das Büro von Flughafen-Architekt Meinhard von Gerkan, wie Lütke Daldrup sagte. Nach langem Ringen um Schadenersatz und ausstehende Architektenhonorare in Millionenhöhe sei ein Vergleich geschlossen worden. Man werde "einen erheblichen Mittelzufluss erhalten", sagte der Flughafenchef, ohne einen Summe zu nennen.

Damit nach der Schließung Tegels alle Passagiere in Schönefeld abgefertigt werden können, soll bis Ende 2025 das dortige Terminal in Betrieb bleiben, das einmal der DDR-Zentralflughafen war. Dort müssen 45 Millionen Euro investiert werden, hieß es. Auch Tegel wird ein weiteres Mal ertüchtigt: allein mit 5 Millionen Euro im nächsten Jahr.

Für den Flughafenausbau wollten Bretschneider und Lütke Daldrup eigentlich den Ingenieur Carsten Wilmsen vom Flughafen München nach Schönefeld holen. Von den Flughafeneigentümern - Berlin, Brandenburg und dem Bund - waren laut Bretschneider jedoch zwei dagegen, für Wilmsen einen Geschäftsführerposten zu schaffen. Wilmsen sagte ab.

"Damit haben sie ein Stück Verantwortung", quittierte Lütke Daldrup diese Entscheidung der Gesellschafter. Bretschneider sagte zu den Aussichten für den Flughafenausbau: "Sie sehen mich heute nicht am Boden und auch nicht zerstört. Wir wollen die Kiste rocken."
© dpa-AFX | 18.11.2017 12:14

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Beitrag vom 24.11.2017 - 15:17 Uhr
TXL ist einfach nicht dafür geeignet Großraumflugzeuge abzufertigen. AB hatte den BER als (2.) HUB auserkoren. Als sich die Eröffnung immer weiter verzögerte hat AB die Langstrecken in DUS weiter ausgebaut und mit Ach und Krach einige Langtrecken in TXL betrieben.
Dass LH in diese Lücke jetzt nicht einspringt, ist wohl sehr logisch. Die haben 2 HUBs in DEU und TXL ist weiterhin nicht geeignet. Ja, die LH-Group fliegt gerade TXL mit Großgerät an. Das aber nicht ohne Probleme und auch nur als P2P. Gepäcksortierung ohne zentrale Gepäckabfertigung geht in TXL halt nur von Hand.
Der BER kam nicht pünktlich, um als HUB für AB zu dienen und AB ist mittlerweile pleite (natürlich nicht nur wegen des BER). Damit sind wichtige Planungsgrundlagen obsolet. Wie sich BER irgendwann einmal entwickeln wird, steht in den Sternen. EW Langstrecke aber kann ich mir sehr gut vorstellen.
Den "Einzugsbereich" für den BER sehe ich von HH über H, L bis DD. Nicht jeder nutzt einen Zubringerflug, wenn er den Zubringerflughafen nicht vor der Haustür hat.
Alles nur Spekulation, aber ich glaube, wenn der BER irgendwann einmal eröffnet, dann wird er sich auch entwickeln. Für Fernverkehr und vielleicht auch mal zu einem HUB.
Beitrag vom 24.11.2017 - 07:06 Uhr
@FraHam: ich finde Ihre Zahlen bzgl. Wirtschaftskraft der Regionen wirklich sehr plausibel und auch richtig - wie ich aber bereits mehrfach betonte, beziehen sich meine Annahmen aber eher auf einen Mix bei den Paxen, mit einem deutlichen Überhang der Touristen.

Die Wirtschaftsleistung, die ein Tourist in der Stadt lässt, ist im BIP enthalten. Natürlich macht es einen Unterschied, wie diese Wirtschaftsleistung erzeugt wird. Da kommt es auch wieder auf die Art des Tourismus an. Reden wir von Klassenfahrten (Jugendherberge und Bus) und Städtetrips für 180€/Wochenende oder reden wir von hochwertigem Tourismus (7 Tage 3000€). Im letzten Fall wäre das sicherlich ein lohnendes Modell für Airlines - siehe Kreuzflieger. Der - ich vermeide mal "Billig-" - "Günstig"-Tourist will genau das - möglichst günstig da hin kommen und wieder weg. Der "Business-Kasper" muss zwei Tage später kurzfristig irgendwo hin oder auf eine Großveranstaltung, die Ticketpreise zu diesem Ziel ohnehin schon teurer machen. Von der Anzahl der Personen auf einen lohnenden Standort zu schließen ist daher leider nicht zulässig.

Allerdings Ihr Argument "AB hat einen HUB in Berlin probiert und ist daran pleite gegangen (gescheitert)", der ist wohl sehr weit her geholt. AB ist aus vielen Gründen in Insolvenz gegangen (wurde hier in anderen Foren bereits ausgiebig diskutiert), aber nicht an dem HUB Versuch Berlin. Wobei sicher eine pünktliche Eröffnung von BER die Situation von AB vermutlich ein wenig verbessert hätte. Allerdings hätte es dazu die "Erlaubnis" von Etihad gebraucht, auch wieder nach Osten fliegen zu dürfen. Aber das ist Spekulation und hier OT.

Da haben Sie es sich leider zu leicht zusammen gefasst. Die Kernaussage war nicht, dass AB wegen der Hub-Versuch pleite gegangen ist. Die Kernproblematik bei AB war eine nicht vorhandene Fokussierung und Spezialisierung, gepaart mit den feuchte Träumen einiger unfähiger Manager, die es versäumt habe ein Controling zu installieren, das rechtzeitig die ertragsschwachen Strecken einstellt. Und ob dann Air Berlin ab Berlin noch viel P2P Verkehr insbesondere in der Langstrecke gehabt hätte, kann ich erst sagen, wenn ich meinen Kaffee getrunken habe und der Bodensatz erkennbar ist ;)

Meine Herleitung bezügl. Wirtschaftskraft und die Tatsache, dass Berlin auch von sonstigen Airlines dieser Welt nur selektiv angeflogen wird, lassen aber eine Tendenz der Antwort erkennen. Ich finde es auffällig, dass mit Insolvenz der Air Berlin das Interesse dritter Airlines an Berlin auch nicht sprunghaft gestiegen ist. Entweder pokern die alle - oder sie haben bessere Zahlen, als wir alle zusammen.
Beitrag vom 23.11.2017 - 20:36 Uhr
Mich würde es eher wundern, wenn sie was am Flughafen finden, das keine Mängel hat.


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