Air Berlin
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"Also wurden ziemlich wild neue Strecken aufgelegt"

BERLIN - Halbleere Flieger, ganz leere Kassen: Dass Air Berlin seit Jahren Unmengen Geld verlor, lag einem Insider zufolge auch an einer verfehlten Flotten- und Streckenplanung. Die größten Verlust machte eine Linie, die Air Berlin trotzdem nicht einstellen konnte.

Nachdem der faktische Airline-Gründer Joachim Hunold im großen Stil Maschinen bei Boeing und Airbus bestellt hatte, mussten seine Nachfolger ab Hartmut Mehdorn die passenden Routen finden, auf denen sie die Jets rentabel einsetzen konnten.

Air Berlin Airbus A330-200
Air Berlin Airbus A330-200, © Air Berlin

"Also wurden ziemlich wild neue Strecken aufgelegt und via Jubelpreise die Tickets verramscht", sagte ein Kenner des Unternehmens am Mittwoch der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX.

Mit dem Einstieg der arabischen Fluglinie Etihad sei das nicht besser geworden - auch wenn Air Berlin einige neue Jets an andere Fluglinien verkaufen konnte. "Nagelneue Airbus werden nicht genutzt, weil Etihad verlangte, dass Air Berlin uralte Alitalia-Jets zu horrenden Leasingkosten übernehmen musste."

2013 versuchte Etihad es mit einem eigenen Mann zu richten. Der Flugplaner setzte reihenweise Flüge von deutschen Flughäfen nach Alicante auf. Doch die wollte kaum jemand buchen, berichtet der Insider. Über eine Sonderaktion bei Lidl-Reisen sei Air Berlin gerade einmal elf Tickets losgeworden.

Auf den Alicante-Strecken habe die Gesellschaft mit ziemlich leeren Fliegern nur Verluste eingeflogen - während Ryanair mit prall gefüllten Jets von Alicante nach Bremen und Hamburg flog.

Die größten Verluste flog Air Berlin dem Insider zufolge zwischen Düsseldorf und Abu Dhabi ein. Die Flüge konnte die Gesellschaft nicht streichen, da sie als Zubringer für Etihad dienen - der Geldgeberin von Air Berlin. Auch auf den US-Strecken habe Air Berlin viel Geld verloren.

Als Gewinnbringer galten hingegen die Strecken München-Berlin und Berlin-Stuttgart. Da habe Air Berlin stets hohe Ticketpreise durchsetzen können. Ein Air-Berlin-Sprecher wollte sich zu solchen Geschäftsinterna nicht äußern.
© dpa-AFX, aero.de | 16.08.2017 15:23

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Beitrag vom 18.08.2017 - 03:22 Uhr
Im Insolvenzverfahren gehen alle neuen Forderungen den Fordrungen aus der Zeit vor der Insolvenz vor

Das stimmt so nicht ganz. Nur Darlehen welche vom Insolvenzverwalter aufgenommen werden sind vorrangig zu bedienen. So wie ich das sehe hat Air Berlin die 150 Mio bekommen ohne das es schon einen Isolvenzverwalter gab/gibt. Damit wäre das Darlehen gleichberechtigt zu allen Alt-Forderungen, sofern das KfW-Gesetz hier nicht eine Ausnahme für KfW-Kredite vorsieht. Tut es das?

nein das tut es nicht
Beitrag vom 17.08.2017 - 22:38 Uhr
Im Insolvenzverfahren gehen alle neuen Forderungen den Fordrungen aus der Zeit vor der Insolvenz vor

Das stimmt so nicht ganz. Nur Darlehen welche vom Insolvenzverwalter aufgenommen werden sind vorrangig zu bedienen. So wie ich das sehe hat Air Berlin die 150 Mio bekommen ohne das es schon einen Isolvenzverwalter gab/gibt. Damit wäre das Darlehen gleichberechtigt zu allen Alt-Forderungen, sofern das KfW-Gesetz hier nicht eine Ausnahme für KfW-Kredite vorsieht. Tut es das?
Beitrag vom 17.08.2017 - 00:43 Uhr
@CGNWAW: Es gibt extra ein eigenes "Gesetz über die KfW". Eine normale Geschäftsbank kann nicht einfach daherkommen und eine Besserstellung bei den Kreditregelungen für sich beanspruchen. Ob das die KfW kann würde mich brennend interessieren, vielleicht kennt sich da jemand gut genug aus?

Im Insolvenzverfahren gehen alle neuen Forderungen den Fordrungen aus der Zeit vor der Insolvenz vor, dazu braucht es kein KfW Gesetz. Wenn die Besicherung über den Wert der Slots erfolgt, könnte auch eine private Bank sich diese abtreten lassen, sofern sie das nicht schon sind. Ich denke auch, der Air Berlin Vorstand hatte nicht erst am letzten Mittwoch angefangen Überlegungen anzustellen, wie man in einem Insolvenzverfahren liquide bleibt, daher hätte man durchaus auch einen back-up mit einer privaten Bank verhandeln können. Die Frage ist wohl eher, ob die Slots wirklich einen Wert darstellen und ob der so einfach verkauft werden kann.

Das KfW Gesetz behandelt keine rechtliche Besserstellung der KfW im Geschäftsverkehr, sondern beschäftigt sich mit geschäftsumfang, Organisation und Aufsicht der KfW.


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