Flug JT-610
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Lion Air erwägt Ausstieg aus Boeing-Aufträgen

Thai Lion Air Boeing 737 MAX 9
Thai Lion Air Boeing 737 MAX 9, © Boeing

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SEATTLE - Ein neuer Flugassistent spielte beim Absturz einer Boeing 737 MAX 8 von Lion Air eine Rolle. Doch Boeing wiegelt ab - und kritisiert Lücken im Eröffnungsbericht der indonesischen Unfallermittler. Lion Air prüft Medienberichten zufolge daher die Stornierung offener Boeing-Aufträge.

Elf Minuten nach dem Start des Flugs JT-610 in Jakarta sind alle 189 Insassen tot. Die zwei Monate alte Boeing 737 MAX 8 ist nahezu senkrecht in die Javasee gestürzt.

Nach Vorlage eines Eröffnungsberichts der indonesischen Flugunfallstelle NTSC wachsen die Spannungen zwischen Boeing und Lion Air. In einer ungewöhnlich ausführlichen Einlassung hat Boeing den Bericht zerpflückt und mögliche Versäumnisse von Lion Air bei der Wartung des Jets in den Raum gestellt.

Rasdi Kirana, der Lion Air 1999 gründete, ist darüber so "verstimmt", dass die Airline prüft, ihre verbleibenden Boeing-Aufträge "ab der nächsten Lieferung" zu stornieren, melden die "Seattle Times" und "Reuters" übereinstimmend. "Rusdi fühlt sich von Boeing hintergangen", sagte ein Insider der "Seattle Times".

Lion Air hat bei Boeing 188 Bestellungen für 737 MAX offen, erst im April 2018 bestellte Lion Air 50 737 MAX 10. Bei Airbus stehen für Lion Air 113 A320neo und 65 A321neo in der Produktionsliste. Den Airbus-Auftrag hatte Lion Air 2017 im Lichte einer überdachten Wachstumsstrategie um fünf A320neo reduziert.

Kirana vermutet, dass man in Seattle von eigenen Versäumnissen ablenken will, denn nach dem Absturz steht Boeing selbst in den USA in der Kritik: der Konzern enthielt Piloten Details über das neue Flugsystem MCAS vor, das mit Daten der Geschwindigkeitsmesser und Anstellwinkelsensoren die Fluglage überwacht und vor einem drohenden Strömungsabriss aktiv in die Trimmung eingreift.

Das MCAS ist zumindest ein Verdächtiger in der Unglückskette: fehlerhafte Daten eines vier Tage zuvor getauschten Anstellwinkelsensors könnten das System zu fatalen Fehlschlüssen verleitet haben.

Boeing: Lücken im Bericht

Eine andere Crew von Lion Air konnte die Trimmungskorrekturen des Computers einen Tag vor dem Absturz mit Hilfe von Checklisten unterbinden und die PK-LQP sicher nach Jakarta fliegen, wo das Flugzeug erneut gewartet wurde.

Konkret bemängelt Boeing, dass der Eröffnungsbericht "keine Protokolle über die Installation und Kalibrierung des (getauschten) Sensors" enthalte. Der Eröffnungsbericht lasse zudem offen, ob die Crew des Unglücksflugs ebenfalls standardisierte Verfahrensregeln heranzog, um die Situation zu entschärfen.
© aero.de | Abb.: Boeing | 04.12.2018 11:43

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Beitrag vom 06.12.2018 - 01:14 Uhr
LionAir sollte einfach lautstark Verbesseungen nach dem Stand der Technik verlangen,
weil das bestehende System im Fehlerfall nun doch zu unsicher ist.
Wg. der unterschiedlichen memory items wären unterschiedliche Lehrgänge für 737NG und 737MAX angebracht. Sollten sich nicht die type ratings für 737NG und 737MAX ausschliessen?

Damit wären aber auch die FAA und die EASA gefordert. (Airbus usw. müssen natürlich auch ihre AoA-Anwendungen überprüfen.)
Anders als LionAir hat Boeing noch keinen eigenen MA für dieses Unglück mitverantwortlich gemacht....

Dieser Beitrag wurde am 06.12.2018 01:16 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 05.12.2018 - 11:58 Uhr
Da das Problem sofort nach dem start ,also in initial climb aufgetreten ist hätten die Piloten dies eigentlich nur
über memory items in kürzester Zeit erfolgreich abarbeiten können.
Beitrag vom 05.12.2018 - 09:54 Uhr
... hängt es an einen einzigen Sensor

Kann ich mir nicht vorstellen.

ich mir auch nicht.
Heisst es aber.


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