Abschlussbericht
Älter als 7 Tage

Warum Flug 211 in Nepal abgestürzt ist

KATHMANDU - Desorientiert und fahrig zog ein Flugkapitän von US-Bangla Airlines den Fehlanflug auf Kathmandu durch. Die folgende Bruchlandung der Bombardier Q400 forderte im März 2018 51 Todesopfer. Der Abschlussbericht deckt auf, was an diesem Tag im Cockpit und Tower schief lief.

Selbst unter Idealbedingungen - und die herrschen im Himalaya nicht immer - erfordert der Anflug auf Kathmandu höchste Konzentration. Vor zehn Monaten verlor die Crew des Flugs BS211 aus Dhaka bei einem völlig verkorksten Landeversuch die Kontrolle - nur 20 der 71 Passagiere überlebten schwer verletzt.

Unglücksflug BS211, © TSL

Ein "emotionaler Zusammenbruch" des Kapitäns war laut Abschlussbericht der Flugunfallermittler der Ausgangspunkt einer Verkettung von Fehlern, die in die Katastrophe führte.

Der Pilot der Fluggesellschaft US-Bangla habe während der gesamten Flugdauer über persönliche Dinge gesprochen und im Cockpit geraucht, heißt es in dem abschließenden Bericht der sechsköpfigen Kommission, der am Sonntag der nepalesischen Regierung vorgelegt wurde.

Das habe die Besatzung abgelenkt, die zudem vorgeschriebene Abläufe nicht eingehalten habe.

"Desorientierung" und "Verlust situativer Aufmerksamkeit"

Die Q400 S2-AGU war am 12. März 2018 bei der Landung auf dem Flughafen der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu von der Landebahn abgekommen, auf einem Feld auseinandergebrochen und in Flammen aufgegangen. Alle vier Mitglieder der Besatzung sowie 45 der 67 Passagiere kamen am Unglücksort ums Leben. Zwei weitere Passagiere starben später im Krankenhaus.

Der 52-jährige Kapitän war dem Bericht zufolge "emotionalem Stress ausgesetzt", weil eine Kollegin, die allerdings nicht an Bord war, seinen Ruf als Fluglehrer infrage gestellt hatte. Er steuerte Landebahn 02 aus gegenüberliegender Richtung 20 an, woraufhin der Towerlotse zunächst die Landeerlaubnis zurücknahm.

"Wahrscheinlich aus reiner Verzweiflung zu landen zog der Kapitän den Anflug aus einer Kurve einfliegend durch", hält der Bericht fest. An einem Punkt ging der Fluglotse im Tower "in Deckung". Die Q400 setzte mit 15 Grad Schräglage "hart" auf Landebahn 20 auf. Der Erste Offizier griff zu keinem Zeitpunkt ein, sondern verharrte "still sitzend" neben dem Kapitän.

Zu vollständiger "Desorientierung" und dem "Verlust situativer Aufmerksamkeit" der US-Bangla-Crew addierten sich laut den Ermittlern Fehler des Fluglotsen - insbesondere habe es der Tower versäumt, die Piloten rechtzeitig über ihre Position und den äußerst instabilen Anflug in Kenntnis zu setzen.

Es war der schlimmste Flugunfall in Nepal seit 25 Jahren.
© aero.de, dpa | Abb.: Government of Nepal | 29.01.2019 11:07


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