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Norwegian findet neue Geldgeber

Norwegian Boeing 787-9
Norwegian Boeing 787-9, © Norwegian

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FORNEBU - Norwegian hat nach einem Rückzieher der British-Airways-Mutter IAG frisches Geld aufgetrieben. Der norwegische Reeder John Fredriksen und weitere Investoren pumpen 309 Millionen Euro in den kriselnden Preisbrecher. Der hat mit einer rasanten Expansion 2018 noch mehr Geld verbrannt.

Norwegian verschafft sich mit einer Kapitalerhöhung um rund drei Milliarden norwegische Kronen (309 Millionen Euro) Luft. Die Hauptversammlung muss der Ausgabe neuer Aktien an ein Konsortium um Fredriksen am 8. Mai 2019 zwar noch zustimmen, teilte Norwegian am Dienstag mit.

Eine Ablehnung gilt aber als ausgeschlossen - denn Norwegian ist auf die Finanzspritze dringend angewiesen.

Vergangene Woche hatte der IAG-Konzern, zu dem neben British Airways auch Fluglinien wie Iberia, Vueling und Aer Lingus gehören, seine Übernahmepläne für Norwegian begraben. Das Unternehmen will auch seine bereits erworbene Beteiligung von knapp vier Prozent an der Airline verkaufen.

Über Norwegian
Typ Linienfluggesellschaft
Basis Oslo Gardermoen
Maschinen 64
Destinationen 122
Routen 274
© Daten bereitgestellt von ch-aviation
Nach der Nachricht hatte die Norwegian-Aktie kräftig an Wert verloren, der Kursrutsch setzte sich am Dienstag mit einem weiteren Abschlag von 14 Prozent fort.

Neben der angekündigten Kapitalerhöhung ist dafür die jüngste Verlustmeldung verantworlich: Norwegian wird das Jahr 2018 mit einem Fehlbetrag von umgerechnet 400 Millionen Euro vor Steuern abschließen und hat derzeit nur noch 200 Millionen Euro auf den Konten, geht aus einer vorgezogenen Veröffentlichung der Ergebnisse für das vierte Quartal hervor.

IAG hatte im vergangenen April Interesse an Norwegian bestätigt. Da hatte der Konzern bereits Anteile erworben. Die Norweger ließen IAG jedoch abblitzen. Auch die Lufthansa hatte zwischenzeitlich Interesse an Norwegian angedeutet, Europas größter Billigflieger Ryanair winkte hingegen ab.

Norwegian sucht Airlinepartner

"Ich darf nicht verraten, mit wem wir noch sprechen", deutete Kjos aktuelle Verhandlungen mit möglichen Partnern an. "Aber es ist mehr als eine interessierte Partei an uns herangetreten." Lufthansa und IAG lehnten am Dienstag eine Stellungnahme zu Norwegian ab, Ryanair ließ eine Anfrage offen.

Norwegian fliegt mit rund 160 Jets und war in den vergangenen Jahren mit hohem finanziellen Einsatz stark gewachsen. Die Gesellschaft gilt als Vorreiter für Billigflüge auf der Langstrecke, unterhält gleichzeitig ein dichtes Europanetz und ging 2018 sogar mit einem Ableger in Argentinien an den Start.

Der wesentlich kleinere Norwegian-Konkurrent Primera Air legte im Oktober 2018 eine finanzielle Bruchlandung hin. Der isländischen Atlantikdiscounter WOW Air rettete sich durch einen Notverkauf an den US-Airlineinvestor Indigo Partners.

Kjos leitete bereits eigene Kurskorrekturen ein: Norwegian hat defizitäre Linien geschlossen, wird Crew-Standorte in Übersee auflösen und Flugzeuge verkaufen. Neben Lieferterminen für 60 Airbus A320neo will Norwegian eventuell auch begehrte Liefertermine für Boeing 737 MAX zu Geld machen.
© dpa-AFX, aero.de, Bloomberg News | Abb.: Norwegian | 29.01.2019 16:07

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Beitrag vom 29.01.2019 - 18:26 Uhr
Ob der unsicheren Eigentumssituation bei IAG in Bezug auf Brexitfolgen, war es durchaus klug sich nicht an IAG zu verkaufen. Da Länder wie die Schweiz, Island und Norwegen vom Binnenmarkt profitieren bei gleichzeitiger Anerkennung der Europäischen Regeln, kann das nur bedeuten, daß auch deren Airlines nicht mehrheitlich in außereuropäischem Besitz sein dürfen. D. h. die strengen europäischen Ownershiprules gelten auch für sie. In diesem Zusammenhang find ich es für überprüfenswert in wie weit WOW Air noch als Airline in Übereinstimmung mit den Onershiprules gewertet werden sollte, wenn sich nun mehrheitlich einem US-Investor gehören. Die USA würde dies umgekehrt nicht zulassen und deren Ownershiprules sind noch weit stringenter als die der EU. Die Foreign Ownership Cap liegt dort bei 25 Prozent vs. 49 bei uns. Interessant dürfte sein wie es GB mit Foreign Ownership in Zukunft hält.


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