737 MAX-Krise
Älter als 7 Tage

Boeing fürchtet um seine Fachkräfte

Boeing 737 MAX
Boeing 737 MAX, © Safran

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CHICAGO - Das Boeing-Management sucht nach einer Strategie, mit der es seine Fachkräfte trotz der Ungewissheit ob der 737 MAX im Unternehmen halten kann. Der US-Flugzeugbauer ist dringend auf deren Wissen angewiesen, er kann es sich nicht leisten, sie an andere Unternehmen zu verlieren.

Doch genau dies ist die Sorge. Zwar arbeitet die Boeing-Spitze auf Hochtouren daran, die Wiederzulassung der 737 MAX zu bekommen. Dennoch gibt es keine klaren Signale, wann es soweit sein könnte.

Insidern zufolge erwägt das Management, die 737 MAX-Produktion für einen klar definierten Zeitraum komplett einzustellen - in der Hoffnung, dass dieser Schritt weniger Entlassungen und Kündigungen zur Folge hätte als wenn es die Produktion ein weiteres Mal und auf unbestimmte Zeit herunterfahren würde.

"Wir arbeiten an der sicheren Rückkehr der 737 MAX in den Betrieb, prüfen weiterhin unsere Produktionspläne und investieren in die Gesundheit unserer Mitarbeiter, das Produktionssystem und die Lieferkette", teilt die Unternehmenskommunikation mit.

"Der Facharbeitermarkt ist eine von vielen Überlegungen, wenn wir unterschiedliche Szenarien planen. Wir werden weiterhin Arbeitsplätze in der Luft- und Raumfahrtindustrie unterstützen, die für die US-amerikanische und globale Wirtschaft von entscheidender Bedeutung sind."

Mit Boeing hoffen zahlreiche Zulieferer auf eine baldige Wiederzulassung der 737 MAX: die beiden größten, Spirit AeroSystems und CFM International haben in Absprache mit Boeing die Produktionsrate ihrer Teile bisher aufrechterhalten, obwohl Boeing selbst diese Rate im April um 19 Prozent senkte.

Spirit AeroSystems liefert siebzig Prozent der 400.000 Teile, die in der 737 MAX verbaut werden. CFM liefert die Triebwerke. Bisher konnten diese beiden Zulieferer ihre eigenen Zulieferer weiter beauftragen und so vor Einschnitten schützen.

Heiß begehrte Fachkräfte

Doch das ist keine Dauerlösung. Zulieferer kämpfen bereits jetzt darum, ihre Mechaniker und Ingenieure zu halten. Luftfahrtfachkräfte sind heiß begehrt - auch, weil das Pentagon die Ausgaben für Verteidung massiv erhöht hat und Boeing-Erzrivale Airbus seine neue Fabrik in Alabama aufbaut.

Dennoch: Boeing hat bereits 200 nagelneue 737 MAX gelagert und das Management muss sehen, wie es die Kosten der Krise stemmen soll. Laut der Agentur "Bloomberg" belaufen sie sich bereits jetzt auf 8,3 Milliarden US-Dollar.

Boeing-Chef Dennis Muilenburg brachte eine vorübergehende Schließung der Produktion im Juli ins Spiel. Von der Metallarbeitergewerkschaft IAM 751, die 30.000 Boeing-Mitarbeiter in der Gegend um Seattle vertritt, kommt eine klare Warnung, dies nicht zu tun.

"Jeder Gedanke an eine vorübergehende Stilllegung hätte einen negativen Effekt auf unsere Gemeinde und das gesamte Land", sagte Gewerkschaftsvertreter Jon Holden.

Sollte Boeing eine Einstellung der Produktion ankündigen, ehe die Wiederzulassung klar ist wäre das laut dem Analysten Ken Herbert "ein phänomenal schlechtes Signal an die Zuliefererkette." Für kleinere Zulieferer könne diese Entscheidung unwiderrufliche Folgen haben.

Das Beratungsunternehmen Alixpartners schätzt, dass allein am Boeing 737-Programm 90.000 Jobs hängen. Im vergangenen Jahr machte es 23 Milliarden US-Dollar an Exporten aus.

Wenn die 737 MAX erst wieder starten darf will das Boeing-Management die Produktion schnellstenswiederhochfahren - und erwartet von den Zulieferern, dass sie das mittragen können.

Für sie könnte das Warten auf die möglichen Auswirkungen der 737 MAX-Krise nicht deutlicher und nervenaufreibender sein. Ein blitzschnelles Hochfahren der Produktion oder deren vielleicht verheerende Verlangsamung: "Alle sind verdammt nervös", beschreibt es Ken Herbert.
© Bloomberg, aero.de (boa) | Abb.: Boeing, Safran | 29.08.2019 14:53

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Beitrag vom 02.09.2019 - 01:05 Uhr
Das geht dann wohl doch weit über ein Softwareupdate hinaus, wenn dieses Jahr ohne ungrounding beendet wird.

 https://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-konsumgueter/flugzeugbauer-neustart-der-boeing-737-max-verzoegert-sich/24961000.html

Mal sehen wie die EASA-Forderungen im Hardwarebereich umgesetzt werden.

Beitrag vom 01.09.2019 - 18:28 Uhr
Zwischen Zuliefern und selber Entwickeln und bauen ist ein Unterschied. Schau mal zur MS-21,919 oder dem SSJ. Da gehört eine Straße die mindestens 10 Einheiten im Monat und ein Supportnetz. Das ist besonders beim SSJ ein Knackpunkt.
Beitrag vom 31.08.2019 - 19:23 Uhr
Amerika braucht einen zweiten Hersteller für Linienflugzeuge, der Zwang Boeing zu unterstützen zu zieht die Glaubwürdigkeit der gesamten FAA und US Justiz runter.

Ich könnte mir sogar vorstellen das dieses krasse Outsourcing was Boeing betreibt von der Politik für genau solche Fälle (also quasi um Redundanz aufzubauen) gefordert wurde da dadurch viel Knowhow übertragen wird aber die Kostensenkungen sich wohl im Rahmen halten und die Gefahr von Qualitätsproblemen und Lieferverzögerungen massiv zunimmt.

Ich glaube nicht das die großen US Zulieferer wie Spirit wirkliche Probleme hätten selbst wettbwerbsfähige Linienflugzeuge zu entwickeln, ob die sich ethablieren können ist freilich eine andere Frage aber bei den heutigen Engpässen bei Airbus und Boeings Qualitätsproblemen ist das sicher begünstigt.


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