Patrick Ky
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EASA pocht auf letztes Wort bei der 737 MAX

Patrick Ky
Patrick Ky, © EASA

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BRÜSSEL - "Kein Zeitplan" für die Wiederzulassung: die Europäische Agentur für Flugsicherheit EASA pocht auf eine eigene Prüfung aller Änderungen, mit denen Boeing die 737 MAX wieder flugsicher machen will. Das Vertrauen in die Zulassungsmethodik der FAA ist weitgehend dahin.

Patrick Ky sprach Klartext: "Ich habe viel Respekt für meine Kollegen bei der FAA", holte der EASA-Chef am Dienstag vor dem EU-Verkehrsausschuss aus. "Aber sie müssen ihre Methodik (bei der Zulassung von Verkehrsflugzeugen, Red.) ändern."

Die US-Luftfahrtaufsicht habe in "Delegationsverfahren" die Zulassung der 737 MAX teilweise an Boeing übertragen. Die EASA werde noch "mit kritischem Blick" untersuchen, inwieweit der von einem Abgeordneten erhobene Vorwurf der "Auto-Zertifizierung" auch auf die von Boeing verbaute Trimmautomatik MCAS zutreffe.

Das MCAS steht in dringendem  Verdacht, Ausgangspunkt für die Kontrollverluste in den Cockpits der abgestürzten 737 MAX 8 von Lion Air und Ethiopian Airlines zu sein. In den USA wird die Zulassung der 737 MAX derzeit durch eine unabhängige Kommission aufgerollt.

Laut Ky sind die Verfahren der EASA besser abgesichert. "Wir fahren einen sehr strukturierten Ansatz", betonte Ky, Zwar könne auch die EASA mit ihren 800 Mitarbeitern nicht jede Software Zeile für Zeile überprüfen. "Das wäre schier unmöglich - aber alles, was sicherheitsrelevant ist, muss von uns zur Kenntnis genommen und validiert werden."

Die EASA hat die 737 MAX am 12. März für Passagierflüge in Europa gesperrt. Ky bekräftigte, dass die EASA vor einer Wiederzulassung jede von Boeing vorgenommene Änderung eigenständig prüfen und abnehmen werde. "Allein wir entscheiden."

"FAA in schwieriger Lage"

Der Fall 737 MAX hat die FAA laut Ky "in eine schwierige Lage" gebracht und das gegenseitige Vertrauen beschädigt. "Es ist sehr wahrscheinlich, dass internationale Behörden nun eine zweite oder eine weitere Meinung einholen werden", sagte Ky. "So war das vor einem Jahr noch nicht."

Laut Ky ist eine Wiederzulassung der 737 MAX im europäischen Luftraum weiterhin nicht absehbar. "Ehrlich gesagt, ist es mir unmöglich, einen Zeitplan dafür zu nennen", sagte Ky. "Als wir im April mit der FAA in Kontakt traten, hieß es Mai. Danach verzögerte sich die Sache - Monat für Monat."
© aero.de | Abb.: EASA | 04.09.2019 09:07

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Beitrag vom 05.09.2019 - 06:29 Uhr
Gibt es eigentlich schon Wetten darauf das die Kisten evtl. nie wieder fliegt??

Langsam könnte dies vorstellbar werden. (Für uns Außenstehende.)
Die Frage ist ja, was wissen / denken die Boeing Leute, dass dieses Problem lösbar ist, so dass weiterhin produziert wird, als wäre es kein ernsthaftes Problem.
Ich frage mich weiterhin, wenn evtl. das Modell wirklich nicht zulassungsfähig ist, ob dann eine Chance für das direkte Vorgängermodell am Markt besteht, um zumindest halbwegs weiter liefern zu können. (Und Geld reinzubekommen, für eine forcierte Entwicklung eines ordentlichen Nachfolgers.)
Beitrag vom 05.09.2019 - 00:13 Uhr
@responsive
Zustimmung, die Verzweiflung 2014 in Seattle muss groß gewesen sein. Es folgten die bekannten Fehler in der Konstruktion, eine Erbsünde die Boeing sehr lange anhaften wird.
Beruhigend für uns/mich als Passagier ist, dass die FAA sich mit der EASA kurzgeschlossen hat und quasi gleichlautend ggü. Boeing auftritt.
Beitrag vom 04.09.2019 - 23:31 Uhr
Gibt es eigentlich schon Wetten darauf das die Kisten evtl. nie wieder fliegt??
ich wette dagegen, der Schaden wäre viel zu groß, es werden dringend Flugzeuge benötigt und würde auch Airbus zu sehr stärken.

Wer verfolgt hat, wie damals bei der Bekanntgabe der 320neo die Bestellungen hereinpurzelten, sich die jetzigen Bestellungen anschaut und auch mitbekommen hat, das die Zulieferer nicht in der Lage sind den Anstieg in der Produktion zu liefern, den Airbus gern erreichen würde, dem sollte es sich erschließen, dass es keine Stärkung für Airbus bedeutet. Höchstens wenn sich die Anderen dann ganz weit hinten anstellen, oder auf den Nachfolger bei Boeing warten wollen/können.
Aber auch diese Spiele, ob Boeing das überlebt bringen sehr wenig. Es würde wohl uns alle als Nutzer auch nicht gut bekommen, wenn es nur noch einen Hersteller in dem Segment ab 100 Plätze gibt.
Leider hat das US amerikanische Prinzip "Maximaler Profit jetzt, egal was morgen ist" hier richtig seine Fratze gezeigt, aber vielleicht lernen sie jetzt. Die Hoffnung stirbt zuletzt.


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