Thomas-Cook-Insolvenz
Älter als 7 Tage

Condor erhält 380-Millionen-Euro-Kredit vom Staat

Condor Airbus A320
Condor Airbus A320, © Martin Rogosz

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BERLIN - Condor kann nach der Insolvenz des Mutterkonzerns Thomas Cook dank eines 380-Millionen-Euro-Kredits des Staates auf Rettung hoffen - Tausende Urlauber und Beschäftigte können vorerst aufatmen. Bund und Hessen gaben der Airline am Dienstagabend die Zusage über eine Bürgschaft für einen sechsmonatigen Überbrückungskredit.

Mit dem sogenannten Massedarlehen von 380 Millionen Euro bekommt der Ferienflieger auch finanziellen Spielraum, um sich möglicherweise von der britischen Muttergesellschaft zu lösen. Hessen betont, dass das Unternehmen sich nun ohne Thomas Cook neu aufstellen müsse. Condor spricht bereits mit möglichen Kaufinteressenten. Der sogenannten Rettungshilfe muss aber auch die EU-Kommission noch zustimmen.

"Die Bundesregierung hat heute entschieden, der Condor Flugdienst GmbH mit Sitz in Hessen ein zu 100 Prozent vom Bund garantiertes KfW-Darlehen als Massedarlehen in Höhe von 380 Millionen zu gewähren", teilte Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) mit. Er sieht damit eine Grundlage für eine gute Perspektive für den Ferienflieger. Es gebe die Möglichkeit, "viele" der fast 5000 Jobs bei Condor dauerhaft zu erhalten, sagte er in Berlin.

Zunächst müsse die EU-Kommission aber eine entsprechende Prüfung abschließen, hieß es. "Der Überbrückungskredit steht noch unter dem Vorbehalt der beihilferechtlichen Genehmigung." Man sei dazu jedoch "in konstruktiven Gesprächen" mit Brüssel. Mithilfe des Kredits könne Condor seinen Betrieb aufrechterhalten und sich aus dem Haftungsverbund des Thomas-Cook-Konzerns lösen. Hessen übernimmt eine Bürgschaft über 190 Millionen Euro.

Die hessische Landesregierung nannte die staatlichen Hilfen ein "starkes Signal" an den Ferienflieger. "Condor ist ein profitables hessisches Unternehmen, das durch seine britische Mutter und den Brexit zum Opfer zu werden drohte. Wir sehen zusammen mit dem Bund eine gute Perspektive, dass neue Eigentümer Condor langfristig in der Luft halten können", erklärten Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU), Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) und Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) in Wiesbaden. Für Condor fange mit dieser Unterstützung die Arbeit aber erst richtig an.

Am Abend hieß es auf dem Twitter-Account des Unternehmens: "Condor fliegt weiter." Man erhalte einen Überbrückungskredit des Bundes und setze den Betrieb "ganz regulär fort". Die Airline hatte zuvor erklärt, einen Antrag auf Eröffnung eines Schutzschirmverfahrens zu stellen. Dies ist eine Besonderheit des deutschen Insolvenzrechts. Damit wolle sich Condor von möglichen Forderungen der britischen Mutter befreien. "Dieser Schritt ist in der derzeitigen Lage das Beste für unsere Kunden, unsere Geschäftspartner und für uns. Denn wir erlangen so die volle Unabhängigkeit von der Thomas Cook Group plc und mehr Sicherheit für unsere Zukunft", betonte das Unternehmen.

"4900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Partner und Kunden von Condor danken der Bundesregierung und der hessischen Landesregierung für ihre Zusage", erklärte Condor. Die Fluggesellschaft sei ein operativ gesundes und profitables Unternehmen, das auch im laufenden Jahr ein positives Ergebnis verzeichnen werde.

Condor-Chef Ralf Teckentrup sagte am Dienstagabend, "wir sind in den letzten zwei Tagen bereits in Gesprächen mit solventen interessierten Parteien". Natürlich werde Condor mit den Interessenten ausloten, ob es intensivere Gespräche geben sollte. "Wir sind da guten Mutes." Nach seiner Darstellung beginnen die Gespräche mit möglichen Käufern nicht bei Null. Schließlich habe Thomas Cook seine Airlines bereits im Februar zum Verkauf gestellt.

Als möglicher Käufer wird ein Konsortium aus Lufthansa, TUI und Finanzinvestoren gehandelt, das Condor im Ferienflugmarkt fortführen könnte.

Brückenfinanzierung für den Winter

"Weil unsere Liquidität für die saisonal bedingt schwächere Buchungsperiode von unserer insolventen Muttergesellschaft verbraucht wurde, benötigen wir diese Brückenfinanzierung für den Winter", so Condor-Chef Teckentrup. "Die Zusage ist ein wichtiger Schritt zur Sicherung unserer Zukunft."

Die Bundesregierung hatte im August 2017 nach der Insolvenz von Air Berlin einen Kredit über 150 Millionen gewährt, um die Fluggesellschaft in der Luft zu halten und die Rettungschancen zu verbessern. Das Darlehen ist inzwischen komplett zurückgezahlt worden, wie ein Sprecher des Insolvenzverwalters vor Kurzem sagte.

Auch der deutsche Reiseveranstalter Thomas Cook hat einen Überbrückungskredit beantragt. Er ist ebenfalls durch die Pleite der britischen Muttergesellschaft in Bedrängnis geraten.

Flughäfen und Gewerkschaften hatten die Bitte des Unternehmens um Staatshilfe unterstützt. Condor ist ein wichtiger Partner für deutsche Reiseveranstalter. Im Schnitt sind nach Angaben des Unternehmens weniger als ein Fünftel der Condor-Passagiere Gäste der Thomas-Cook-Veranstaltermarken. Angesichts der bevorstehenden Herbstferien wäre ein Ausscheiden Condors aus dem Markt für die Tourismusbranche ein großes Problem.
© dpa | 24.09.2019 20:28

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Beitrag vom 25.09.2019 - 12:17 Uhr
Ich frage mich die ganze Zeit, wie Condor als Tochter der insolventen TC einfach so einen Kredit aufnehmen kann. Der kommende Winter wird auf jeden Fall defizitär, so daß das Geld verbraucht sein wird.

Bei einer Verwertung der Condor als Vermögenswert der TC kommen dann 380 Mio weniger in die Kasse, weil ein potentieller Käufer die Rückzahlung des Kredites natürlich von seinem Kaufpreis abzieht.

Bei einem operativen Gewinn von 40-50 Mio (unter alten Bedingungen) drängt sich die Frage auf, ob ein Preis über 380 Mio überhaupt erzielt werden kann. Die Flieger voll zu halten, wird sehr schwierig, die Luftfahrt ist ein volatiles, für externe Schocks anfälliges Geschäft - und auch wenn die irgendwann wirklich mal fällige Flottenerneuerung komplett auf Leasing basiert, kostet sie extrem viel Geld. Daran haben sich schon einige Airlines fast verhoben - siehe damals LTU bei der Umstellung auf Airbus.
Beitrag vom 25.09.2019 - 11:49 Uhr
das wird die Condor nie zurückzahlen können. Der Gewinn (der nur bei etwa 3% liegt) resultiert nur daraus daß die sehr alten Maschinen günstig im Leasing sind. Selbst die 25 Jahre alten 757/767 gehören Condor nicht (bis auf 3 Stück).
Wenn dann noch die Thomas Cook Passagiere wegbrechen und keiner Flüge bucht ohne Sicherungsschein aus einer Pauschalreise wird das sehr sehr dünnes Eis denke ich.
Beitrag vom 25.09.2019 - 10:26 Uhr
@ A320Fam "Sitzt nicht Spohr auf dem Stuhl den Tecke einst mal am Horizont für sich vorsah?"


Yep - genau so war es - aber der Tecke wurde "gewogen und für zu leicht befunden" - offenbar zu Recht, wie Sein an der Insolvenz mehrfach vorbeigeschrammte CONDOR nun bestätigt;

ich freue mich natürlich auch für die Kollegen -& innen daß die Traditionsfirma CONDOR (erst einmal) gerettete zu sein scheint -
aber jetzt muß das Vertrauen der Kunden zurück gewonnen werden, und vor allem die 25 alten B 757/767 Mühlen ausgeflottet und durch moderneres/ spritsparenderers Gerät /nach >25 Jahren !/ ausgetauscht werden;

Mich verwundert allerdings auch die doppelte Höhe des ursprünglich angefragten Staats-Kredites von 380 Mio. - die hatte man z.B. der Fa. DORNIER seinerzeit umme 1997 nicht gegönnt, hat den letzte (!) eigenständige Verkehrs-Flugzeug-Hersteller Fa. damals in Konkurs gehen lassen -
weil der Dr. Stoiber damals lieber 700Mio. Mark dem Amigo Leo Kirch - von Pro7SatMedia - überwiesen hat, der damit später doch bankrottging;
auch das Bsp. zeigt, daß ein Staatskredit die Entscheidung über "Hop- oder Top" leider nur aufschiebt...

zunächst müßte mal das unfähige CONDOR Management seinen Hut nehmen - das wäre mal ein Anfang einer echten Re-Strukturierung - nix da "pille-palle" und weitermachen wie bisher...


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