Zwischenfälle im US-Luftverkehr
Älter als 7 Tage

Leichte Jets und Zukunftsängste

New York La Guardia Airport
New York La Guardia Airport, © New York La Guardia Airport

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WASHINGTON - Airlines schicken ihre Flugzeuge nach und nach wieder auf Tour. Noch ist die Nachfrage gering und die Flüge sind bei Weitem nicht ausgelastet - wenige Passagiere, kaum Gepäck und ein deswegen geringes Gewicht verändern das Flugverhalten. In den USA hat das zu Zwischenfällen geführt.

Ein beinahe leerer Jet ist "wie eine Rakete gestiegen" und zwang die Piloten dazu, höher zu fliegen, als die Fluglotsen es erlaubt hatten. Andere Piloten berichten anonym im NASA Aviation Safety Reporting System, dass das Heck ihres Flugzeugs beim Start auf dem Boden aufsetzte.

Wieder andere konnten den Kurs nicht halten oder kamen Flugzeugen so nahe, dass eine Kollisionswarnung ausgelöst wurde.

Ein Team aus Fachleuten der US-amerikanischen Flugsicherheitsbehörde FAA, von Gewerkschaften und Airlines hat im Mai über 50 Warnungen zu Besonderheiten herausgegeben, die während der aktuellen Ausnahmesituation im Flugbetrieb beachtet werden sollen.

Dabei geht es um Hinweise zu Starts und Landungen mit außergewöhnlich leichten Flugzeugen, den Stressfaktor, dem Crews wegen der Ansteckungsgefahr mit dem neuartigen Coronavirus ausgesetzt sind, und mögliche Kerosinlecks bei länger geparkten Jets. 

"Diese dynamischen Veränderungen stellen unsere Systeme und Prozesse auf die Probe", heißt es in einem der Dokumente. Tausende Flugzeuge weltweit sind geparkt, einige auf den Start- und Landebahnen der großen Flughäfen. Eine normale Flugroutine gibt es derzeit nicht, Trainings werden verschoben. Crews fürchten neben einer Ansteckung auch den Verlust ihres Arbeitsplatzes.

"Keine normale Situation"

"Sicher gibt es die Sorge, dass all diese Faktoren die Crews ablenken und zu einer unerwünschten Situation führen könnte", sagte Hassan Shahidi von der Flight Safety Foundation. Bisher ist es ihm zufolge nicht zu bedrohlichen Zwischenfällen gekommen. 

Dennoch: Fachleute beobachten Zwischenfälle und besondere Vorkommnisse mit erhöhter Aufmerksamkeit, um Probleme auszumachen, ehe sie bedrohliche Dimensionen erreichen.

Sorge bereitet ihnen laut Bahrami die Häufung sogenannter Tail Strikes, also Flugzeuge, die beim Start mit dem Heck an der Startbahn kratzen. Ein weiteres Problem sind Personalengpässe bei der Flugsicherung. Vermehrt fallen Lotsen wegen einer Coronavirus-Infektion kurzfristig aus. "Änderungen und Unvorhersehbarkeit sind keine guten Faktoren für unser System", sagte FAA-Mitarbeiter Teri Bristol. 

In den vergangenen Wochen ging es wegen der vielen geparkten Flugzeuge auch verstärkt darum, Rangierunfälle am Boden zu verhindern.

"Dies ist keine normale Situation", sagte Steve Jangelis von der Air Line Pilots Association. "Wir werden unseren Weg hier heraus finden. Wir müssen sicher stellen, dass wir dabei langsam, methodisch und sicher vorgehen."
© Bloomberg, aero.de (boa) | Abb.: United Airlines | 15.06.2020 13:00

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Beitrag vom 15.06.2020 - 21:49 Uhr
Als jemand der zwar kein Flugzeug fliegen, aber Load/Trimsheets berechen kann, frage ich mich, warum in der heutigen Zeit plötzlich Flugzeuge bei geringer Zuladung kritische Flugverhalten zeigen sollen?
Auch vor Corona flogen täglich minimal beladene Flugzeuge auf der Welt herum. Gerade bei den sehr frühen oder sehr späten Kontflügen ist die Auslastung der Flugzeuge oft unter 10%. Das betrifft Pax, Koffer und Fracht/Post. Ich gehe einmal davon aus, dass sich diese Situation auch in den USA wieder findet. Deshalb wäre es doch logisch, dass man bereits in der Vergangenheit auf diese zu bestimmten Zeiten gehäuften Vorfälle aufmerksam geworden wäre?
Oder betrifft dies vor allem Widebody Flugzeuge, welche hier aber nicht explizit genannt werden. Hier könnte ich mir durch ein geringes TOW/LAW eine Zunahme vorstellen. Aber jedes Flugzeug ist meines Wissens so konstruiert, dass es auch bei geringem Gewicht in seinen Limits und beherrschbar bleibt. Aber wie bereits erwähnt, ich fliege nicht selbst, sondern berechne nur, was fliegbar wäre.
Beitrag vom 15.06.2020 - 20:56 Uhr
Frage zu den Tailstrikes und "steigen wie eine Rakete":

Kann es sein, dass Passagiere und Gepäck zwar nur einen kleinen Teil des TOW stellen aber aufgrund der teilweise weiten Entfernung zum Drehpunkt einen unerwartet großen Anteil an der Drehmoments-Trägheit um die Querachse haben?

Während sich ein Großteil der Masse der Maschine nahe am Schwerpunkt befindet ( Tragflächen, Triebwerke, Hauptfahrwerke, Tanks, ... ) und damit einer Drehung um die Querachse wenig Trägheit entgegensetzt, verteilen sich Passagiere und Ladung längs der Maschine.
Je weniger Passagiere und Fracht daher an Bord sind, desto weniger träge reagiert das Gesamtsystem daher auf Kräfte, die um die Querachse drehen sollen, also das Höhenruder.

Sind Piloten heutzutage so mies ausgebildet, dass sie nicht mal mit einem leeren Flieger zurecht kommen?

Ich denke mal viele Piloten sind es schlicht nicht gewohnt mit fast leeren Maschinen zu fliegen. Auch im Simulator wird wohl üblicherweise der typische Einsatzfall irgendwo >80% MTOW simuliert.
Langjährig eingeübtes Routine Vorgehen plus ein paar Corona-bedingte Stressfaktoren und ruck zuck ist der Lack am Heck ab...

Dieser Beitrag wurde am 15.06.2020 21:03 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 15.06.2020 - 15:43 Uhr
Jammerei in den Luftraum
Dieser Situationsbericht scheint wohl die Äußerungen diverser "Analysten", vornehmlich aus USA, wiederzugeben, substantiell eine Menge von Phantastereien:
*** Ein beinahe leerer Jet ist "wie eine Rakete gestiegen" und zwang die Piloten dazu, höher zu fliegen - ja sind denn die Leistungshebel alle eingerostet
*** Wieder andere konnten den Kurs nicht halten oder kamen Flugzeugen so nahe, dass eine Kollisionswarnung ausgelöst wurde - wie soll denn das mit dem TOW zusammenhängen ?????
*** Sorge bereitet ihnen laut Bahrami die Häufung sogenannter Tail Strikes - solange TOW und COG im zulässigen Bereich liegen kann der Stick das verhindern, war mal Teil des TypeRating

Bei z.B. der 777 mit 300tTOW und 350Paxen (100kg incl. Gepäck) macht die Payload gerade mal 11% vom TOW aus, also das kann es doch nicht sein solch eine Jammerei in den Luftraum zu blasen !


Dieser Beitrag wurde am 15.06.2020 18:52 Uhr bearbeitet.


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