Eklat in Kloten
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Swiss bricht Verhandlungen mit Piloten ab

Swiss Airbus A321neo
Swiss Airbus A321neo, © Swiss

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ZÜRICH - Verhandlungen zwischen Swiss und der Cockpitgewerkschaft Aeropers enden im Eklat. Die Schweizer Lufthansa-Tochter erklärt das Ringen um einen Krisenbeitrag der Piloten für gescheitert - und hat den Tarifvertrag gekündigt. Aeropers argwöhnt einen Versuch, Tarifwerke in der Krise dauerhaft auszuhöhlen.

Harte Landung in Kloten: Swiss und Piloten finden in der Krise keinen gemeinsamen Nenner. Airline und Aeropers hatten seit August ihre gegenseitigen Schmerzgrenzen ausgelotet.

Aeropers strebte ein "temporäres Maßnahmenpaket" bis 2022 an. Das Ablaufdatum war den Piloten nach Angaben vom Samstag im Gegenzug "Einsparungen von bis zu 20 Lohnprozenten, die Möglichkeit zu Mehrarbeit und viele Flexibilisierungen" wert - unter dem Strich eine Entlastung um 130 Millionen Franken, rechnet die Gewerkschaft vor.

Swiss findet das "nicht ausreichend". Die Airline kehrt jetzt zu ihrer Eingangsforderung nach einem komplett "neuen Gesamtarbeitsvertrag" zurück - Swiss will langfristig die Kosten im Cockpit senken und hat den Tarifvertrag "GAV 2018" per 31. März 2022 gekündigt.

Schlichtung "diskussionslos abgelehnt"

"Ohne substantielle Beiträge und erweiterte Handlungsmöglichkeiten während der Corona-Krise ist es aus unserer Sicht unternehmerisch nicht zu verantworten, den aktuellen Gesamtarbeitsvertrag beizubehalten", sagte Swiss Betriebsvorstand Thomas Frick.

Das Tischtuch zwischen Piloten und Management dürfte erstmal zerschnitten sein, zumal Swiss offen mit einem Abbau von Cockpitjobs ab April 2022 droht: "In den nächsten Jahren besteht bei Swiss aufgrund der Reduktion der Flugbewegungen ein signifikanter Überbestand an Pilotinnen und Piloten", ließ die Airline die Gewerkschaft am Samstag wissen.

"Offensichtlich sieht die Swiss (...) in der Krise eine Chance, aus ihrer Sicht schon länger störende Teile des GAV für immer abzuschaffen", sagte Aeropers-Präsident Kilian Kraus. Auf das Vorgehen in den nächsten 13 Monaten, "die für die Bewältigung der Krise entscheidend sind", habe der Rückzug von Swiss aus dem Tarifvertrag jedenfalls "keinen Einfluss".

Laut Aeropers hat Swiss eine Schlichtung "diskussionslos abgelehnt". Das bestätige "den Eindruck, nicht ernsthaft an einer sozialpartnerschaftlichen Lösung interessiert zu sein", teilte die Gewerkschaft mit.

Erst im Januar hatte sich Aeropers mit der Swiss-Tochter Edelweiss auf eine Krisenregelung verständigt, die bis 2024 in Etappen den Vorkrisentarif wieder herstellt. Der Mutterkonzern Lufthansa hat mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit eine Übergangsregelung bis 2022 abgeschlossen.
© aero.de | Abb.: Swiss | 06.02.2021 18:30

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Beitrag vom 08.02.2021 - 12:07 Uhr
Unverständlich, dass sofort wirkende Einsparungen nicht wahrgenommen werden und stattdessen die Krise für strategische KV-Verhandlungen ausgenutzt wird. So schlecht scheint Swiss also nicht dazustehen, wenn man dafür das Geld hat...
Das ist eine einfache Gleichung. Einmal sparen und danach ist es wie vorher oder einmal verzichten und dann langfristig mehr sparen.

Das mit dem Langfristig sparen lassen wir mal besser dahingestellt sein..
Warum? Es ist doch eine einfache Gleichung. Wenn Sie hier jetzt andere Unzulänglichkeiten in Spiel bringen ändert es doch nichts an der Logik. Die Unzulänglichkeiten werden, das ist zu befürchten, auch bei einem geänderten MTV/VTV bestehen bleiben.
Es war in den 20 Jahren meiner Berufskarriere immer ein Auf und Ab mit der Personalsituation in der Luftfahrt. Vorletztes Jahr habe ich noch sehr luktrativ meinen Urlaub verkauft. Und das nicht zum ersten Mal. Und auch davor gabs Krisen.....Und immer wieder gabs bald danach zu wenig Personal und sehr kostspielige Lösungen für die Einsatzplanung mich doch noch zum Fliegen in den Überstunden zu bewegen oder der Flieger bliebe stehen.

Klar, die können nun x % entlassen und es wird weh tun, macht ggf jetzt heute Sinn.
Aber der Tag, an dem man sich nach dem Kahlschlag dann selbst in den "Engpass" gefahren hat wird kommen.
So wie er immer kam. Es ging plötzlich aufwärts aber man hatte kein Personal. Und das geht dann allen Airlines so...
Und die Gehälter sind dann ratz fatz wieder da wo sie mal waren ...
On top gibts dann Payback seitens der MA.
Vor Corona waren 300.000 Dollar Jahresgehalt keine Raritäten im Pilotenbusiness wenn man Erfahrung hatte.
Klar, viele haben diesen lukrativen Job nun temporär verloren, aber wenn ich 5 Jahre diese Summen verdient habe, kann ich ganz entspannt 1-2 Jahre am Pool verbringen.
Möglich, aber es ist spekulativ. Da die großen Airlines viel Personal halten konnten, aber viele Kleine Personal freigstellt haben und auch nicht mehr existieren, wird in nächster Zeit ein Angebot an Piloten im Markt sein. Wie lange das vorhält wird man sehen, aber in der Zwischenzeit einen großen Ausbildungsbetrieb mit seinen Kosten am Leben zu halten ist zumindest zu überprüfen. Da es trotz eigener Ausbildung mit der Personalplanung nie so richtig geklappt hat, kann das Modell durchaus hinterfragt werden. Vielleicht ist eigene Ausbildung viel zu schwerfällig um auf Veränderungen reagieren zu können.

Für die Pilotenschaft ist es doch, nach Ihrem Modell, gut wenn es Bewegung gibt. Mangel erhöht die Preise, das wollen Sie doch. Wenn Sie dann noch die jeweils richtige Welle nehmen, dann haben Sie The Best of all Worlds. Glückwunsch.
Mal im Ernst : Gereist wird / wurde immer, und die Frage ist nicht OB sondern wann. Keiner macht plötzlich nur noch Urlaub im Schwarzwald.
Oder steht auf Dauer-Zoom Konferenzen.
Gerade nicht die Leute, die gerne auf Businesstrips waren.
Und viel mehr Arbeit als Sie glauben geht nur "vor Ort".

Kann keiner den Zeitpunkt der Wende vorhersehen, aber mit den Impfungen selbst in diesem Schneckentempo....

Ich würde als CEO wirlich überlegen, ob die paar Monate 21 es wert sind, diesen MA Streit vom Zaun zu brechen oder nicht doch die kurzfristig aber sofort zur Verfügung stehenden Einsparungen zu nehmen. Jetzt brauche ich Liquidität. 2022 brauche ich diese ggf ja nicht mehr.
Ah, die Heldenretter. Die Liquidität ist ja da, die 150Mio machen den Kohl nicht fett. Wenn man jetzt die 150Mio verschmäht aber im Gegenzug jedes Jahr 20 Mio +/- durch den neuen TV spart...
Und dann wirds Forderungen oder Streik geben , und der CEO zahlt oder kann am Aufschwung nicht teilnehmen, weil kein Personal.
s. o. das geht. Bei der Swiss mietet man dann einfach mehr von Helvetic. Das sollte arstellbar sein. Wäre aber auch ein Luxusproblem.
Und dann wirds nicht mehr so billig.
Und warum wirds so kommen: weil man ja nun auch wie immer in den Krisen Hals über Kopf in der Pilotenausbildung alle Stöpsel zieht.
Statt in der Low Time endlich mal genug auszubilden, damit man die Spitzen abfedern könnte
Spitzen sind Spitzen. Wenn Sie da dauerhaft Personal vorhalten, dann deckt das nicht nur die Spitzen, sondern kostet auch in den Tälern. Einfache Rechnung. Wenn Sie das an Ihrer hohen Urlaubsprämie festmachen, erscheint das teuer, aber über einen längeren Zeitraum kann es durchaus günstiger sein.
Aber auch das hat in 20 Jahren nie einer gerafft. Und genau deshalb wirds recht bald wieder voll werden auf dem Konto und in der nächsten Krise gibts ne schöne Auszeit am Pool.
Ist doch super.

Aber schauen Sie sich mal das Luxussegment an. Uhren Taschen Autos Villen etc. Es gibt genug Leute mit Geld.
Und die werden sich LCC nicht geben. Dazu noch, dass jede x-beiliebige Schnarchnase heute auf Insta Promi macht. Gibt keine coolen Fotos mit ner Cola bei FR. Die Leute sind einfach gestrickt.Und wenn jeder von denen nur 1x ein teures Ticket kauft langt es... Da mache ich mir keine Sorgen.

Es spricht also nichts gegen eine Koexistenz beider Welten. Und wenn MOL mal Langstrecke anbieten würde, klar wirds ne Kundschaft geben.
Diese hätte aber auf nem teuren Carrier eh nur ne 0 Nummer gemacht, weil sie nichts extra gekauft hätten. Da stellt sich die Frage, ob man nicht darauf verzichtet, alle bedienen zu wollen, sondern sich gerne mal als richtiger Premium Carrier dazustellen vermag.
Das ist nicht richtig. Der Verkauf von Sonderprodukten rund um die Reise und On-Board hat sich von 2014 bis 2018 verdreifacht. Die LowCoster haben regelmäßig Zuwächse von 20+%. Das Modell ist fest beim Kunden etabliert. Das geht nicht weg, nur weil man es nicht gut findet. Das ist im KFZ Markt auch schon etabliert. Sehr dünnes Basismodell und dann alles Extra. Auch im Topsegment. Schauen Sie mal bei Audi.

Und das ist der Knackpunkt bei LH:

LH es versucht es schon zu lange es allen gerecht zu werden. Das ist der Fehler der LH. Entweder man macht mal richtig auf gut und geil oder richtig auf billig. LH versucht beides im selben Flugzeug.
Das hat aber bisher ganz gut funktioniert. Mit diesem Modell wurden in den letzten Jahren mehrfach die höchsten Gewinne eingefahren. Das Condor Modell konnte jedoch nicht so richtig überzeugen und der wahre PremiumCarrier, Qatar, hat in genau diesen Jahren in jedem Jahr Verluste eingefahren. Das Top Produkt hat sich nicht von selbst, sondern nur überd den Preis verkauft.
sie noch nie. Auch EW Discover nicht, denn für den lausigen LCC Service sind sie zu teuer. Dann fliege ich auch lieber mit FR etc... Und nein EW Discover würde sich auch nicht rechnen, wenn das gesamte Bordpersonal ! für lau fliegen würde. Diese Diskussionen sind so ausgelutscht.
Wie Sie fliegen FR? Ich dachte die Leute mit Geld, das haben Sie ja durch das Missmanagement Ihrer Airline reichlich, gönnen sich Luxus. Irgendwas passt da nicht zusammen.



Dieser Beitrag wurde am 08.02.2021 12:16 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 08.02.2021 - 11:50 Uhr
Aber von den Arbeitsbedingungen bei Ryanair kann man keine 1-2 Jahre am Pool überbrücken, von denen @Boeing757767 hier berichtet. Darin liegt in den Augen der VC mutmaßlich die Ungerechtigkeit...
Doch das würde schon gehen. Man hat dann halt keinen Longdrink in der Hand sondern eine Waschbürste.
Beitrag vom 08.02.2021 - 10:19 Uhr
Es wird nicht besser…

" In D geht es aber nur noch darum, dass " was ich nicht hab soll auch kein anderer haben..."

100%ige Zustimmung.
Und darum wird's auch keinen Covid-Impfpass geben.

Es gibt einen Covid Impfpass. Natürlich wird die Impfung dokumentiert, ggf. in ihrem Impfpass.

Es geht darum, dass derjenige der geimpft ist Vorteile hat gegenüber demjenigen der nicht geimpft ist, z.B. bei Reisen, Gaststättenbesuchen, Veranstaltungen etc.

Vielen Dank für die Erklärung worum es ihnen geht. Das konnte man aus ihrem vorherigen Post nicht wirklich ableiten.


Ist jetzt der Groschen gefallen?

Dank der zusätzlichen Informationen habe ich jetzt eine Vorstellung was sie meinen… falls das die Frage ist.


Und hier noch was zum Lesen und Denken (falls möglich):

Ich bemühe mich wirklich sie zu verstehen, was nicht einfach ist. Ihre Unhöflichkeit lasse ich aber unbeantwortet.


 https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/hanks-welt/hanks-welt-vorfahrt-fuer-geimpfte-17160921.html


Wenn man nicht selbst ausdrücken kann was man meint ist es manchmal hilfreich auf Äußerungen anderer zu verweisen. Vielen Dank dafür. Ich verstehe sie jetzt besser.

Der Kommentar des Herrn Hank ist etwas länglich weshalb ich ihn nur überflogen habe. Offenbar geht er in die gleiche Richtung in die sich auch unser Bundesaußenminister vor einigen Tagen geäußert hat: Es dürfen keine Privilegien erteilt werden aber es müssen die Grundrechte wiederhergestellt werden.

Also: es geht um die Rücknahme von Einschränkungen und nicht um das Einräumen von Vorteilen. Und ich gönne es jedem wenn er/sie wieder Dinge tun darf die aktuell eingeschränkt sind.


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