Verwandte Themen
Vor fast 30 Jahren ist ein Flugzeug der Fluggesellschaft Birgenair auf dem Weg nach Deutschland kurz nach dem Start abgestürzt. Unter den Opfern waren auch viele Deutsche, deren Angehörige noch heute trauern.
Die Boeing 757-200 TC-GEN stürzte am Abend des 6. Februar 1996 Ortszeit kurz nach dem Start in Puerto Plata vor der Dominikanischen Küste ins Meer. Alle 189 Menschen an Bord sterben. 164 deutsche Urlauber waren in dem Flieger, der in Berlin-Schönefeld und am Flughafen Frankfurt landen sollte. Auch 13 Besatzungsmitglieder waren unter den Toten.
Eine Pitotsonde war verstopft, mutmaßlich durch ein Wespennest. Den Piloten wurden deshalb unterschiedliche Geschwindigkeiten angezeigt. Die Crew verkannte im Steigflug die tatsächliche Fluglage und überzog - die 757-200 stürzte aus rund 2.000 Meter nach einem Strömungsabriss ins Meer.
Melanie Klinke-Moser kann sich an den Moment, in dem sie hat erwachsen werden müssen, genau erinnern. Es war der 7. Februar 1996, etwa 16.00 Uhr, sie stand an einer roten Ampel einen Kilometer vor ihrem Elternhaus in Abstatt, war auf dem Heimweg von ihrer Ausbildung als Erzieherin.
"Und ich hab dann im Radio gehört - es gab ja noch kein Internet, Handy, es gab ja sonst keine Verbindungen -, dass ein Flugzeug abgestürzt ist", sagt sie. "Und ich wusste sofort, dass es das Flugzeug meiner Eltern ist. Das war so ein Gefühl."
Sie war gerade 20 Jahre alt geworden. Zwei ihrer Geschwister waren 17 Jahre alt und der jüngste Bruder gerade einmal neun. Von jetzt auf gleich hatte Klinke-Moser die ganze Verantwortung. Als sie von dem Flugzeugabsturz im Radio hörte, war es schon mehrere Stunden her, dass die Boeing 757 vor der Dominikanischen Küste ins Meer gestürzt war.
"Dann bin ich heimgefahren und zu Hause war unser ganzes Haus schon voll mit Bekannten und Verwandten", erinnert sich die heute 50-Jährige. Es seien immer mehr Leute gekommen. "Ich hab einfach nur dann funktioniert. Irgendwie war klar, ich bin jetzt die Älteste bei uns", sagt sie. "Dann haben wir die ganze Zeit Fernseher geschaut und versucht, irgendwie an Informationen zu bekommen."
Kurz vor dem Jahrestag ist es für Klinke-Moser besonders schlimm. "Prägnant sind runde Jahrestage, weil ich da vorher Geburtstag hatte", sagt sie. Dieses Jahr wurde sie 50. "Und das war jetzt noch mal so Thema, weil: Meine Eltern sind nicht so alt geworden wie ich."
"Am Gedenktag ist alles wieder ganz nah und tut enorm weh"
"Der 30. Jahrestag ist für die Angehörigen ein sehr schmerzhafter Tag", sagt Sybille Jatzko von der Stiftung Katastrophen-Nachsorge. Sie begleitet Betroffene seit dem Absturz in einer Gruppe, die sich zweimal im Jahr trifft. "Sie haben gelernt, mit dem Verlust zu leben. Aber am Gedenktag ist alles wieder ganz nah und tut enorm weh."
Die Gruppe aus rund 40 Angehörigen gebe sich untereinander viel Kraft. "Es gibt bis heute einen großen Zusammenhalt und viele intensive Freundschaften", sagt die Trauma-Expertin, die die Nachsorge-Gruppe kurz nach dem Absturz ins Leben rief. Anfangs habe man auch besonders die vier Geschwister, die zu Vollwaisen geworden seien, unterstützt.
Zur Gedenkfeier am 7. Februar in Frankfurt hätten sich auch Angehörige angesagt, die seit Jahren nicht mehr gekommen seien. "Der 30. Jahrestag ist offensichtlich noch mal eine magische Zahl", meint die Psychotherapeutin im bayerischen Sonthofen. Beim Gedenken würden die Namen aller 189 Todesopfer vorgelesen.
Dann gehe man gemeinsam zum Gedenkstein für die Opfer auf dem Hauptfriedhof. Dort sei eine Urne eingelassen mit Überresten aus dem Meer geborgener Leichenteile. Man fühle sich verbunden: "Da ist ja irgendwie die Seele von all den Angehörigen drin", meint Jatzko.
© dpa, aero.de | Abb.: DGAC | 07.02.2026 06:52







Kommentare (0) Zur Startseite
Um einen Kommentar schreiben zu können, müssen Sie sich bei aero.de registrieren oder einloggen.