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"Mit Swiss hat es von Anfang an gestockt"

Swiss Airbus A321neo
Swiss Airbus A321neo, © Swiss

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ZÜRICH - Eine Einigung zwischen Swiss und Piloten war zum Greifen nahe. Den Piloten schwant nach dem Rückzug der Airline aus den Verhandlungen Übles - hat Swiss am Ende doch nur Schmerzgrenzen ausgetestet? Die Cockpitgewerkschaft Aeropers hält Gespräche über einen neuen Tarifvertrag für verfrüht.

Das sechsmonatige Tauziehen um eine Krisenregelung bei Swiss endete abrupt - Swiss hat vergangene Woche die Gespräche mit Aeropers über ein temporäres Krisenpaket abgebrochen, den Tarifvertrag gekündigt und eine Schlichtung abgelehnt.

"Obwohl wir das Gefühl hatten, einer Einigung langsam näher zu kommen", hat der Swiss-Rückzieher die Piloten am Ende "nicht total überrascht", sagte Aeropers Vorstandssprecher Thomas Steffen aero.de. "In sieben halben Verhandlungstagen haben wir die Einigung mit Edelweiss geschlossen, mit Swiss hat es an Anfang an gestockt."

Die Krisenregelungen aus dem GAV 2018 und die Zusagen von Aeropers bei Löhnen, Pensionen und verordneter Teilzeit hätten Swiss laut Steffen "über 28 Monate um 130 Millionen Millionen Franken" entlastet - die Piloten hätten auf ein Fünftel ihrer Bezüge verzichtet und zusätzlich Lockerungen bei den Themen Wetlease mit Edelweiss und Kündigungsschutz angeboten.

"Wir sind uns bewusst, dass die Corona-Krise alle Airlines vor immense Probleme stellt", sagte Steffen. Nach Ansicht der Piloten hatte Swiss bei den Verhandlungen aber nicht allein die Überwindung der Krise im Sinn.

"Bei Edelweiss wurden wir mit Forderungen konfrontiert, die aus unserer Sicht klar begründet waren und einen Zusammenhang mit der Krise aufwiesen", sagte Steffen. "Bei Swiss hatten wir das Gefühl, es werden alle Forderungen, die sie sich die letzten zehn Jahre ausgedacht haben, jetzt auf den Tisch geblättert - wie bei einem Wunschzettel. Wenn man in der Krise, während alle nur von Abbau sprechen, darüber verhandelt, ob man Direct-Entry-Kapitäne einstellen kann, geht es dabei wohl höchstens darum, in ferner Zukunft den Profit zu maximieren."

Machtwort der Luftfahrtstiftung?

Swiss will mit Aeropers jetzt über einen neuen Tarifvertrag ab April 2022 sprechen - für die Piloten ist das allenfalls ein Plan B. "Wir stehen weiterhin zu unserem Angebot und haben auch eine Mediation oder eine Schlichtung vorgeschlagen. Beides hat Swiss bisher abgelehnt", sagte Steffen.

Die Gewerkschaft strebe unverändert eine "temporäre Lösung" an. "Falls die Geschäftsleitung der Swiss weiterhin nur das Aushandeln eines neuen GAV anbietet, dann werden diese Verhandlungen nicht sofort beginnen können", sagte Steffen. "Wir müssen dann zuerst wieder Kräfte sammeln, die Lage analysieren und die Verhandlungen intern vorbereiten. Die Restlaufdauer des aktuellen GAV von mehr als einem Jahr gibt uns diese Zeit."

"Auch wenn die Positionen im Moment unvereinbar erscheinen, finden aktuell Bemühungen statt, die Gespräche für eine Vereinbarung zu temporären Massnahmen wieder aufzunehmen", sagte Steffen. "Diese Anstrengungen sind in unserem Sinne und der Ernst der Lage gebietet es, dass Aeropers und die Geschäftsleitung der Swiss zusammen Lösungen finden, um diese Krise gemeinsam zu bewältigen".

Die Piloten hoffen, dass die Schweizer Luftfahrtstiftung, mit der die Schweiz nach Staatshilfen die Entwicklungen bei Swiss im Auge behält, Swiss zurück an den Verhandlungstisch holt. Ein Fingerzeig der Politik an die Airline wäre "wünschenswert", sagte Steffen.
© aero.de | Abb.: Swiss | 13.02.2021 09:00

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Beitrag vom 13.02.2021 - 16:10 Uhr


Aus meiner Sicht geht es um den berühmten Manager-Spruch: "Lass keine Krise ungenutzt!" Die Rendite nach der Krise soll jetzt schon optimiert werden. Leider über Gebühr.

Never waste a good crises.

Macht LH in Frankfurt mit ihren Piloten doch ebenso.

Das Drama wird dort 2022 weitergehen......

Dieser Beitrag wurde am 13.02.2021 16:10 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 13.02.2021 - 14:48 Uhr
Schuldzuweisungen und Anschauungen helfen niemanden, aber ich muss sagen, ich bin seit den 1990'er Jahren in meiner Meinung ueber die Schweizer Luftfahrt Organisatoren nicht ueberrascht.

Zuviele Leichen liegen da schon im Keller und man sieht, am Ende ist dieses sonst so nette und lustige "Wir sind 1 Team" Gefuehl in der Schweizer Luftfahrt nicht viel wert.

Egal ob Partner, Angestellter, Kunde oder nur Anhang dieser Swiss / ex SwissAir, wer volles Vertrauen in diese Leute hatte, der sollte seine Einstellung endlich auf Realitaet umstellen.

Man kann nicht und konnte noch nie diesem Regime Glauben schenken, am Wenigsten in schwierigen Lagen!

Wer weiss ob hier nun in Sachen Cockpit und COVID-19 die LH Mutter die Zuegel gefuehrt hat, aber jeder Leidtragende in diesem neuen Reinfall in der Gutglaeubigkeit, denke ich wird nun anders denken ueber dieses Unternehmen und deren Lenker.

American Airlines in den 1990'ern
LTU in den 1990'ern
amadeus IT in den 2000'ern
Kunden nach Absturz SR und LX Fluegen
Reisebuero Vertrieb in den 2000'ern als ploetzlich ein Entgelt pro gebuchtem Segment faellig wurde, bei 0% Commision
Angestellte der Tochterfirmen die immer und immer wieder untergebuttert wurde (Edelweiss, Crossair, Swissport)

Ich habe noch NIE ein Wort dieser Gesellschaft geglaubt, noch nicht mal in schriftform, bis es nicht umgesetzt war.

Bei Swiss gibt es schon immer eigene Regeln und Gesetze!
Sollte eigentlich jeder wissen?!
Beitrag vom 13.02.2021 - 12:48 Uhr

Ich kann nicht sagen, ob die Piloten mehr leisten könnten, aber ich glaube, dass bei einem Vorkrisenumsatz von etwa 5 Mrd CHF 100 Mio CHF in 2 Jahren die Firma nicht retten werden.
Airlines sind kapitalintensive Unternehmen, in die man aufgrund des Risikos nur investiert, wenn die Renditen gut sind.

Da haben Sie sowieso recht: an den Piloten-Zugeständnissen wird es nicht liegen, ob die Airline überlebt oder nicht.

Aus meiner Sicht geht es um den berühmten Manager-Spruch: "Lass keine Krise ungenutzt!" Die Rendite nach der Krise soll jetzt schon optimiert werden. Leider über Gebühr.


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