Jens Bischof
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Eurowings-Chef staunt über steile Nachfrage

Eurowings Airbus A320
Eurowings Airbus A320, © Eurowings

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BERLIN - Fluglinien nehmen das Testen von Reiserückkehrern selbst in die Hand - und kommen schärferen Quarantäneauflagen zuvor. Die Bundesregierung hat Airlines aufgefordert, das Flugangebot über Ostern nicht weiter aufzustocken. Die Nachfrage nach der Mallorca-Öffnung hat selbst erfahrene Airlinechefs erstaunt.

Eurowings-Chef Jens Bischof ist überwältigt. Trotz zusätzlicher Flüge sei er von der jüngsten Nachfragewelle im Mallorca-Verkehr überrascht worden. Mit Hilfe ihrer Basis in Palma sei Eurowings auf diesen Ansturm aber gut vorbereitet.

In 30 Jahren Airline-Arbeit habe er eine derartig steile Nachfragewelle wie zu Ostern auf die Balearen noch nicht erlebt, sagte der Eurowings-Chef in der im Internet übertragenen Gesprächsreihe "Kamingespräch" der "Aviation Week" am Montag.

Die Nachfrage habe zeitweise um 700 Prozent zugelegt, nachdem die Risikoeinstufung für die Baleraren geändert worden sei, so dass Reisen wieder freigegeben waren, berichtete der Airline-Chef.

Eurowings habe über Nacht 350 Flüge hinzugefügt, "um buchbar zu bleiben", so Bischof. Manche Passagiere hätten buchstäblich auf gepackten Koffern auf die Buchungsmöglichkeit gewartet. Gegenüber der vorherigen Covid-19-Flaute hätten sich die Buchungen insgesamt vervierfacht, wenngleich von einem niedrigen Niveau ausgehend.

Er sei bereits zufrieden, wenn Eurowings das Ostergeschäft mit 40 bis 50 Prozent eines normalen Aufkommens abschließen könnte.

Für die Luftfahrtbranche gehe es jetzt vorranig darum, das Vertrauen der Passagiere zurückzugewinnen. Diese seien durch vielfach geänderte Reisevorschriften und Beschränkungen nachhaltig verunsichert worden und müssten sich noch immer auf ständig neue, kurzfristig angesetzte Regelungen einstellen, etwa Quarantäne nach einer Rückkehr oder eine Testpflicht.

Eurowings sei mit Abstand die größte Airline Deutschlands für den touristischen Kurz- und Mittelstreckenverkehr und wolle hier wachsen, darunter ab April an der neuen "Basis" BER, aber auch in Europa und außerhalb von Deutschland. Rund ein Drittel des Geschäfts entfalle außerdem auf Direktflüge für Geschäftsreisende zwischen wichtigen Großstädten außerhalb von Frankfurt und München.

Eurowings Discover nutze zwar die gleiche Marke, sei aber eine separate Firma mit eigener Betriebslizenz (AOC). Discover werde sich auf touristische Langstrecken ab Frankfurt und später München konzentrieren. An diesen Drehkreuzen ließen sich Langstreckenflüge leichter füllen und der Mutterkonzern Lufthansa könne mit Know-how und Logistik helfen.

Mit Wertschätzung für den Kunden, Freundlichkeit und Zuverlässigkeit wolle sich Eurowings von den Ultra-Lowcost-Airlines unterscheiden. Eurowings trage "Lufthansa-Erbgut" in sich, sagte Bischof. Viele in der Krisenzeit erfundene Neuerungen, etwa das Hinzubuchen und Reservieren leerer Mittelplätze, werde man auch in Zukunft fortführen.

2022 auch mit A320neo

Für die Flotte bei Eurowings sagt Bischof einen baldigen Wiederaufwuchs voraus: Nach ursprünglich über 100 Flugzeugen im Bestand habe man in der Krise alle "wet" geleasten Flugzeuge abgestoßen und damit alle von Germanwings, LGW und Czech Airlines. Der Tiefstand habe bei 20 Jets gelegen. Nun werde man einheitlich nur noch A319 und A320 einsetzen, 25 bis 28 Flugzeuge seien der aktuelle Stand.

Zum Sommer will Eurowings bereits wieder 80 Flugzeuge betreiben, um 2022 wieder die Flottengröße von 100 zu übertreffen. Dazu erhalte man 2022 auch zehn A320neo.

Für die Markterholung sei wichtig, wie die Impfregelungen und Reisevorschriften voran kämen, sagte der Manager. Das Prüfen neuer Impfnachweise werde die Bodenzeiten bei der Abfertigung pro Passagier von unter einer Minute auf bis zu drei Minuten beim Check-in verlängern. Dies dürfe nicht zu einer Störung der Flugzeugumläufe führen.
© FLUG REVUE - SST | Abb.: Eurowings | 23.03.2021 07:37

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Beitrag vom 23.03.2021 - 15:28 Uhr
4% sind horrend, wenn sie ihren Geschäften nicht nachgehen dürfen und so täglich mehrere hunderttausend Euro Verlust machen.
Dazu kann ich nur sagen, dass der Staat LH nicht gezwungen hat den Deal zu unterschreiben. Es war ein Angebot, welches das Management akzeptiert hat und welches die Eigentümer der mit einer großen Mehrheit in der außerordentlichen Hauptversammlung angenommen haben.

Dazu kann ich nur sagen, dass der Staat sich in dem Deal auch ausdrücklich aus allem Operativem heraushalten wollte. Das hat er ja auch so gemacht. Da ist doch alles in Ordnung, oder?
Beitrag vom 23.03.2021 - 14:53 Uhr
Sie argumentieren "vielleicht, aber auch nur vielleicht" und werfen anderen vor deren Prognosen wären Käse.

Sarkasmus ist Ihnen ein Begriff?
Na klar, kenne ich, nur erkannt hab ich ihn nicht.
Hut ab. Eine Glaskugel haben Sie demnach auch nicht.

Ich wäre aber auch nicht hingegangen und verlange von meinem Personal langfristige Einsparungen für eine Zeit, die ich nicht seriös prognostizieren kann.
Nun, ich kenne aber was für ein glückliche Konstellation nötig war um mal einen Gewinn von 2Mrd. + zu erwirtschaften. Wenn ich nun einen Schuldenberg von, Stand heute absehbar, von 6 Mrd+ vor mir herschiebe, dann wäre alles andere als Sparmaßnahmen aufzusetzen unserös.
Wer weiß schon was noch kommt? Eine weitere Mutation und alle Prognosen sind für die Tonne. Man kann sich nur auf einen Korridor vorbereiten und wenn der verlassen wird darf man doch mal überrascht sein.

Nein, das finde ich nicht. Nicht wenn man auf diesem Korridor aufbaut, um Einschnitte beim Personal zu verlangen.
Selbst innerhalb dieses Korridors verbrennt man aber immer noch Geld, auf welcher Grundlage soll man sich denn sonst damit auseinandersetzen. Sofortiger Stopp des Mittelabflusses und keine Chance zu reagieren wenn es wieder anzieht, weil alles weg ist? Best Case und Worst Case, irgendwo dazwischen. Bei Worst Case streuben sich doch jetzt schon alle, wie Sie schreiben. Wenn man jetzt mal, sehr temporär begrenzt, aus dem Korridor ausbricht, Gottseidank nach Oben, kann das doch mal überraschen.
Beitrag vom 23.03.2021 - 14:28 Uhr
Jetzt wo der Staat Miteigentümer mancher Airline ist, oder zumindest mit viel Geld deren Überleben sichert, hätte er nicht auf das Ausweiten des Flugangebots Einfluss nehmen können?

Natürlich.
Aber wenn er derart horrende Zinsen für seinen Kredit haben möchte, dann ist er sicherlich interessiert, dass die Airlines möglichst viel Geld verdienen.

...ja, aber doch nicht um jeden Preis! Durch das Einschleppen von Mutanten und die daraus entstehenden Kosten für das Gesundheitssystem übersteigen deutlich die Zinseinnahmen vom Rettungskredit (rein monetäre Betrachtung).

Im Übrigen sind die Zinsen nicht horrende. Hier sind mal ein paar Gründe, warum nicht:

1.) Die Bonität des Schuldners zum Zeitpunkt der Kreditzusage. Niemand sonst hätte Geld gegeben. Das Kreditausfallrisiko und Kreditvolumen waren viel zu hoch.

2.) Der Kredit ist ziemlich flexibel. Ähnlich wie bei einem Disopokredit. Inanspruchnahme und Rückzahlung sind kurzfristig möglich. Hat man ja gesehen. Der Dispo bei meiner Bank ist auch teurer als ein Darlehen mit fester Laufzeit und einem Tilgungsplan.

Unter diesen Bedingungen halte ich 4% im ersten Jahr nun wirklich nicht "horrende". Auch wenn die Zinsen in den Folgejahren steigen, liegen sie immer noch weit unter dem Zinssatz den hier so manch einer für seinen Dispo an die Bank abdrücken muss.

4% sind horrend, wenn sie ihren Geschäften nicht nachgehen dürfen und so täglich mehrere hunderttausend Euro Verlust machen.
Dazu kann ich nur sagen, dass der Staat LH nicht gezwungen hat den Deal zu unterschreiben. Es war ein Angebot, welches das Management akzeptiert hat und welches die Eigentümer der mit einer großen Mehrheit in der außerordentlichen Hauptversammlung angenommen haben.


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