Streit um ASEAN-Abkommen
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EU winkt Luftfahrt-Deal mit Katar durch

Qatar Airways Airbus A350-1000
Qatar Airways Airbus A350-1000, © Airbus

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BRÜSSEL - Der Rat der EU hat die Unterzeichnung des ebenso umfassenden wie umstrittenen Luftverkehrsabkommens mit Katar beschlossen. Air France-KLM und Lufthansa sehen einseitige Vorteile des Deals für Qatar Airways - und warnen bereits an anderer Stelle vor einem Ausverkauf europäischer Airlineinteressen.

CATA kommt - der Rat der EU hat am Montag die Weichen für eine Unterzeichnung des Luftfahrtabkommens zwischen EU und Katar gestellt.

Der Vertragstext sieht eine vollständige Öffnung des europäischen Airlinemarkts für Fluganbieter aus Katar vor: Qatar Airways darf Frequenzen und Ziele in der EU schrittweise ausbauen - und Passagiere über das Drehkreuz Doha an ihr weltweites Streckennetz anschließen.

In umgekehrter Richtung ist die Marktöffnung für europäische Airlines kaum interessant - Air France-KLM und Lufthansa kritisierten zuletzt in scharfen Worten eine Sonderbehandlung von Katars Luftfahrtsektor, damit andere EU-Wirtschaftszweige mit dem erdgasreichen Staat am Persischen Golf ins Geschäft kommen.

"Das Abkommen mit Katar liegt weder im Interesse der europäischen Beschäftigten noch der europäischen Luftverkehrswirtschaft", sagt auch Maria-Pascaline Murtha, Vorständin der Vereinigung Cockpit für internationale Beziehungen. "Umso wichtiger ist es daher, dass die EU-Kommission den fairen Wettbewerb im Rahmen dieses Abkommens eng überwacht und im Falle von Verstößen die notwendigen Maßnahmen ergreift."

In Deutschland ist Qatar Airways derzeit noch auf 35 Flüge pro Woche limitiert. CATA wird die Haltelinie zunächst verschieben und in den nächsten fünf Jahren komplett auflösen. Zudem darf die staatliche Airline in Zukunft direkte Frachtflüge aus der gesamten EU in Drittstaaten aufnehmen.

Streit um Marktzugang in Südostasien

Das EU-Abkommen mit Katar ist nicht der einzige Punkt, an dem Airlines und Brüssel unterschiedliche Auffassungen von fairem Wettbewerb vertreten.

Ein neuer Entwurf für ein EU-Luftfahrtabkommen mit den ASEAN-Staaten - dazu zählen unter anderem Malaysia, Thailand, Vietnam und Singapur - sorgt in der Branche ebenfalls für Wirbel.

"Der jüngste Vorschlag gesteht Malaysia das Recht zu, das Inkrafttreten des Abkommens auf unbestimmte Zeit zu verzögern oder ihm zu einem späteren Zeitpunkt beizutreten", heißt es in einem Positionspapier des von Air France-KLM und Lufthansa angeführten Lobbyverbands "E4FC".

Eine solche "Opting-Out-Option" schaffe nicht nur einen "gefährlichen Präzedenzfall", sondern bringe auch EU-Fluggesellschaften in eine schwierige Lage: "Im Zuge der Erholung von der Covid-19-Pandemie werden nicht alle EU-Luftfahrtunternehmen in der Lage sein, die Marktchancen in diesem Teil des ASEAN-Marktes voll zu nutzen."
© aero.de | Abb.: Qatar Airways | 29.06.2021 07:25

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Beitrag vom 02.07.2021 - 14:22 Uhr
"Die Verbraucher in der EU über alle Branchen gesehen wird der Deal freuen."

Aber auch nur die, die dann mit Qatar Airways fliegen (wollen).

Dazu ist niemand verpflichtet, aber in Sachen Service und Leistung im Preisvergleich haengt QR alle EU Airlines ab! WEIT ab! zudem noch eine sehr junge Flotte und moderne 5* Innenaustattung dazu.
Beitrag vom 01.07.2021 - 10:28 Uhr
Sie waren also schon oft in Qatar und kennen sich aus, ja? Speziell mit den Arbeitsbedingungen hier? Ich wohne seit 5 Jahren in Qatar und kann Ihnen mitteilen, dass die Mitarbeiterzufriedenheit bei QR sehr hoch ist. Piloten und Familien können ihre Unterkunft frei wählen. In meinem Gebäude alleine wohnen sechs QR Piloten mit Familien und sind sehr zufrieden.
Das ist schön zu hören. Allerdings deckt sich das nicht mit den Berichten der Kabinenkollegen, die bei Qatar geflogen sind. Also können wir uns alle aussuchen, was wir glauben.
Die Bedingungen für Arbeiter sind stärker kontrolliert als in anderen Ländern in Middle East. Z.B. gibt es hier ein Arbeitsverbot auf Baustellen tagsüber im Sommer an das sich jeder hält.
Meinen Sie die Heat Protection Regulation, 15. Juni - 31. August, 11:30 - 15:00 Uhr? Ja das hilft natürlich, wenn sich zB heute die Temparatur zum Dienstantritt um 16 Uhr von 44°C auf erfrischende 42°C abgekühlt hat.
Sowas passt nur leider nicht in die westliche Berichterstattung. Es braucht einfach keine Europäer um den Qataris zu erklären, dass man bei Hitze besser nicht arbeitet. Dass wissen die schon seit Jahrhunderten selbst.
Eben, des wegen kommen die Arbeiter ja auch aus dem Ausland. Alles klar, beiße nicht die Hand die Dich füttert.


Dieser Beitrag wurde am 01.07.2021 10:29 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 01.07.2021 - 09:35 Uhr
EU-weit hört man immer wieder Kritik an den Bedingungen in Katar, speziell in Hinblick auf die kommende Fußball-WM und den Stadionbau. Dazu gibt es genug Berichte über die miese Behandlung von Mitarbeitern bei Qatar Airways (sofortige Kündigung bei Schwangerschaft, Verpflichtendes Wohnen der Familien ausländischer Piloten in eigens bereitgestellten und überwachten Unterkünften etc.) und dann gibt man so einer Airline freien Zugang zu einem Markt, bei dem die lokalen Anbieter sich unzähligen Arbeitnehmerschutzgesetzen, Passagierrechten und immer mehr Vorschriften unterwerfen müssen. Und ich glaube kaum, dass sich Katar dann an alle von denen halten wird. Ganz falsches Signal liebe EU.

Zumal ich die Verhältnismäßigkeit dieses Abkommens nicht sehe. QR bekommt Zugang zu einem gigantischen Markt mit unzähligen Flughäfen und Möglichkeiten Verbindungen aufzubauen. Die EU-Airlines hingegen haben nun Zugang zu einem einzelnen Flughafen, an dem die rein von den Vorzeichen schon nicht mit dem Lokalmatador konkurrieren werden können.

Ich kann jeden Protest hier nachvollziehen.

Sie waren also schon oft in Qatar und kennen sich aus, ja? Speziell mit den Arbeitsbedingungen hier? Ich wohne seit 5 Jahren in Qatar und kann Ihnen mitteilen, dass die Mitarbeiterzufriedenheit bei QR sehr hoch ist. Piloten und Familien können ihre Unterkunft frei wählen. In meinem Gebäude alleine wohnen sechs QR Piloten mit Familien und sind sehr zufrieden. Die Bedingungen für Arbeiter sind stärker kontrolliert als in anderen Ländern in Middle East. Z.B. gibt es hier ein Arbeitsverbot auf Baustellen tagsüber im Sommer an das sich jeder hält. Sowas passt nur leider nicht in die westliche Berichterstattung. Es braucht einfach keine Europäer um den Qataris zu erklären, dass man bei Hitze besser nicht arbeitet. Dass wissen die schon seit Jahrhunderten selbst.
Was Arbeitnehmerschutzgesetze angeht, sind übrigens manche Europäische Airlines erschreckend kreativ diese zu umgehen. Ebenso manche Deutschen Schlachtereibetriebe und manche Spanische Gemüsebauern. Also gerne erstmal vor der eigenen Haustür kehren bevor man auf andere schimpft.


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