Zwischenfall in Porto
Älter als 7 Tage

A220 fuhr im Startlauf die Störklappen aus

Airbus A220-300
Airbus A220-300, © Airbus

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MONTREAL - Schweizer A220-Piloten hatten 2018 in Porto erhebliche Schwierigkeiten beim Start. Als Konsequenz aus dem Vorfall hat Airbus das Handbuch ergänzt.

Porto, 15. Juli 2018: Swiss-Flug 2077 nach Genf beschleunigt zum Start, doch der Airbus A220-300 kommt nicht so recht vom Fleck.

"Da der Pilot die Schubhebel nur auf einen Winkel (Thrust Lever Angle, TLA) von 20,6 Grad anschob, blieb die automatische Schubregelung armiert ohne aktiv zu werden", hält die Schweizer Flugunfallbehörde SUST in ihrem Abschlussbericht fest. "Nötig für die Aktivierung wäre ein TLA von 23 Grad gewesen."

Der zu geringe TLA aktivierte hingegen "per Design" bei 60 Knoten automatisch die Störklappen - jetzt wirkten die Spoiler zusätzlich jedem Auftrieb entgegen.

"Erst bei einer Geschwindigkeit zwischen 90 und 100 Knoten bemerkte der Pilot aufgrund der geringen Beschleunigung und der verbleibenden Pistenlänge, dass die gesetzte Leistung zu gering war", heißt es im Bericht. Der Kapitän drückte die Schubregler nach vorne und übersteuerte so die Logik: "Beim Passieren des TLA von 23 Grad fuhren die Spoiler per Design ein."

Nach dem 1,5-Fachen der berechneten Startstrecke hob das Flugzeug rund 1.000 Meter vor dem Pistenende ab. 

Drei Jahre nach dem Zwischenfall hat Airbus das A220-Handbuch aktualisiert: Piloten werden jetzt explizit auf die Notwendigkeit eines TLA von mindestens 23 Grad in der Startkonfiguration hingewiesen. Das Startverfahren sieht zudem einen zusätzlichen Callout der Piloten vor.
© aero.de | 02.07.2021 15:00
#17353
Beitrag vom 07.07.2021 - 10:34 Uhr
Die Entwicklung des Threads zeigt auf, dass weitere Erkenntnisse zu diesem Zeitpunkt nicht verfügbar und zu erwarten sind. Warten wir die weiteren Untersuchungen ab.
Der Thread wurde nach weiteren Löschungen auf *** read-only *** gesetzt.
Fly-away Moderator
Beitrag vom 07.07.2021 - 09:31 Uhr
@Hanomag und @A320Fam

Ich verfolge Ihre Diskussion zu dem Vorfall und den (möglichen) Ursachen mit großem Interesse. Auch wenn mir als Laien die Bedeutung der ganzen Fachbegriffe manchmal nicht ganz klar ist.

Etwas ist mir beim Lesen durch den Kopf gegangen und ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir das mit Ihrem Fachwissen erklären könnten.

Es gibt doch in den heutigen, modernen Jets Warnanzeigen/-töne für fast jede, auch noch so kleine Unregelmäßigkeit.

Was ich mich frage:
warum gab es beim Startbeginn für diese, offensichtliche Diskrepanz zwischen nicht ausreichender Schubregelstellung und Stellung der Störklappen (die ja quasi 'gegen den Startschub' gearbeitet haben) offensichtlich keinerlei Warnung durch die Systeme? Im Schlussbericht heißt es dazu:

"Im vorliegenden schweren Vorfall waren diese Bedingungen ebenso erfüllt, denn
der TLA betrug zu Beginn des Startlaufes lediglich 20.6°, weshalb beim Überschreiten der WS von über 60 kt die spoiler ausfuhren. Diese Konfigurationsänderung wird nur auf der flight control (FLT CTRL) synoptic page dargestellt und ist daher durch eine Flugbesatzung nicht zu erkennen, weil diese page während des Startlaufes auf keinem Bildschirm (Multifunction Window – MFW) vorgewählt wird (vgl. Kapitel 1.6.2). Auf dieser werden die Auslenkungen der spoiler zudem in grüner Farbe angezeigt, was einem normalen Zustand entspricht und deshalb nicht zwingend einer warnenden Bedeutung gleichkommt. ...."

Hat das eventuell damit zu tun, das der Startvorgang (flüssig) aus der Rollbewegung auf die Startbahn erfolgte und nicht aus einer Standposition?
Kann es sein, dass das "Flugzeug und alle Sensoren annahm" (sorry, sehr Laienhaft ausgedrückt) das ist kein Start (da ja Schubregler nicht in der dafür notwendigen Position), sondern z.B. eine Landung und die Störklappen haben versucht (was in diesem Fall, wenn ich das richtig verstanden habe, ihre Aufgabe ist) das Flugzeug auf den Boden 'zu drücken'?

Wäre das dann nicht, wie eben auch bei der von mir genannten missglückten Landung des LH Airbus in Warschau, in gewisser weise ein Programmierungsfehler, den man (wie damals ja auch erfolgt) ändern müsste bzw. vielleicht schon geändert hat?

Vielen Dank im voraus!


Dieser Beitrag wurde am 07.07.2021 09:38 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 07.07.2021 - 00:48 Uhr
Also, irgendwie macht das vielleicht so Sinn: Wenn beide Schubhebel auf T/O stehen, dann heißt das für den Flieger T/O. Nur ein Hebel in T/O und der andere nicht, kommt die T/O Warnung an dass einer der beiden Hebel nicht korrekt steht. Wenn beide nicht weit genug vorne stehen heißt das "Rollen" und wenn man zu schnell rollt weil zuviel Schub im Spiel ist, dann wird Auftrieb vernichtet (Spoiler) damit man nicht anfängt zu hüpfen. Bei einem missglückten Startversuch fühlt sich das an wie wenn jemand einen festhält. Das haben die beiden dann gemerkt und hatten glücklicherweise genügend Startbahn um das noch nachzubessern.

Darf ich dazu mal zwei Antworten von Ihnen auf einen Beitrag von mir zitieren. Und ich bitte Sie das nicht falsch zu verstehen: das soll kein "Angriff sein" sondern Sie anregen, vielleicht einmal nachzudenken, was Sie schreiben und anderen Vorhalten, gerade in Anbetracht Ihres obigen Beitrages (Ihre Worte in " "):

"Wenn man nichts weiß lässt man die Finger davon."

Aber was bleibt:
genauers und endgültiges wird erst der finale Unfallbericht ergeben.
"Darum: jetzt Pausentaste drücken."

"Mal ganz im Ernst: Mir wäre es sowas von peinlich hier so einen Sch.... zu schreiben."

Nochmal: bitte nicht gleich wieder lospoltern, einfach mal überdenken. Danke.

@Moderatoren: hat mit dem Artikel und der Diskussion zu tun, ich beziehe mich auf Antworten auf einen Beitrag von mir in diesem Thread.

Braucht das hier noch jemand?


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