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Warum es Tuifly nicht an den BER zieht

TUIfly Boeing 737-800
TUIfly Boeing 737-800, © Ingo Lang

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BERLIN - Deutschlands größter Reiseveranstalter Tui will sein Geschäft in Berlin deutlich stärken und bietet ab Mai sogar mehr Kontingent an als in der Zeit vor Corona. Eigene Flüge am neuen Hauptstadtflughafen BER mit seiner Tochter Tuifly wird der Konzern im Sommer aber nicht anbieten.

"Wir haben dieses Jahr so viele Plätze für Berlin eingekauft wie noch nie", sagte Deutschlandchef Stefan Baumert dem "Tagesspiegel". Verglichen mit 2019 liege das Plus bei 30 Prozent. Insgesamt hat 230.000 Sitze in Berlin reserviert.

Eigene Tuifly-Maschinen will der Reiseveranstalter aber nach wie vor nicht in Berlin einsetzen. "Wir konzentrieren uns in Deutschland auf fünf Abflughäfen, Berlin ist nicht dabei", sagte Baumert. "Am BER gibt es ein starkes Angebot von Low-Cost-Carriern, und die Kaufkraft in Berlin ist nicht so hoch wie etwa in Düsseldorf oder München, die Tuifly anfliegt".

Außerdem komme die Tui in Berlin schnell in Schwierigkeiten, wenn Flüge aus den Sommerbadezielen verspätet sind und das Nachtflugverbot näher rückt. "Wir reservieren für unsere Berliner Kunden exklusive Kontingente bei anderen Airlines, etwa bei Eurowings und Easyjet", sagte Baumert.

Der Konzern hat seinem Flugbetrieb in der Krise deutlich die Flügel gestutzt. Nach zähen Verhandlungen stand Anfang 2021 ein Kompromiss: Tuifly schrumpft von 35 auf 22 Flugzeuge. nachdem der Konzern die Flotte anfänglich halbieren wollte.

Wet Lease statt Tuifly

Die fehlende Flugkapazität ersetzt Tui mit externen Anbietern. Neben Eurowings und Condor werden Charter-Airlines wie SmartLynx oder European Air Charter für Tui Feriengäste fliegen. "Eigene Kapazitäten sind nach dem Kahlschlag im vergangenen Jahr nicht mehr ausreichend vorhanden", kritisiert die Vereinigung Cockpit.

Im Zuge der Flottenverkleinerung hatte TUIfly zahlreichen Pilotinnen und Piloten gekündigt, zahlreiche Klagen dagegen hatten vor Arbeitsgerichten Erfolg.
© aero.de | Abb.: Tuifly | 29.03.2022 06:37

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Beitrag vom 29.03.2022 - 10:33 Uhr
Entschuldigung, aber eine klügere Ausrede ist den TUI-Granden wohl nicht eingefallen:

Außerdem komme die Tui in Berlin schnell in Schwierigkeiten, wenn Flüge (...) verspätet sind und das Nachtflugverbot näher rückt.

Ein solches, teilweise sogar restriktiveres Nachtflugverbot gibt es auch an vier der fünf übrigbleibenden Stationen der TUIfly. Lediglich HAJ erlaubt Nachtflüge. Davon abgesehen, hätten die Wetlease-Airlines das Problem natürlich gleichermaßen.

"Wir reservieren für unsere Berliner Kunden exklusive Kontingente bei anderen Airlines, etwa bei Eurowings und Easyjet", sagte Baumert.

Eurowings, Smartlynx, European Air Charter... Exklusiv mag das ja sein, im Sinne von "für die TUI teuer eingekauft". Für die Kunden wird die Exklusivität, für die sie ja bei der TUI extra etwas mehr bezahlen, hingegen schwerer zu entdecken sein.

"Am BER gibt es ein starkes Angebot von Low-Cost-Carriern, und die Kaufkraft in Berlin ist nicht so hoch wie etwa in Düsseldorf oder München, die Tuifly anfliegt"

Sehr kurzsichtig und auch nicht gut analysiert. Die Region Berlin wächst, die Kaufkraft steigt, es leben speziell im Westen oder im Zentrum Berlins viele wohlhabende Einwohner und das Einzugsgebiet ist riesig, da es zwischen Warschau und Hannover kaum relevante Flughäfen gibt, seitdem z.B. auch Germania nicht mehr von Rostock oder Erfurt fliegt - allerhöchstens noch Leipzig. Davon abgesehen, können sich Pauschalgäste den Carrier ohnehin nicht aussuchen.

Es mag ja durchaus plausibel sein, Bremen oder Münster-Osnabrück zu schließen, selbst Köln wegen der Nähe zu Düsseldorf. Aber BER? Wo es offenbar Nachfrage nach 230.000 Flugsitzen gibt? Das sind über 1.200 volle 737-800, in sechs Monaten - die im Winter auch gut beschäftigt sind, mit Flügen auf die Kanaren und den Schiffszubringern z.B. nach Dubai oder Abu Dhabi.

Sich aus dem kompletten Osten zurückgezogen zu haben, anstatt sich gerade jetzt in der Krise breitzumachen, wird sich langfristig rächen. Andere werden schlauer sein und die Lücke füllen. Selbst von Condor, die ihre Station vor nicht allzu langer Zeit geschlossen haben, hört man hinter vorgehaltener Hand, daß man darüber nachdenkt, wieder dorthin zurückzukehren.

Dieser Beitrag wurde am 29.03.2022 10:58 Uhr bearbeitet.


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