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Starker Dollar gibt MTU Rückenwind

Hauptgebäude der MTU Aero Engines in München
Hauptgebäude der MTU Aero Engines in München, © MTU Aero Engines AG

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MÜNCHEN - Ein brummendes Wartungsgeschäft und der starke US-Dollar beflügeln die Geschäftserwartungen des Münchner Triebwerksbauers MTU. So soll der Umsatz im laufenden Jahr jetzt auf 5,4 bis 5,5 Milliarden Euro klettern, wie der Dax-Konzern bei der Vorlage seiner Quartalsbilanz am Donnerstag in München mitteilte.

Bisher hatte Vorstandschef Reiner Winkler 5,2 bis 5,4 Milliarden erwartet - schon dies wäre ein Rekord gewesen. Auch der Gewinn im Tagesgeschäft soll stärker steigen als bisher gedacht. Für die MTU-Aktie ging es nach der jüngsten Rally jedoch abwärts.

Am Vormittag verlor das Papier zeitweise mehr als drei Prozent an Wert. Zuletzt lag es mit einem Abschlag von gut zwei Prozent auf 173,30 Euro der zweitgrößte Verlierer im deutschen Leitindex. Allerdings war der Kurs in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen. Auf Monatssicht liegt er immer noch mit rund zwölf Prozent im Plus. Der Rekordwert von 289,30 Euro aus der Zeit kurz vor der Corona-Krise ist aber immer noch weit entfernt.

Dass Fluggesellschaften ihre Maschinen wieder häufiger zur Wartung schicken, liegt vor allem an der Erholung des Flugverkehrs von der Corona-Krise. So rechnet die Lufthansa auch für die kommenden Monate mit einer starken Nachfrage nach Flugtickets und hat ihre Gewinnprognose für 2022 nach einem starken Sommergeschäft sogar verdoppelt.

Auch MTU erwartet im Tagesgeschäft in diesem Jahr jetzt mehr Gewinn als bislang. So soll das bereinigte operative Ergebnis (bereinigtes Ebit) statt um einen mittleren 20er-Prozentsatz jetzt um einen niedrigen 30er-Prozentsatz steigen. Nach 468 Millionen Euro im Vorjahr kämen dabei mindestens 608 Millionen Euro heraus.

Der Rekordwert von 757 Millionen aus dem Jahr 2019 ist aber noch weit weg. Analysten hatten für 2022 bereits vor der Zahlenvorlage ein Ergebnis von rund 610 Millionen prognostiziert. Der bereinigte Überschuss soll nach Aussage des Vorstands im gleichen Maß zulegen.

Das angehobene Umsatzziel liegt vor allem an der Schwäche des Euro im Verhältnis zum Dollar, wie Finanzvorstand Peter Kameritsch in einer Telefonkonferenz erklärte. Denn in der Flugzeugbranche werden die Geschäfte in Dollar abgeschlossen. Weil die US-Währung in diesem Jahr im Verhältnis zum Euro an Wert gewonnen hat, kommt für MTU mehr Geld heraus. Auf den Gewinn habe dies aber nur geringe Auswirkungen, weil sich der Konzern zu einem Großteil gegen Währungskursschwankungen abgesichert habe, erläuterte Kameritsch.

Außerdem entwickelt sich das Wartungsgeschäft stärker als gedacht. Dort soll der Umsatz in diesem Jahr schon ohne den Dollar-Effekt statt um etwa 17 bis 18 Prozent jetzt um etwa 20 Prozent wachsen. Schon im bisherigen Jahresverlauf zog der Erlös in diesem Bereich stärker an als im Geschäft mit neuen Triebwerken und Ersatzteilen.

Lieferkettenproblem

Dabei bekommt MTU die angespannten Lieferketten in weiten Teilen der Industrie zu spüren. So verzögerten sich Reparaturen, die von Lieferanten getätigt würden, sagte Winkler. Auch im Militärgeschäft hätten sich zuletzt Aufträge verzögert, weil einzelne Teile für Triebwerke der Kampfjets Eurofighter und Tornado fehlten.

Und bei neuen Antrieben für Passagierflugzeuge fehlten immer wieder Teile, die die Fertigstellung verzögerten. Vielleicht entspanne sich die Lage im zweiten Halbjahr 2023, sagte Winkler. Dies sei aber schwer vorherzusagen.

Schon im Sommer hatte der weltgrößte Flugzeugbauer Airbus seine Auslieferungspläne zusammengestrichen, weil Triebwerkshersteller und andere Zulieferer mit der Produktion nicht hinterherkamen. So standen reihenweise praktisch fertige Flugzeuge vor den Werkshallen, denen nur noch die Antriebe fehlten.

Seither peilt Airbus-Chef Guillaume Faury für dieses Jahr nur noch die Auslieferung von 700 Verkehrsflugzeugen an, 20 weniger als ursprünglich anvisiert. Selbst dafür muss sich der Hersteller im Rest des Jahres ranhalten. Winkler bezweifelte am Donnerstag jedoch, dass Airbus die Pläne nur wegen fehlender Triebwerke gekappt hat.

MTU liege bei seinen Zulieferungen jedenfalls weitestgehend im Plan, sagte er. Airbus will seine Quartalszahlen an diesem Freitag (28. Oktober) vorlegen.

MTU baut gemeinsam mit anderen Triebwerksherstellern wie General Electric und der Raytheon-Technologies-Tochter Pratt & Whitney Antriebe für Flugzeuge der großen Hersteller Airbus, Boeing  und Embraer. Größter Umsatzbringer ist der Getriebefan-Antrieb von Pratt & Whitney, der vor allem bei den stark gefragten Mittelstreckenjets der Airbus-Modellfamilie A320neo zum Einsatz kommt. Für diesen Typ betreibt MTU auch eine eigene Endmontagelinie.

Im dritten Quartal erzielte MTU einen Umsatz von 1,35 Milliarden Euro, gut ein Drittel mehr als ein Jahr zuvor. Der bereinigte operative Gewinn legte um 35 Prozent auf 158 Millionen Euro zu. Damit übertraf das Unternehmen die durchschnittlichen Erwartungen von Analysten. Unter dem Strich stand ein Gewinn von 92 Millionen Euro, eine Steigerung um sechs Prozent.
© dpa-AFX | Abb.: MTU | 27.10.2022 08:41


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