Overture
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Zaubert Boom bald ein Triebwerk aus dem Hut?

Boom Overture
Boom Overture, © Boom Supersonic

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DENVER - Der Überschall-Passagierjet "Overture" des US-Startups Boom soll Mitte des Jahrzehnts abheben - doch keiner weiß, mit welchem Triebwerk. Namhafte Hersteller winkten bereits ab. Nun plant Boom eine "Ankündigung" zum Jahresende. Springt Pratt & Whitney in die Bresche?

Am Computer landet sie längst auf Flughäfen rund um den Globus. "Wo in der Welt ist Overture?", fragt Boom Supersonic regelmäßig seine Twitter-Fans und veröffentlicht ein entsprechendes Bild, das den geplanten Überschalljet aus der Vogelperspektive auf der Runway irgendeines Airports zeigt.

Wer binnen einer Stunde als erster errät, um welchen Flughafen es sich dabei handelt, dem winkt ein Preis aus dem Boom-Merchandise-Regal.

Außer netten Werbeartikeln und schönen Animationen hat das Flugzeugbau-Startup aus Colorado allerdings noch nicht sehr viel Handfestes zustande gebracht. Der Technologieträger XB-1 ist noch immer nicht geflogen und für das eigentliche Projekt, die "Overture", gibt es nach wie vor keinen Industriepartner, der die passenden Triebwerke liefert.

Eine Entwicklungspartnerschaft mit Rolls-Royce wurde von den Briten wegen fehlender wirtschaftlicher Perspektive beendet. Auch andere "Big Player", namentlich CFM, General Electric, Honeywell und Safran, sehen ihr Engagement in anderen Bereichen deutlich besser aufgehoben.

"Triebwerksankündigung" geplant

Während manche Beobachter das ehrgeizige Unterfangen, einen Concorde-Nachfolger für das 21. Jahrhundert auf die Runway zu stellen, nicht zuletzt wegen der ungelösten Motorenfrage bereits abschreiben, gibt sich Boom weiter betont zuversichtlich.

Man sei "auf Kurs für eine Triebwerksankündigung noch vor Ende des Jahres", erklärte nun ein Boom-Sprecher gegenüber dem US-Magazin Forbes. Von Forbes im selben Artikel aufgeworfene Spekulationen, wonach das Überschall-Startup bei Pratt & Whitney fündig werden könnte, wollte der Sprecher jedoch nicht kommentieren.

Man sei nach wie vor mit einer Reihe möglicher Partner im Gespräch. Ähnliches hört man von Boom allerdings bereits seit rund vier Jahren.

Da zur Entwicklung eines passenden Triebwerks für die Overture allerdings mehr notwendig ist als eine aus allen Rohren feuernde PR-Abteilung, ein bereits existierender Antrieb aus diversen Aspekten nicht ohne Weiteres infrage kommt und es deshalb einiger Entwicklungsarbeit bedarf, ist Boom definitiv auf die Unterstützung eines etablierten Partners mit entsprechendem Knowhow angewiesen.

Davon sind, nach den ablehnenden Worten der oben genannten Hersteller, nicht mehr gar so viele übrig.

"Interessantes Geschäftsmodell"

Bei Pratt & Whitney jedoch, das unter anderem die Turbofans F119 und F135 für die US-Tarnkappenjets F-22 und F-35 produziert, die damit ohne Nachbrenner schneller als der Schall fliegen können, scheint man zumindest nicht vollends auf Granit zu beißen.

Laut Forbes bezeichnete Pratt & Whitney-Zivilchef Rick Deurloo die Boom Overture als "sehr interessantes Geschäftsmodell", das bei Airlines bislang auf gutes Interesse stoße. Zwar unterstrich Deurloo, dass sich sein Unternehmen "zu 100 Prozent auf bestehende Programme" konzentriere.

Dennoch ließ er die Tür für Boom einen ordentlichen Spalt offen: "Wir denken, dass es ein interessantes Geschäft ist. Wir führen Gespräche. Mir ist niemand bekannt, der ihnen gesagt hätte, dass wir kein Interesse hätten."

Warten wir also bis Ende des Jahres ab...
© FLUG REVUE - Patrick Zwerger | Abb.: Boom Supersonic | 30.10.2022 06:47

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Beitrag vom 30.10.2022 - 14:42 Uhr
Ich glaube nicht, dass der Markt noch eine Überschall-Projekt hergibt. Der Zeitgewinn steht in keiner Relation zur ökologischen Belastung!
Beitrag vom 30.10.2022 - 11:05 Uhr

Nach dem kürzlichen Lillium-Artikel jetzt Boom?
Eine Serie über die Scharlatane unserer Branche finde ich eine gute Idee -als nächstes böte sich Volocopter an.
Mal ein paar "Augenzeugen" des Demonstrationsflugs über den Hamburger Hafen befragen. War was in der Kiste? Wieos stand die Feuerwehr versteckt hinter Containern bereit....?

AM Ende können wir Leser ja über eine Top 10 abstimmen ;-)

Gruß, 25.1309
Beitrag vom 30.10.2022 - 10:54 Uhr
Es dürfte sich mal wieder um ein Fördermittelabgreifprojekt handeln. Wer bereits jetzt binnen einer Stunde als erster errät, auf welchem Flughafen Boom zuerst gesichtet wird, ist ein Preis aus dem Boom-Merchandise-Regal. Dies zeugt mehr von grandioser Naivität als von Realitätssinn in einer Zeit, wo wir aus energetischen Gründen die Bratkartoffeln nur noch einseitig rösten sollen.


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