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Vor 5 Tagen

Lufthansa tritt stärker auf die Kostenbremse

Lufthansa Airbus A350-900 D-AIXT
Lufthansa Airbus A350-900 D-AIXT, © Lufthansa

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FRANKFURT - Lufthansa strauchelt auf der Langstrecke. Der Geschäftsreiseverkehr bleibt hinter den Erwartungen zurück, zeitgleich setzen Konkurrenten Lufthansa im Interkontgeschäft unter Preisdruck. Der Bereichsvorstand sieht eine "neue Realität" - und tritt noch kräftiger auf die Kostenbremse.

"Keine Krise, sondern eine strukturelle Veränderung": Die Lufthansa-Kernmarke trifft laut Bereichsvorstand Jens Ritter im Interkontverkehr auf Gegenwind. "Wir erleben eine neue Realität", informiert Ritter die Mitarbeiter in einem aktuellen Rundschreiben, aus dem zunächst das "Handelsblatt" zitierte.

Auf den wichtigen Interkontstrecken in die USA bereitet vor allem der Konkurrent IAG Lufthansa derzeit Probleme - Lufthansa kann kaum noch höhere Ticketpreise durchsetzen, zumal die Flugnachfrage von Firmenkunden stockt. Das Segment werde "auf dem aktuellen, niedrigen Niveau bleiben", schreibt Ritter.

Im Transatlantikverkehr liegt das branchenweite Angebot laut Lufthansa aktuell bei 106 Prozent des Vorkrisenschwellenwerts von 2019. Lufthansa baut ihr Nordamerikaangebot 2024 im Jahresvergleich um 13 Prozent aus und steht jetzt bei 96 Prozent des Vorkrisenwerts.

Zwar kann Lufthansa Tickets noch immer so teuer verkaufen wie nie, jüngste Tarifabschlüsse mit Flug- und Bodenpersonal zehren aber am Ergebnis - die Prognose für 2024 hatte das Lufthansa-Management bereits im April wegen hoher Streikkosten von 2,7 auf 2,2 Milliarden Euro nach unten korrigiert..

Lufthansa hatte bereits Ende April den Rotstift bei Neueinstellungen in der Verwaltung und allen Projekten angesetzt, die nicht das Kundenverhältnis tangieren.

Die Maßnahmen reichen laut Ritter nicht aus. Der Bereichsvorstand kündigt jetzt weitere Korrekturen bei "Sach-, Personal- und Projektkosten" an, die "kurzfristig" wirken sollen. Unter anderem werden Mitarbeiter zum Abbau verbleibender Urlaubs- und Gleitzeitansprüche bis Jahresende angehalten.

Lufthansa will Kosten und Erlöse im Flugbetrieb auch über eine Neuausrichtung der Kontstrategie besser in Einklang bringen: Der neue Flugbetrieb City Airlines soll Cityline ablösen.

"Leider sehen wir aktuell verschärft, dass unser Businessplan nicht aufgeht und Kosten und Erlöse in einem ungesunden Verhältnis zueinander stehen", hatte Lufthansa Airlines Betriebsvorstand Karl Brandes kürzlich in einem Brandbrief an die Piloten die Dringlichkeit des City-Airlines-Aufbaus unterstrichen. Lufthansa brauche "insgesamt wettbewerbsfähige Kosten im Kont-Feed".

"Überhaupt nicht so, wie wir uns das vorstellen"

Nach streikgeprägten Tarifrunden in der Luft und am Boden hat Lufthansa zwar Planungssicherheit. Konzernchef Carsten Spohr sieht aber Aufholbedarf bei der Produktivität. "Ohne ganz erhebliche Produktivitätssteigerungen wird es nicht gehen", setzte Spohr das Thema im Mai auf die Tagesordung.

Lufthansa legt am 31. Juli die Zahlen für das zweite Quartal vor. Die Kernmarke Lufthansa blieb zwischen April und Juni hinter den Erwartungen zurück, hatte Spohr vergangene Woche im Mitarbeiterdialog "Offen gesagt" Kurskorrekturen bekräftigt. "Das läuft gerade überhaupt nicht so, wie wir uns das vorstellen", sagte Spohr laut "Handelsblatt".
© aero.de | Abb.: Lufthansa | 11.07.2024 09:41

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Beitrag vom 13.07.2024 - 00:20 Uhr
> Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Aufsichtsrat bei diesem Treiben tatenlos zu sieht. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass die Personalplanung in den letzten Monaten, gerade auch in Bezug auf Sommerplus, ein ganz neues Level erreicht hat. Auch eine Art der Wertschätzung für das Sommerplus Team...

Der Aufsichtsrat musste sich entscheiden, Trainer oder Spieler tauschen. Jetzt waren vier Spieler dran und wenn die eingebunden aind, wird es den erfolglosen Trainer treffen, der Saison um Saison Besserung gelobt. Lerztlich ist er mit einer Ausnahme, zu der er dann noch nicht einmal etwas beigetragen hat, jede Saison gescheitert und immer waren andere Schuld.
Das Sommerplus Team gehört aus meiner Sicht auch nicht gewertschätzt. Es wird Zeit, dass man die Vorturner vor die Pumpe laufen läßt, umso schneller lößt sich das Hauptproblem. Jedes entgegenkommen der Beschäftigten wurde letztlich meist gegen Sie verwendet. Zum Beispiel um letztlich ein neues New Normal zu definieren, frei nach dem Motto, geht doch. Da strampeln sich Personalvertreter und Gewerkschaftler für Arbeitsbedingungen ab und andere prostituieren sich für eine "Schmutzzulage".

Beitrag vom 12.07.2024 - 17:19 Uhr
@Heinzi
...aber bevor das passiert, wird CS aus dem Vorstand entfernt.
Er hat sicherlich eine Menge richtig gemacht, aber auch zu viele strategische Fehler gemacht.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Aufsichtsrat bei diesem Treiben tatenlos zu sieht. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass die Personalplanung in den letzten Monaten, gerade auch in Bezug auf Sommerplus, ein ganz neues Level erreicht hat. Auch eine Art der Wertschätzung für das Sommerplus Team...



Beitrag vom 12.07.2024 - 17:05 Uhr
Wenn ich einerseits noch vor kurzem lese, es wird dringend Personal gebraucht und jetzt das ca. 20 % zuviel MA 'an Bord' sind - die quasi nichts zu tun haben - dann ist da schon irgendwas offensichtlich ziemlich schief gegangen (so rein in der Personalplanung...).

Die Lösung dürfte einfach sein. Bei Cockpitmitarbeitern hat man auf die "falschen Muster" geschult, die jetzt nicht geliefert werden und bei den Kabinenmitarbeitern hat man schlicht zu wenig. Ständig wird darum gebettelt, ob man nicht freiwillig aus freien Tagen fliegen möchte. Sommer plus Teams werden angeboten, in den man freiwillig bis an die Wand fliegt, bei reduziertem freie Tage Anspruch.
Viele Sachen kann LH nicht, dazu gehlrt seit 30 Jahren Personalplanung. IT steht auch ganz oben auf der Liste und mittlerweile auch Airline als solche, fürchte ich. Irgendwann muss der Laden zu machen, weil man keine Ausreden mehr findet.


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