Schutz vor Drohnen
Älter als 7 Tage

"Es muss nicht unbedingt in die Luft geschossen werden"

Drohnenhinweis am Frankfurter Flughafen
Drohnenhinweis am Frankfurter Flughafen, © Fraport

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BERLIN - Deutschland ist aus Sicht einer Expertin nicht gut genug aufgestellt, was die Abwehr von Drohnen an Flughäfen angeht. Ulrike Franke, die sich mit der deutschen und europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik befasst, kritisierte im "Spiegel"-Interview, dass es zwar vereinzelt auch bei der Polizei Systeme zur Abwehr gebe, aber nicht ausreichend.

"Selbst an kritischer Infrastruktur wie großen Flughäfen gibt es keine oder zu wenige Abwehrmaßnahmen", sagte die Wissenschaftlerin. Zugleich brauche man sich keine Illusionen über eine Drohnenabwehr über ganz Deutschland machen, sagte sie im RBB-Inforadio. "Aber an den relevanten Orten ist da auf jeden Fall viel mehr möglich."

Drohnensichtungen hatten in Dänemark in den letzten Tagen insbesondere am Flughafen Kopenhagen den Flugbetrieb durcheinander gebracht und für Verunsicherung auch in anderen NATO-Staaten gesorgt.

Kritik: Flughafenbetreiber haben nicht investiert

Notwendig seien mehrere Systeme, um gegen verschiedene Drohnen vorgehen zu können. Als Beispiele nannte Franke im "Spiegel" Störsender, Abfangdrohnen, Laser oder Mikrowellenwaffen. "Es gibt nicht das eine System, das man zum Schutz kritischer Infrastruktur kauft und damit alle Herausforderungen bewältigt."

Es gebe auch Drohnen, die Drohnen abfangen, zum Beispiel mit Netzen, sagte sie im RBB-Inforadio. "Es muss gar nicht unbedingt in die Luft geschossen werden, um so eine Drohne runterzuholen."

Franke vermutet, dass Störungen durch Drohnen für Flughafenbetreiber bislang nicht ökonomisch relevant genug waren, um in Abwehrsysteme zu investieren. "Das finde ich am erstaunlichsten, weil Drohnen an Flughäfen katastrophale Auswirkungen haben können, im schlimmsten Fall bringen sie einen Jet zum Absturz", sagte sie dem "Spiegel".

Vor diesem Hintergrund müsse man auch die Überflüge über den dänischen Flughäfen sehr kritisch sehen. Franke: "Wenn das Russland war, nimmt es Unfälle mit vielen Toten in Kauf." Der Flughafenverband ADV sieht beim Schutz der Flughäfen vor Drohnen vor allem den Staat in der Pflicht.
© dpa-AFX | Abb.: Fraport | 26.09.2025 09:22

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Beitrag vom 26.09.2025 - 19:06 Uhr
Deutschland ist aus Sicht einer Expertin nicht gut genug aufgestellt, was die Abwehr von Drohnen an Flughäfen angeht.

Nicht gut aufgestellt ist ein Schönreden, praktisch überhaupt nicht abwehrbereit, geschweige in der Lage der Identifikation. In Kopenhagen tauchten die Geräte über Stunden auf, ohne dass man mit scramble das heading inbound outbound hätte verfolgen können. Die Flughäfen hätten nicht genug investiert ist eine unpassende Feststellung dieser nicht näher genannten Lady. Der Aufbau einer Abwehr ist doch primäre Aufgabe des BMI zusammen mit den Militärs, da ja auch zahlreiche andere sicherheitsrelevanten Bereiche tangiert sind.

EU Kubelius sagte, er werde sich nun beim EU-Gipfel im Oktober noch den politischen Rückhalt der Staats- und Regierungschefs sichern. Im Anschluss werde man dann gemeinsam mit nationalen Expertinnen und Experten eine detaillierte technische Roadmap festlegen und Europas Verteidigungsindustrie mobilisieren.

Das dürfte wohl eher eine bürokratische EU Luftnummer werden.
Beitrag vom 26.09.2025 - 16:49 Uhr
Die Frau Franke vermutet offenbar, dass es funktionsfähige Drohnenabwehrsysteme gäbe. Als "Expertin" sollte sie wissen, dass es sowas noch gar nicht gibt.

Es gibt zahlreiche Prototypen, die bisher alle noch nicht so recht funktionieren, mit unterschiedlichen Systemen. Dass schiessende Drohnen auf offenem Meer praktikabel sind, unsere Mitbürger aber nur ungern von herabfallendem Schrott getroffen werden wollen, sollte vielleicht nicht unerwähnt bleiben, es könnte die Präferenzen limitieren.

Speziell die Version mit dem Netz hat bisher auch nicht so richtig überzeugt. So ein Netz hat endliche Größe, und es lässt sich auch nicht sehr weit schießen, ganz abgesehen davon, dass es dann auch noch einigermaßen treffen sollte.

Das erfolgversprechendste System scheint eine Laserkanone sein, aber die benötigte Energie ist hier ein Problem, und es ist schwierig, sowas auf einem LKW unterzubringen. Die Mobilität des Systems ist aber ein unbedingtes Muss. Ein israelischer Prototyp soll schon recht gut funktionieren und in Kürze hier getestet werden. Aber was passiert beispielsweise, wenn er vorbeiziehlt und ein Flugzeug im Endanflug trifft?

Die Behauptung, dass hinsichtlich Drohnenabfang viel mehr möglich sei, ist reine Augenwischerei. Mögliche ist fast alles, wenn man es bezahlen kann. Es bleibt dem Leser überlassen, ob es sinnvoll wäre, eine unausgereifte Technologie noch mit bekannten Mängeln in größerem Umfang auszurollen. Leider dauert ein praxistauglicher Systemlaunch etwas länger als ein schnell gegebenes Interview.

Beispielsweise weiß bis heute kein Mensch, ob die derzeit an diversen Flughäfen auftauchenden Drohnen bereits andere Drohnen sichten, darauf reagieren und mit schnellen Ausweich- und Fluchtmanövern das Weite suchen können. Ihre Leitzentrale könnte man dann allenfalls an lautem Gelächter lokalisieren.


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