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Teurer Weg zur klimaneutralen Luftfahrt

Kondensstreifen
Kondensstreifen, © aero.de

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HAMBURG - 2050 will die Flugbranche Klimaneutralität erreichen. Eine klimaneutrale Luftfahrt ist nach einer neuen Studie aber noch weit entfernt - und wohl nur mit Investitionen in Billionenhöhe erreichbar. Die Studie empfiehlt unter anderem schnellere Bahnverbindungen und höhere Ticketsteuern.

Der Weg zu einem klimaneutralen Luftverkehr ist weit und einer Studie zufolge nur mit sehr hohen Investitionen machbar. Bis zum Zieljahr 2050 müssten rund 5,1 Billionen Dollar (aktuell rund 4,4 Billionen Euro) eingesetzt werden, um die angestrebte Dekarbonisierung des Luftverkehrs zu erreichen, schreibt der Kreditversicherer Allianz Trade in einer Studie.

Der internationale Airlineverband IATA strebt eine CO2-Neutralität des Luftverkehrs für das Jahr 2050 an. Um diese "Herkulesaufgabe" zu bewältigen, müssten viele Zahnräder ineinander greifen, sagt die Allianz-Trade-Luftfahrtexpertin Maria Latorre. "Die Reduzierung des aktuell großen CO2-Fußabdrucks in der Luftfahrt erfordert ein umfassendes Maßnahmenpaket, das sowohl Technologie, Treibstoffe, Betrieb als auch Politik umfasst."

Klimaschäden gehen über CO2 hinaus

Weil Kondensstreifen und Stickoxide die negativen Klimawirkungen des in den Triebwerken verbrannten Kerosins verstärken, ist die zivile Luftfahrt nach Einschätzung der Studie aktuell für rund 6 Prozent der menschlich verursachten Erderwärmung verantwortlich.

Die klimaschädlichen CO2-Emissionen könnten mit einem umfassenden Einsatz nachhaltiger Treibstoffe (Sustainable Air Fuel SAF) um 60 bis 90 Prozent gesenkt werden, schreiben die Autoren. Aktuell werden aber nur 0,3 Prozent des weltweiten Kerosinbedarfs mit diesen Kraftstoffen abgedeckt.

Neben der Herstellung von SAF aus nachwachsendem, biogenem Material kommt auch die theoretisch unbegrenzte Herstellung synthetischer Kraftstoffe aus regenerativer Energie (PowertoLiquid PtL) infrage.

Hierfür bräuchte es erhebliche Investitionen in erneuerbare Energien, diversifizierte Rohstoffe und großangelegte Produktionsanlagen, unterstützt durch klare und stabile politische Vorgaben, so die Studie. Aktuell hat der Deutsche Bundestag die für das kommende Jahr geplante nationale PtL-Quote gestrichen. Dem Branchenverband BDL zufolge sei kein PtL-Treibstoff vorhanden, sodass eine Quote nur zu Strafzahlungen geführt hätte.

Emissions-Zertifikate immer noch zu billig

Als zeitlich begrenzte Zwischenlösung sieht Allianz Trade den bereits eingeführten Handel mit Verschmutzungsrechten (Emissionshandel) auf europäischer und globaler Ebene an. Dieses marktwirtschaftliche Instrument könne die richtigen Anreize für notwendige Investitionen setzen. Aktuell seien die Zertifikate aber immer noch billiger als nachhaltige Kraftstoffe, kritisiert Latorre.

Ohnehin komme die Branche auch bei der Anschaffung neuer und effizienterer Flugzeuge wegen der Lieferschwierigkeiten der führenden Hersteller nur sehr langsam voran. Das durchschnittliche Alter der eingesetzten Flugzeuge habe einen Rekordwert von 15 Jahren erreicht und Wartezeiten für Neubestellungen belaufen sich inzwischen auf fast sechs Jahre, so die Studie.

Globale Nachfrage wächst schnell

Sämtliche CO2-Sparbemühungen werden zudem konterkariert durch die stetig steigende Nachfrage nach Flügen. Statt global rund 5 Milliarden wie im laufenden Jahr dürften es Allianz Trade zufolge im Jahr 2050 bereits 12,4 Milliarden Reisen sein, für die Menschen in ein Flugzeug steigen.

In Europa werde die Nachfrage vergleichsweise moderat um 52 Prozent auf 1,81 Milliarden Passagiere steigen. Mehr als die Hälfte der Nutzer sei innerhalb Europas unterwegs. Hier liege die offensichtlichste Möglichkeit zur Emissionsminderung, wenn diese Reisen auf sehr schnelle Eisenbahnverbindungen verlegt werden könnten. Ergänzend könne man Flugticketsteuern erheben, um die Nachfrage zu dämpfen.

Allianz Trade ist ein Unternehmen der Allianz Gruppe und bewertet zur Absicherung des eigenen Geschäfts regelmäßig Risiken der globalen Wirtschaft.
© dpa | Abb.: aero.de | 07.12.2025 07:45

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Beitrag vom 08.12.2025 - 12:15 Uhr
Wir müssen hier noch präzisieren: CO2 frei ist nicht nicht gleich Klimaneutral.
Im Artikel steht "Klimaneutral"
Damit kommt SAF auch nur als Übergangslösung infrage. Die Kapazität allein dafür wird man niemals in 5 Jahren hoch Skalieren können. Realistisch 15 Jahre. Freigabe Prozesse für 100% Anteil dauern auch eher 10 als 5 Jahre. Zum Preis hat Eric M alles gesagt.

"Technologieoffenheit" wird vor allem von nicht wissenden Politikern in den Raum gestellt und dann glaubt man an " einfach mal zu entwickelnde" Lösungen. Einfach ja klar, fangt doch schon mal an.

Die "low hanging fruits" (einfach und mengenmäßig relevant) sollten immer als erstes gepflückt werden und die ganz ganz oben zuletzt.
Beitrag vom 08.12.2025 - 10:44 Uhr
Ach, ich hörte doch immer wenn es genug erneuerbare Energie gibt kostet das alles kaum mehr.

rd. 5.000 Mrd $ in 25 Jahren allein an Investition sind rd. 200 Mrd. p.a. Dann kommen noch die höherern Betriebskosten für die Zukünftige Fliegerei.
Wer rechnen kann wusste es immer aber es wollten die meisten nicht hören.
So nach dem Motte "Enntwickelt doch einfach mal ein elektrisch betriebenes Flugzeug für 1.000 km und für 200 PAX.

Und die Alternativen schnelle Züge kosten auch nichts? Wir sollten uns darauf einstellen, das der Luftverkehr als allerletztes CO2 neutral erfolgen kann. Die 6% könnte die Erde verkraften wenn alles andere umgestellt sein würde.
Könnten Sie genauer begründen, warum erst alles Andere unter Ausschluss des Luftverkehres CO2 neutral werden muss? Sollten nicht alle Verkehrs- und Wirtschaftsbereich gleichermaßen ihren Beitrag leisten? Nur weil es für die Luftfahrt schwieriger ist, soll sie ausgenommen werden? Ihr Ernst?

Ist Ihre Frage ernst gemeint?
Dann erkläre ich es Ihnen: Es ist alles banal bei der Umstellung im Gegensatz zur Luftfahrt. Wenn der Schwierigkeitsgrad etwa 5-20 bei den erdgebundenen Dingen wie Verkehr, Industrie, Bauen, Wohnen und Wirtschaft ist, Ordnen Sie die Luftfahrt mal bei 100 ein. Die ist nicht schwieriger sondern da sehe ich nur die Herstellung von ausreichenden SAF als Lösung. Und die ist damit dann auch nicht klimaneutral wegen des Wasserdampfes und der Kondensationsstreifen sondern noch erheblich teurer.
Das nennen Sie dann "Technologieoffenheit"?

Über Preis reden wir erst einmal nicht. Da ist es aber ähnlich. Wir könnten alle genannte Bereiche neben der Luftfahrt quasi sofort umstellen. Haben SIE schon alles getan? Nicht nur E Auto das NUR mit PV oder Windstrom fährt? Ihre Heizung zieht die Wärme aus der Umwelt mittel WP die wie das Auto NUR mit EE Strom läuft usw....
Viele haben immerhin schon angefangen...Warum sollte man jetzt warten, bis alle umgestellt haben, um dann erst mit der Umstellung der Luftfahrt zu beginnen? Nur weil es aktuell noch sehr schwierig ist? Und deshalb steigt man aus der SAF-Entwicklung aus? Ist das der richtige Weg?

Wenn ich höre "ich bin Energieautark weil ich 10 kWp auf dem Dach und einen 10 kWh Akku im Haus habe" könnte ich ko...n wegen der Dummheit der Leute.
Die Leute mögen es noch nicht begriffen haben, aber die haben die die ersten Schritte gemacht.
Beitrag vom 07.12.2025 - 23:20 Uhr
Wir sollten uns darauf einstellen, das der Luftverkehr als allerletztes CO2 neutral erfolgen kann.

Das ist richtig, solange man CO2 neutral mit BEV gleichsetzt.
CO2 frei könnte er tatsächlich schon innerhalb von ca. 5 Jahren werden.
So lange benötigt man, um mit einer aggressiven Strategie genug PTL Kapazität zu schaffen, statt darauf zu warten, dass der "Freie Markt" irgendwie die teuerstmögliche Lösung hervorbringt - obwohl das das Gegenteil seines Wirkmechanismus ist.

Das Einzige, was einen CO2 freien Luftverkehr verhindert, ist der absehbare Preis von irgendwo nördlich von 5€ pro Liter.
Die Technik ist da und würde vermutlich sogar für die übrigbleibende Nachfrage bei 400-500% der heutigen Flugpreise, also ca. 10% des heutigen Aufkommens, skalieren.

Das gilt natürlich für jeden heute noch fossil betrieben Wirtschaftszweig. ZB für den angeblich so "effizienten Verbrenner", den sich unsere Regierung gerade wieder von der Autolobby hat in den Mund legen lassen. Oder "effiziente Ölheizungen".
Klar könnTen die alle CO2 neutral, mit PTL das keiner zahlen will - und keiner zahlen wird.

Dieser Beitrag wurde am 07.12.2025 23:58 Uhr bearbeitet.


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