Freihandelsabkommen
09:04 Uhr

Indien schafft Zölle auf europäische Luftfahrtgüter ab

Air India Airbus A350-900
Air India Airbus A350-900, © Air India

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NEU-DELHI - Nach Südamerika jetzt Indien: Die EU hat die Verhandlungen für ein weiteres großes Freihandelsabkommen abgeschlossen. Auf Flugzeuge, Flugzeugteile und Raumfahrtgüter aus EU-Produktion wird Indien in Zukunft keine Zölle mehr erheben. Airbus schreibt dem indischen Markt enormes Potenzial zu.

Die EU und Indien haben die Verhandlungen über den Aufbau einer riesigen neuen Freihandelszone abgeschlossen. Das teilten EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Indiens Premierminister Narendra Modi in Neu-Delhi mit.

Durch den Abbau von Handelsbarrieren und Zöllen soll der Austausch von Waren und Dienstleistungen zwischen der EU und Indien angekurbelt werden. Ziel ist es, Wachstum und Arbeitsplätze zu fördern und zugleich unerwünschte Abhängigkeiten von anderen Staaten zu reduzieren.

Vor dem Hintergrund der aggressiven Zoll- und Handelspolitik der USA und dem zunehmenden Machtstreben Chinas gilt das Abkommen zudem auch als geopolitisch bedeutsamer Schritt - und bietet auch für die europäische Luft- und Raumfahrtindustrie Vorteile.

Der bisherige indische Zoll von elf Prozent auf Luft- und Raumfahrtgüter "entfällt für fast alle Produktgruppen", teilte die EU-Kommission am Dienstag in Brüssel mit. 2024 exportierte die europäische Luft- und Raumfahrtindustrie - allen voran Airbus - Waren für 6,4 Milliarden Euro nach Indien.

Der indische Luftfahrtmarkt gilt als extrem aussichtsreich. Airbus wittert über die nächsten 20 Jahre ein Absatzpotenzial für deutlich mehr als 2.000 neue Verkehrsflugzeuge in Indien. Mit knapp neun Prozent pro Jahr wuchs der indische Inlandsluftverkehr zuletzt so rasant wie kein anderer Luftverkehrsmarkt der Welt.

"Die EU und Indien schreiben heute Geschichte und vertiefen die Partnerschaft zwischen den größten Demokratien der Welt", sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.

Markt mit fast zwei Milliarden Menschen

Das Abkommen wird zwar nicht so umfassend sein wie jenes, das die Europäische Union zuletzt mit den Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay geschlossen hat. Angesichts der Größe des indischen Marktes ist es dennoch eines der größten, die bislang vereinbart wurden.

Indien ist noch vor China mit mehr als 1,45 Milliarden Einwohnern das bevölkerungsreichste Land der Welt. In der EU leben rund 450 Millionen Menschen. Gemeinsam repräsentieren beide Seiten nahezu ein Viertel des weltweiten BIP und der Weltbevölkerung.

Zum Potenzial der Handelsbeziehungen zwischen der EU und Indien teilte die EU mit, es werde erwartet, dass das Abkommen bis 2032 zu einer Verdoppelung der EU-Exporte nach Indien führen werde, indem Zölle auf 96,6 Prozent des Wertes der EU-Warenexporte nach Indien abgeschafft oder gesenkt würden.

Insgesamt würden die Zollsenkungen Einsparungen von rund vier Milliarden Euro pro Jahr an Abgaben auf europäische Produkte ermöglichen. Nach EU-Angaben sind bereits heute mehr als 6.000 europäische Unternehmen in Indien vertreten.

Eine EU-Beamtin in Brüssel sagte, der Handel mit Indien mache bislang nur rund 2,5 Prozent des gesamten EU-Warenhandels aus – im Vergleich zu knapp 15 Prozent bei China. Trotz vergleichsweise hoher Zölle auf indischer Seite sei der Handel zwischen der EU und Indien in den letzten zehn Jahren bereits um fast 90 Prozent gewachsen.

Zweiter Anlauf auf ein Freihandelsabkommen

Mit der fünftgrößten Volkswirtschaft gab es schon von 2007 bis 2013 Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen. Damals scheiterten die Gespräche jedoch und wurden erst 2022 wieder aufgenommen. Das Interesse an einer Einigung erhöhte sich zuletzt auf beiden Seiten angesichts des Verhaltens Trumps.

Auf indische Produkte erheben die USA inzwischen Zölle in Höhe von 50 Prozent, einschließlich der 25 Prozent wegen Handelsgeschäften ihres Partners mit Russland. Indien, das gute Beziehungen zu Moskau wie zum Westen pflegt, bezieht einen Großteil seines Öls und Gases aus Russland, das wiederum die Einnahmen in den Angriffskrieg gegen die Ukraine steckt.
© dpa, aero.de | 27.01.2026 09:04


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