Flughafen München
Gestern, 14:29 Uhr

Zwangsübernachtung im Flugzeug ohne strafrechtliche Folgen

Winter am Flughafen München
Winter am Flughafen München, © FMG

Verwandte Themen

MÜNCHEN - Die unfreiwillige Übernachtung Hunderter Passagiere in Flugzeugen am Münchner Flughafen wird keine strafrechtlichen Folgen haben. Nach der Prüfung des Polizeiberichts zum Vorfall im Februar sei das Verfahren ergebnislos eingestellt worden, teilte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Landshut auf Nachfrage mit.

Es gebe keine ausreichenden Hinweise, dass jemand durch sein Verhalten verfolgbare Straftaten begangen haben könnte.

Die Polizei war tätig geworden, nachdem ein "wohl unbeteiligter Dritter" eine Prüfung der Vorgänge angeregt hatte, hatte das Polizeipräsidium Oberbayern Nord mitgeteilt. Dieser Antrag sei über ein Kontaktformular beim Landeskriminalamt in München eingegangen. Anzeigen von betroffenen Passagieren gingen nach Polizeiangaben nicht ein.

Laut einer Lufthansa-Sprecherin wurden allen Betroffenen in Fliegern der Lufthansa Group finanzielle Entschädigungen angeboten - "obwohl die Passagiere gemäß EU-Fluggastrechteverordnung aufgrund des Wetters keinen Anspruch darauf gehabt hätten".

Wer Kontaktdaten hinterlegt hatte, habe ein Entschuldigungsschreiben mit einem Link erhalten, um Ansprüche anzumelden. Wie viel Geld die Reisenden erhielten, habe sich anhand der Länge der geplanten Flugreise bemessen. Sowohl die Fluggesellschaft als auch der Flughafen hatten sich für die "unzumutbare Situation" entschuldigt.

Flugzeuge konnten wegen Schneefalls nicht abheben

Insgesamt waren laut Flughafen sechs Flüge mit rund 600 Passagieren betroffen, die bereits an Bord waren und eigentlich starten sollten. Als die Flugzeuge dann aber wegen starken Schneefalls wider Erwarten doch nicht abheben durften, fehlten Busse, um die Fluggäste ins Flughafengebäude zurückzubringen.

Zwischen 0.00 Uhr und 5.00 Uhr morgens gilt in München die Nachtflugregelung. Um trotzdem doch noch möglichst viele Flüge zu ermöglichen, sei in der Nacht eine Sonderfluggenehmigung eingeholt worden und Flugzeuge seien noch bis 1.00 Uhr nachts auf die Rollfelder geschickt worden. Wegen des starken Schneefalls konnten die betroffenen sechs Flieger in dem Zeitfenster aber nicht abheben.

Feuerwehr war in der Nähe - und wurde nicht alarmiert

Während die Passagiere in den Flugzeugen ausharren mussten, waren nach Airport-Angaben Dutzende Feuerwehrleute in unmittelbarer Nähe, die hätten helfen können.

"Sie hätten alarmiert werden sollen", sagte Thomas Hoff Andersson, der Geschäftsführer Aviation und Operation der Flughafen München GmbH, nach dem Vorfall. Insgesamt hätte es in jener Nacht mehrere Möglichkeiten gegeben, die Situation mit Notfallmaßnahmen zu beheben, das sei aber nicht geschehen: "Wir haben das nicht gut hingekriegt."

Künftig soll es "klare Vorgaben geben, wenn Eskalationen auf die nächste Führungsebene erfolgen müssen". Außerdem wollen der Flughafen und die Lufthansa künftig in solchen Fällen noch enger kooperieren.
© dpa-AFX, aero.de | Abb.: FMG | 02.07.2026 14:29

Um einen Kommentar schreiben zu können, müssen Sie sich bei aero.de registrieren oder einloggen.

Beitrag vom 03.07.2026 - 09:22 Uhr
Ich finde es eigentlich sehr spannend: Dieser Zwischenfall hat (wieder einmal) gezeigt, wie unfassbar schnell im Internet ge- und verurteilt wird. Ohne jeglichen Hintergrund wird sofort reagiert, angeprangert. Da sollte sich niemand ausnehmen, ich selber natürlich auch nicht. Wir alle(!!) sind viel zu schnell emotional, verurteilen viel zu schnell und hacken nachher, wie man jetzt gerade wieder sehen kann, aufeinander rum. Das Internet ist die digitale Form des Mittelalters mit Hexenverbrennungen, der Mistgabel und dem Pranger. Die Medien sind da obendrein die Katalysatoren für diesen Prozess: Es wird geklickt was emotionalisiert, es emotionalisiert was geklickt wird. Dass die Medien sich da als "wir sind doch nur die Medien und berichten wertfrei" immer wieder stilisieren ist mindestens genau so unverantwortlich, wie die entsprechend unreflektierte Reaktion in den Foren und Antwortspalten. Wir sind eigentlich gefangen im Teufelskreis: Es wird nur das veröffentlicht was gut geklickt wird (der Werbung wegen) und wir klicken nur was aufmerksamkeitswirksam veröffentlicht wird. Schlechte Nachrichten sind da natürlich viel ertragreicher als gute Nachrichten.... ergo kommt die Frage auf: Woher kommt dieser Masochismus in uns allen (bei manchen mehr, bei manchen weniger), dass wir uns so gerne aufregen - vor allem über andere? Eine rhetorische Fragestellung. Ich hoffe, die folgenden Generationen können mit diesem Medium besser umgehen....aber da bin ich mir relativ sicher :)
Beitrag vom 03.07.2026 - 09:10 Uhr


Wenn sich niemand der Freiheit beraubt fühlte, niemand den Notruf wählte, die Ermittler kein strafbares Verhalten feststellen konnten... was war dann der Notfall?

Erstmal sind Straftat und Notfall zwei rechtlich und tatsächlich grundlegend verschiedene Dinge.
Dann werden Straftaten nicht gefühlt. (Bezüglich der Erfüllung von Straftaten hatten wir vorausgehend eine intensive Diskussion hier.)
Und schließlich ist Freiheitsberaubung kein Antragsdelikt - und erst recht nicht an das Wählen des Notrufs gebunden.



Deswegen werden ja auch die Ermittler genannt. Und jetzt?
Beitrag vom 03.07.2026 - 00:01 Uhr
Inkompetentes Personal gibt es mittlerweile überall. Wenn man die jedesmal verklagen würde, würden die Gerichte völlig absaufen.

Sorry, aber das ist nun wirklich kein Argument.
Gibt es für Sie eine Erheblichkeitsschwelle für Inkompetenz?
Eine Erheblichkeitsschwelle für Inkompetenzfolgen?
Oder ist das alles für Sie egal,
gottgegeben und zu ertragen?
Wie wollen Sie Inkompetenz messen? Welche Maßeinheit schlagen Sie vor? Und welche Skala?
Oder reich es aus, Inkompetenz irgendwie zu fühlen?
Aber selbst dann, wenn Sie diese Fragen beantworten können... Ist Inkompetenz ein Rechtfertigungs- oder Entschuldungsgrund?



Stellenmarkt

Schlagzeilen

aero.uk

aero.ukWe spread our wings to the UK. Visit aero.uk for British aviation news from our editors.

schiene.de

Meistgelesene Artikel

Community

Thema: Pilotenausbildung

FLUGREVUE 07/2026

Shop

Es gibt neue
Nachrichten bei aero.de

Startseite neu laden