"Wall Street Journal"
Gestern, 07:02 Uhr

Neues Software-Problem bei Boeing 737 MAX

Boeing 737 MAX 9
Boeing 737 MAX 9, © Boeing

Verwandte Themen

SEATTLE - Boeing hat einen neuen Software-Fehler bei seinem weit verbreiteten Modell 737 MAX gefunden. Dem Konzern zufolge kann das Problem bei einigen Maschinen dazu führen, dass nach einem abgebrochenen Landeversuch die automatisierte vertikale Navigation bei weiteren Anläufen zunächst nicht zur Verfügung steht.

Stattdessen könnten sie nur auf eine niedrigere Automatisierungsstufe zugreifen.

Boeing betonte zugleich, dass Piloten ausgebildet seien, Maschinen auch ohne Automatisierung zu landen - und das System mit einer Serie von Schritten wieder aktiviert werden könne.

Man arbeite daran, das Problem mit einem Software-Update dauerhaft zu lösen. Bisher ist unklar, wie viele der mehr als 2.000 ausgelieferten 737-Max-Maschinen den Fehler haben.

Die 737 MAX ist der Modelltyp, der den Konzern in seine schwerste Krise brachte, mit deren Folgen Boeing noch immer zu kämpfen hat. Bei zwei tödlichen Abstürzen im Oktober 2018 und März 2019 waren 346 Menschen ums Leben gekommen.

Zentraler Auslöser war eine Assistenzsoftware, die die Piloten unterstützen sollte, aber unter bestimmten Umständen zu stark in die Steuerung eingriff. Mitarbeiter des Flugzeugbauers hatten bei der Zertifizierung der 737 MAX durch US-Behörden spezielle Schulungen für die Software für unnötig erklärt. Boeing musste die Produktion der 737 MAX aussetzen und sie ist immer noch reduziert.

Die 737 MAX wurde nach weiteren Problemen oft als Pannen-Flugzeug bezeichnet. So sorgte ein Zwischenfall, bei dem im Januar 2024 im Steigflug ein Rumpfteil einer fast neuen 737-Maschine herausbrach, für neue Zweifel an Boeings Qualitätsmanagement.

Airlines informiert

Boeing habe im August alle Fluggesellschaften, bei denen die 737 MAX im Einsatz ist, über den neuen Software-Fehler unterrichtet, sagte ein Sprecher. Dabei habe es geheißen, er stelle kein Sicherheitsrisiko dar, schrieb das "Wall Street Journal" unter Verweis auf ein Dokument des Unternehmens.

Der Zeitung zufolge wollen die US-Airlines Southwest und United Boeing keine Maschinen mit dem Software-Fehler abnehmen. Die US-Luftfahrtaufsicht FAA prüfe das Problem.

Dem "Wall Street Journal" zufolge wurde Boeing erstmals im November 2024 vom Betreiber der 737 MAX auf den Fehler hingewiesen. Zunächst habe es aber danach ausgesehen, dass das Problem nicht die Voraussetzungen für eine sicherheitstechnische Überprüfung erfüllt habe, hieß es.

Diese sei nun im September eingeleitet worden. Der Fehler gehe auf ein Software-Update zurück, schrieb die Zeitung. Branchenvertreter sähen ein potenzielles Problem darin, dass der extra Aufwand für die vertikale Navigation eine zusätzliche Belastung für Piloten im Landeanflug sei.
© dpa-AFX, aero.de | Abb.: Boeing | 27.09.2026 07:02

Um einen Kommentar schreiben zu können, müssen Sie sich bei aero.de registrieren oder einloggen.

Beitrag vom 28.09.2026 - 09:00 Uhr
Eine Vertrauensbildende Headline nach der anderen. Boeing sollte die 737 endlich beerdigen, und dieses Frankensteins Monster der Luftfahrt endlich gehen lassen.

Stimme FRAHAM zu. So ein Fehler ist ziemlich unabhängig vom Lebenszyklus der Hardware. Realtime-Programmierung ist ein sehr komplexes Feld, ob jetzt auf 80er Jahre Hardware oder auf aktueller.

Dass das Problem überhaupt kommuniziert wird, zeigt mMn zumindest, dass Boeing diesmal nicht auf Biegen und Brechen versucht, Geld auf Kosten der Sicherheit von Crews und Passagieren zu sparen, was gegenüber dem MCAS Fiasko schon eine positive Verhaltensänderung darstellt, auch wenn die Reaktionszeit von knapp 2 Jahren und der angekündigte Zeitraum für einen Fix sehr lange erscheinen.
Beitrag vom 28.09.2026 - 00:20 Uhr
Aus diesem Fehler allein lässt sich schwer ableiten, dass die 737 MAX grundsätzlich ausgedient hat. Softwarefehler können auch bei einer Neuentwicklung auftreten. Umgekehrt ist „Piloten können auch ohne VNAV fliegen“ keine ausreichende Antwort: Gerade nach einem Durchstarten, möglicherweise mit einer geänderten Route, kommt es darauf an, wie viel zusätzliche Arbeit und Ablenkung ein unerwarteter Wechsel des Automatisierungsmodus erzeugt.

Kann dieser Fehler einen Absturz verursachen? Nach dem bisher bekannten Ablauf gibt es keinen Hinweis darauf, dass er das Flugzeug unmittelbar unkontrollierbar macht oder wie das ursprüngliche MCAS selbst gefährliche Steuerbefehle auslöst. VNAV fällt unter bestimmten Bedingungen aus - die Besatzung muss die vertikale Flugführung dann anders übernehmen. Ein einzelner solcher Fehler ist damit noch kein Absturzszenario. Ob er zusammen mit hoher Arbeitsbelastung, schlechtem Wetter oder weiteren Fehlern zu einer gefährlichen Situation beitragen kann, ist aber eine berechtigte Frage an die laufende Sicherheitsbewertung.

Ebenso interessant ist der zeitliche Ablauf: Boeing wurde nach den vorliegenden Berichten bereits Ende 2024 auf das Problem hingewiesen und hat nach weiteren Meldungen nun eine formelle Überprüfung angestoßen. Welche neuen Erkenntnisse haben die Bewertung verändert? Und warum war eine dauerhafte Korrektur zunächst erst für 2028 vorgesehen?

Dass die FAA den Fall prüft und Airlines die betroffene Softwareversion bei Neuauslieferungen vorerst nicht akzeptieren wollen, erscheint mir deshalb nachvollziehbar. Entscheidend sind die konkrete Risikobewertung, klare Verfahren für die Crews und ein belastbarer Termin für die Korrektur.
Beitrag vom 27.09.2026 - 22:18 Uhr
Dann warten wir mal gespannt um wieviel die Entwicklungszeit des A 320 (4 Jahre und 1 1/2 Monate) überschritten wird. Die doppelte Zeit könnte man ja mal als Messlatte ansetzen. Wieviel drunter oder drüber.
A 380 hat 82 Monate bis EIS gebraucht.
Nachtrag B 777 4,5 Jahre B 777X vermutlich 14 Jahre.
B 737 26 Montae und die 737 Max 5 Jahre 9 Monate.

Dieser Beitrag wurde am 27.09.2026 22:25 Uhr bearbeitet.


Stellenmarkt

Schlagzeilen

aero.uk

schiene.de

Meistgelesene Artikel

Community

Thema: Pilotenausbildung

FLUGREVUE 09/2026

Shop

Es gibt neue
Nachrichten bei aero.de

Startseite neu laden